„Atomkraft ist eine Katastrophe für alle kommenden Generationen“

Umweltschützer: Debatte über längere Akw-Laufzeiten behindert Energiewende

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Kai Niebert

Der Umweltdachverband Deutscher Naturschutzring (DNR) warnt, dass die Diskussionen über längere Akw-Laufzeiten die Umsetzung der Energiewende blockieren.

Berlin in Deutschland - "Die Debatte um eine Laufzeitverlängerung lenkt von den Notwendigkeiten konsequenter Einsparungen ab und blockiert die Energiewende", erklärte DNR-Präsident Kai Niebert am Mittwoch in Berlin. Der DNR lehnte in einer gemeinsamen Erklärung mit dem Deutschen Bundesjugendring (DBJR) ein Abrücken vom Atomausstieg erneut ab.

"Die Atomkraft ist eine Katastrophe für alle kommenden Generationen, die Millionen von Jahren die energiepolitischen Irrungen der Vergangenheit in unsicheren Endlagern werden überwachen müssen", warnte Niebert. Wer jetzt neue Betriebsgenehmigungen aussprechen wolle oder gar noch neue Brennstäbe bestellen, der "setzt vor allem die jungen Menschen im Land unkalkulierbaren Risiken aus", kritisierte der DNR-Präsident entsprechende Forderungen vor allem aus Union und FDP.

"Der Betrieb und die Entsorgung sind mit einem lebensbedrohlichen Risiko für alle heutigen und künftigen Generationen verbunden", erklärte auch der DBJR-Vorsitzende Wendelin Haag. "Die irritierende Nebendebatte über die Atomkraft lenkt vom richtigen und wichtigen Diskurs ab, wie die Energiewende mittels erneuerbarer Energien nachhaltig beschleunigt werden kann", warnte er zudem. Niebert und Haag bekräftigten die Forderung nach einem Ende der zivilen Nutzung der Atomenergie in Deutschland und Europa.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte am Morgen bei einem Besuch bei Siemens Energy in Mülheim an der Ruhr angedeutet, dass die Regierung zu einer begrenzten Weiternutzung der Atomkraft über das Jahresende hinaus bereit sein könnte. Im Gespräch ist besonders ein sogenannter Streckbetrieb für das bayerische Akw Isar-2. Laut Scholz ist Bayern wegen Versäumnissen beim Ökostromausbau für Probleme bei der Energieversorgung besonders anfällig.

Bei einem Streckbetrieb würde die Akw-Leistung zunächst gedrosselt, um die in der Anlage vorhandenen Brennelemente dann einige Monate länger nutzen zu können. Dies könnte dazu beitragen, Engpässe im Winter abzumildern, argumentieren Befürworter. Niebert äußerte sich dazu skeptisch. "Eine als Streckbetrieb getarnte Laufzeitverlängerung leistet weder einen Beitrag zur Versorgungssicherheit noch zu bezahlbaren Strompreisen", erklärte er.

Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) bekräftigte die Forderungen aus ihrer Partei, Atomkraftwerke bis 2024 weiterlaufen zu lassen. "Ein um wenige Monate längerer Betrieb der Atomkraftwerke wird nicht ausreichen", sagte sie den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) vom Mittwoch. Vielmehr solle man "unideologisch über einen Weiterbetrieb bis ins Jahr 2024 reden". Sicherheitsbedenken dagegen wies die Ministerin zurück.

CDU-Generalsekretär Mario Czaja forderte in der "Rheinischen Post" vom Mittwoch Scholz auf, in der Debatte für Klarheit zu sorgen. "Angesichts der sich von Tag zu Tag zuspitzenden Energiekrise wäre es fahrlässig und unverantwortlich, auf die klimafreundliche Kernkraft verzichten", sagte der CDU-Politiker. Die Bundesregierung will vor einer Entscheidung das Ergebnis eines laufenden, erneuten Stresstests zur Sicherheit der Energieversorgung abwarten. bk/mt

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