Panzer-Lieferungen polarisieren

Westen treibt Kampf gegen Putin voran – doch einige Länder halten weiter zu Russland

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Deutschland liefert der Ukraine im Krieg Kampfpanzer – doch wie agieren andere Länder? Und wer ist noch auf der Seite Putins? (kreiszeitung.de-Montage)
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Deutschland und USA liefern der Ukraine Kampfpanzer – doch wie beteiligen sich andere Länder aktuell am Ukraine-Krieg? Und welche Verbündeten bleiben Putin?

Moskau – Die deutsche Politik unterstützt die Ukraine im Krieg gegen die russischen Angreifer mit 14 Kampfpanzern – das hat Bundeskanzler Olaf Scholz nach langem Zögern vor wenigen Tagen offiziell bekannt gegeben. Auch die USA stellen 31 M1-Abrams-Kampfpanzer für die Verteidigung der Ukraine bereit. In der deutschen Bevölkerung kommen diese Schritte gemischt an, die Sorge vor einer direkten Beteiligung am Krieg scheint zu wachsen. Doch wie reagieren andere westliche Länder auf den Ukraine-Krieg – und wer steht immer noch an der Seite von Russlands Präsident Wladimir Putin?

News aus dem Ukraine-Krieg: Panzerlieferungen von Deutschland polarisieren

Aktuell treibt viele Menschen in Deutschland die Frage um, ob Scholz‘ Ankündigung der Panzerlieferungen für das eigene Land gefährlich werden könnte – von Kriegsbeteiligung ist die Rede und einer Eskalation der Lage. Wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts „YouGov“ ergeben hat, war bereits kurz vor der Entscheidung jeder dritte Befragte der Meinung, dass Deutschland sich mit Waffenlieferungen am Krieg beteilige. Weitere 20 Prozent vertraten laut Business Insider den Standpunkt, dass mit einer Lieferung von Panzern die rote Linie überschritten werde.

Besonders im Osten von Deutschland hat Scholz Straßenumfragen der Tagesschau zufolge keine Mehrheit hinter sich stehen. Demnach zeigten sich in Halle und Leipzig viele Menschen besorgt über eine mögliche Ausweitung des Krieges auf Deutschland. Der polarisierende Satz von Annalena Baerbock bei einer Debatte des Europarats in Straßburg hat dabei auch nicht geholfen: „Denn wir kämpfen einen Krieg gegen Russland und nicht untereinander“, sagte die Außenministerin bei der Parlamentarischen Versammlung vor wenigen Tagen. Besonders in sozialen Medien kam das für viele einer Kriegserklärung gleich.

Ukraine-Krieg aktuell: Scholz betont Sicherheit Deutschlands – trotz Panzerlieferungen

Bezüglich Deutschlands Rolle in der aktuellen Lage im Ukraine-Krieg gibt Olaf Scholz aber sein Bestes, um die deutsche Bevölkerung zu beruhigen. Immer wieder betont der Bundeskanzler, dass sich Deutschland und seine Verbündeten auch mit den Panzerlieferungen „auf keinen Fall“ am Krieg beteiligen würde. In einem Interview mit dem ZDF fügte er hinzu: „Es darf keinen Krieg zwischen Russland und der Nato geben.“

Während seines Südamerika-Besuchs sagte er auf einer Pressekonferenz in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires zudem: „Das ist ein Krieg zwischen Russland und der Ukraine.“ Deutschland werde Scholz zufolge alles dafür tun, damit es nicht zu einer Eskalation kommt. Denn eine direkte Konfrontation zwischen Russland und der Nato muss aufgrund der Weltkriegsgefahr dringend vermieden werden. Der amerikanische Nationalökonom Nouriel Roubini hat diesbezüglich bereits eine düstere Prognose aufgestellt: Für ihn hat „der dritte Weltkrieg bereits begonnen“.

Ukraine und Russland im Krieg – was die USA zur Verteidigung leistet und wie Amerikaner dazu stehen

Doch wie reagieren andere europäische und Nato-Staaten überhaupt auf den Ukraine-Krieg? Die Vereinigten Staaten von Amerika unterstützen die Ukraine bereits seit 2014 und kündigten auch aktuell mit der Lieferung der 31 Abrams-Kampfpanzer ihre Hilfe bei der Verteidigung des Landes an. Mit einer Höhe von 22,9 Milliarden Euro an militärischer Hilfe wurde die Ukraine laut dem Handelsblatt bis Ende 2022 von keinem anderen Land mehr unterstützt als von den USA.

