Kaum Zweifel an Ukraine-Hilfe

„Politbarometer“: Grüne brechen ein, Habeck abgestraft - und trotzdem noch Umfrage-Liebling

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Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) und Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne).
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Eine Umfrage zeigt, dass die Grünen-Politiker immer noch beliebt sind – trotz Einbußen für Robert Habeck. Der Streit in der Koalition kommt indes nicht gut an.

München/Mainz - In der Ampel-Koalition schwelten zuletzt immer wieder Konflikte. Als Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) vorschlug, zwei der drei Atomkraftwerke (AKW) in Reserve zu schicken, kam seitens der FDP heftige Kritik - Einigkeit sieht anders aus. Bei den Wählern kommt der Streit offenbar nicht gut an: Die Union hatte die SPD ohnehin längst überholt, nun zieht sie laut dem aktuellen ZDF-„Politbarometer“ auch den Grünen davon.

Trotz der Kritik von allen Seiten bleibt Habeck selbst aber weiterhin relativ beliebt. Das „Politbarometer“ zeigte aber auch, dass sich die Mehrheit der Befragten eine Verlängerung der Laufzeiten für die Atomkraftwerke wünschen.

Umfrage: Streit in der Ampel-Koalition zeigt schlechtes Verhältnis

Die Streitigkeiten in der Koalition beäugten die befragten Wähler kritisch. Eine Mehrheit von 52 Prozent fand, dass das Verhältnis zwischen den Ampel-Koalitionspartnern SPD, Grüne und FDP nicht gut sei. 38 Prozent sehen es als eher gut an und 32 Prozent mutmaßten gar, dass die Koalition nicht bis zum Ende der Legislaturperiode halten wird.

Wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre, würde die CDU/CSU der Erhebung zufolge mit 28 Prozent den ersten Platz belegen - ein Plus von zwei Punkten. Die Regierungsparteien liegen deutlich hinter der CDU/CSU. So verlieren die Grünen drei Punkte und sind zweitstärkste Kraft mit 23 Prozent. Die SPD kommt weiterhin auf unveränderte 19 Prozent und die FDP verliert einen Punkt und erreicht 6 Prozent. Gewinne von einem Prozentpunkt macht die AfD - sie kommt auf 13 Prozent. Die Linke erreicht 5 Prozent. Alle anderen Parteien kommen zusammen auf 6 Prozent.

Robert Habeck bleibt trotz Kritik Umfrage-Liebling

Trotz der Kritik und dem verpatzten TV-Auftritt bei Maischberger bleibt Habeck aber beliebt. Auf einer Skala von -5 bis +5 zur Beurteilung von Sympathie und Leistung der Politiker, erreicht der Grünen-Minister einen Durchschnittswert von 0,9. Das ist zwar deutlich schlechter als Mitte August (1,7), dennoch hält er sich an der Spitze im Ranking der wichtigsten Politiker.

Platz zwei belegt Annalena Baerbock (0,8), gefolgt von dem grünen Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (0,7). Danach kommen Olaf Scholz (0,5), Karl Lauterbach (0,0), Markus Söder (0,0), Christian Lindner (-0,1), Friedrich Merz (-0,1) und Sahra Wagenknecht (-0,7). Erstmals kommt auch die AfD-Politikerin Alice Weidel in dem Ranking vor. Sie wird mit -2,6 bewertet. Bis auf Karl Lauterbach verschlechterten sich aufgezählten Politiker im Vergleich zur letzten Umfrage.

Umfrage zeigt: Entlastungspaket reicht nicht aus - Sorgen um Energiekrise

Ganze 49 Prozent finden, dass die Bundesregierung mit dem Entlastungspaket zu wenig für die Bürger mache. Nur 5 Prozent sagen, dass die Bundesregierung zu viel tue und 36 Prozent finden die Maßnahmen gerade richtig. 68 Prozent meinen, dass für Bürger mit wenig Einkommen zu wenig getan werde.

Omid Nouripour, Olaf Scholz, Christian Lindner und Saskia Esken (v.l.n.r.) der Vorstellung des dritten Entlastungspaketes.

Über die Energiekrise machen sich 47 Prozent sehr große bis große Sorgen, während 39 Prozent sich nicht so große Sorgen machen - 13 Prozent machen sich gar keine negativen Gedanken. Derweil will die Mehrheit der Befragten - ganze 54 Prozent - eine Verlängerung der Atomkraftlaufzeit über April 2023 hinaus. Den Plan, zwei Atomkraftwerke als Notreserve bereitzuhalten, unterstützen 32 Prozent. Ganze 12 Prozent wollen an dem Atomausstieg bis Ende 2022 festhalten.

Unterstützung für die Ukraine im Krieg gegen Russland

Im Ukraine-Krieg wollen 70 Prozent der Befragten die Ukraine weiterhin unterstützen. Nur 21 Prozent sind dafür, das von Wladimir Putins Truppen attackierte Land nicht mehr zu unterstützen. Das Maß der militärischen Unterstützung für die Ukraine findet mehrheitlich Unterstützung. 40 Prozent fordern eine stärkere militärische Unterstützung und 30 Prozent finden das aktuelle Engagement des Westens richtig. 24 Prozent sprechen sich für eine verringerte Militärhilfe aus.

Zugleich sehen weniger Menschen ihre Gesundheit durch das Coronavirus gefährdet. Nur 30 Prozent fühlen sich in Gefahr, 62 Prozent sehen keine solche. Strengere Corona-Schutzmaßnahmen befürworteten 58 Prozent der Befragten - 40 Prozent sprachen sich dagegen aus.

Die Umfrage führte die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen laut ZDF vom 6. bis 8. September 2022 bei 1.299 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten telefonisch durch. Für die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland sei die Befragung repräsentativ. Bei einem Anteilswert von 40 Prozent liegt der Fehlerbereich bei rund +/- drei Prozentpunkte. Bei einem Anteilswert von 10 Prozent bei rund +/-zwei Prozentpunkten. (vk)

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