Umfrage-Debakel für Merz: Kanzler erreicht neuen Tiefpunkt
VonSimon Schröder
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Friedrich Merz hat zu Beginn seiner Kanzlerschaft viel riskiert. In der Bevölkerung sinkt das Vertrauen – seine Umfragewerte erreichen einen Tiefstand.
Berlin – Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) steht vor einer beispiellosen Vertrauenskrise. Eine aktuelle INSA-Umfrage für Bild zeigt, dass 62 Prozent der Befragten seine Arbeit negativ bewerten. Nur noch 26 Prozent sind mit seiner Leistung zufrieden. Diese Zahlen markieren einen neuen Tiefpunkt in Merz‘ Amtszeit als Kanzler.
Die Unzufriedenheit beschränkt sich nicht nur auf den Kanzler. Die gesamte Bundesregierung sieht sich mit ähnlich schlechten Werten konfrontiert. 63 Prozent der Befragten geben an, mit der Arbeit der Großen Koalition unzufrieden zu sein. Lediglich 23 Prozent äußern sich positiv.
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INSA-Umfrage mit Tiefpunkt für Merz-Regierung: Großteil der Befragten unzufrieden
Zufrieden
Unzufrieden
Neutral/Keine Angabe
Friedrich Merz
26% (-3)
62% (+3)
12% (0)
Bundesregierung
23% (-4)
63% (+1)
14% (+3)
INSA-Umfrage im Auftrag der Bild vom 18. bis 19. September; 1001 Befragte; Vergleich mit der Umfrage vom 5.9
Die Zahlen sind alarmierend für die Regierungsparteien. Sie deuten auf ein tiefgreifendes Vertrauensproblem zwischen Bürgerinnen und Bürgern und politischer Führung hin. Die anhaltende negative Stimmung könnte weitreichende Folgen für die politische Stabilität haben. Das aktuelle ZDF-„Politbarometer“ offenbart eine ähnliche Entwicklung. Zum ersten Mal liegen CDU/CSU und AfD im Politikbarometer gleichauf. Beide Parteien erreichen jeweils 26 Prozent der Stimmen.
ZDF-Politbarometer sieht AfD und CDU/CSU gleich auf: Merz kann der AfD keinen Einhalt gebieten
Trotz des Aufstiegs der AfD sieht nur eine Minderheit von 21 Prozent der Befragten eine Verbesserung der Politik bei einer AfD-Regierungsbeteiligung. 60 Prozent erwarten sogar eine Verschlechterung. Die SPD bleibt mit 15 Prozent auf dem dritten Platz, gefolgt von der Linkspartei mit 11 Prozent und den Grünen mit 10 Prozent. BSW und FDP würden mit jeweils 3 Prozent aktuell nicht in den Bundestag einziehen.
Neben innenpolitischen Sorgen zeigen sich die Deutschen auch zunehmend beunruhigt über außenpolitische Entwicklungen. Erstmals erwartet mehr als die Hälfte der Befragten (56 Prozent) einen russischen Angriff auf osteuropäische NATO-Staaten wie Polen oder die baltischen Länder.
Auch der Nahost-Konflikt beschäftigt die Deutschen. Eine überwältigende Mehrheit von 83 Prozent hält das israelische Vorgehen im Gazastreifen für nicht gerechtfertigt. Nur 10 Prozent unterstützen die Aktionen Israels. Diese Ergebnisse zeichnen ein Bild tiefer Verunsicherung in der deutschen Bevölkerung. Sowohl innen- als auch außenpolitisch sehen sich die Bürger mit Herausforderungen konfrontiert, für die sie von der aktuellen Regierung keine zufriedenstellenden Lösungen erwarten. (Quellen: ZDF, Bild) (sischr)