- VonBettina Menzelschließen
Kurz vor den Landtagswahlen in Bayern und Hessen stellen die Bundesbürger der Ampel-Regierung ein schlechtes Zeugnis aus. Die SPD steckt im Umfragetief.
Berlin – Die Wählergunst für die Ampel-Regierung scheint zu schwinden: Die aktuellen Zustimmungswerte der SPD liegen einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa für die Bild am Sonntag zufolge bei 17 Prozent – und damit einen Prozentpunkt niedriger als noch in der Vorwoche. Zum Vergleich: Bei der Bundestagswahl 2021 kamen die Sozialdemokraten auf 25,7 Prozent.
Ampel-Regierung im Umfragetief: Stärkste Partei weiterhin Union
Nicht nur im Heizungsstreit gab es innerhalb der Ampel-Koalition gehörige Konflikte. Die Arbeit der Regierung sei aber besser als ihre Außenwirkung, meint Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) kurz vor der Wahl in Hessen. „In der Ampel wird mitunter gestritten, es geht mitunter laut und kontrovers zu – weil wir Konflikte, die es in der Gesellschaft insgesamt gibt, quasi stellvertretend miteinander ausdiskutieren“, so der Minister. Die Bundesbürger und -bürgerinnen scheinen das nicht zu quittieren. 68 Prozent der Menschen in Deutschland sind der Umfrage zufolge mit der Arbeit der Ampel unzufrieden, nur 23 Prozent zufrieden.
Die Insa-Umfrage sah die Sozialdemokraten nur noch bei 17 Prozent. Die FDP verlor der Erhebung zufolge ebenfalls einen Prozentpunkt im Vergleich zur Vorwoche und erhielt sechs Prozent der Wählerstimmen. Stärkste Kraft war weiterhin die Union, die ihren Vorsprung um einen Prozentpunkt im Vergleich zur Vorwoche ausbauen konnte und auf 27 Prozent Zustimmung kam. Stabil bei 14 Prozent blieben indes die Grünen, ebenso wie die Alternative für Deutschland (AfD), die weiterhin bei 22 Prozent lag. Die Linke kam auf fünf Prozent. Die Grünen hatten bei der Bundestagswahl 2021 noch 14,8 Prozent der Wählerstimmen und die FDP 11,5 Prozent erhalten.
Wie die soziale Erwünschtheit Meinungsumfragen beeinflusst
Im Rahmen der Umfrage stellte das Meinungsforschungsinstitut Insa den Teilnehmenden die Frage: „Wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre, wie würden Sie wählen?“ Dementsprechend stellt die Meinungsumfrage lediglich eine Momentaufnahmen dar. Vom 2. bis 6. Oktober nahmen 1201 Menschen an der Befragung teil. Die Fehlertoleranz liegt laut Insa bei +/- 2,9 Prozentpunkten, wodurch sich das vermeintliche Tief im Vergleich zur Vorwoche der Ampel relativiert – der Wert könnte laut Genauigkeitsspanne demnach auch bei 19,9 Prozent statt 17 Prozent Zustimmung liegen.
Insgesamt beobachten Meinungsforscher in der deutschen Politiklandschaft nachlassende Parteibindung und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen, was die Vorhersagen des Wahlausgangs erschwert. Teilweise werden Angaben in Meinungsumfragen auch von sozialer Erwünschtheit geprägt, was insbesondere bei den Angaben zur Wahlabsicht der rechtspopulistischen bis rechtsextremen Partei AfD eine Rolle spielen könnte. Aus wissenschaftlicher Perspektive steht die klassische „Sonntagsfrage“ als populärwissenschaftlich in der Kritik, wobei Forscher alternative Erfassungsmethoden vorschlagen. (bme mit dpa)