In der Gesellschaft findet das – im Gegensatz zu Deutschland – hohen gesellschaftlichen Rückhalt. Schließlich liegt auch ein ganzer Ozean zwischen der Ukraine und den Vereinigten Staaten. Der Tagesschau zufolge ist das der Hauptgrund dafür, dass viele Amerikaner sich in Sicherheit wähnen. Kanada wird „in den kommenden Wochen“ laut der kanadischen Verteidigungsministerin Anita Anand übrigens auch vier Leopard-2-Kampfpanzer in die Ukraine schicken.

News zum Krieg: Welche Länder unterstützen aktuell die Ukraine im Krieg?

Doch trotz geografischer Nähe lassen sich auch etliche europäische Länder ihre militärische Unterstützung der Ukraine im Krieg nicht nehmen. So würde es Polens Regierung eigenen Angaben zufolge befürworten, sollte die Nato eine Lieferung von Kampfflugzeugen an die Ukraine beschließen. „Ich glaube, wir, die Nato, müssen mutiger sein“, sagte Ministerpräsident Mateusz Morawiecki dem französischen Sender LCI. Sollte eine Lieferung von Kampfflugzeugen an die Ukraine in Betracht gezogen werden, würde Polen laut Morawiecki dafür stimmen.

Auch Spanien hat sich nach der Entscheidung der deutschen Politik zu einer Lieferung von Leopard-Panzern in die Ukraine bereit erklärt. Eine genaue Zahl nannte die Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez aber noch nicht. Das müsse man mit den Verbündeten besprechen, betonte Robles laut der Tagesschau. Die britische Armee sowie Norwegen bilden darüber hinaus ukrainische Soldaten aus – und auch die beiden Länder haben der Ukraine zusätzlich die Lieferung von Kampfpanzern zugesagt.

Türkei sieht sich als Vermittler im Ukraine-Krieg – und wird sogar von Papst Franziskus gelobt

Die Türkei sieht sich im aktuellen Verlauf des Ukraine-Kriegs derweil als Vermittler. Denn seit Beginn des Krieges hat das Land beiden Partnern die Treue versprochen und sich zwar nicht an den Sanktionen gegen Russland beteiligt – an die Ukraine aber gleichzeitig Waffen verkauft. Im Sommer 2022 hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan darüber hinaus ein Abkommen zum Export ukrainischen Getreides ausgehandelt, für das er sogar von Papst Franziskus gelobt wurde.

Die Türken leisteten gute Arbeit, um zu helfen, sagte dieser im Interview der Nachrichtenagentur Associated Press. Sie seien es gewesen, die das Meer für das Getreide freigemacht hätten.

Aktuelle Ukraine News: Nordkorea hält im Krieg mit deutlichen Worten zu Putin

Es gibt aber auch Länder, die sich fast ein Jahr nach dem Einmarsch der Russen in die Ukraine immer noch eindeutig auf die Seite von Putin stellen und die Lieferung von Kampfpanzern an das Land scharf kritisieren. Das gilt aktuell besonders für Nordkorea. Erst vor wenigen Tagen hat sich die Schwester von Diktator Kim Jong Un mit deutlichen Worten hinter Moskau gestellt.

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„Ich bezweifle nicht, dass jegliche militärische Ausrüstung, mit der sich die USA und der Westen rühmen, angesichts des unbezwingbaren Kampfgeistes und der Macht der heldenhaften russischen Armee und des russischen Volkes in Stücke gerissen wird“, erklärte Kim Yo Jong laut n-tv und versicherte, dass Nordkorea „immer im selben Schützengraben“ wie Russland stehe.

Position von China und Indien im Ukraine-Krieg: Billiges Öl aus Russland beeinflusst die Beziehung

Weniger deutlich äußert sich zwar China, da das Land es laut Business Insider bislang vermieden hat, deutlich Stellung zum Ukraine-Krieg zu beziehen. Doch spricht Peking demnach offiziell von einem „Konflikt“ statt einem „Krieg“ und hat Richtung Putin auch noch keine direkte Kritik geäußert. Zudem kauft China immer noch Öl von Russland, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet.

Gleiches gilt für Indien. Auch die riesige Demokratie macht bei den westlichen Sanktionen gegen Russland nicht mit und profitierte im Zuge dessen sogar von Preisnachlässen bei russischem Öl. Zudem pflegen Moskau und Delhi laut dem Business Insider traditionell enge Beziehungen, auch im militärischen Bereich. Demnach kommt ein Großteil der indischen Militärausrüstung aus Putins Reich. Im September vergangenen Jahres sprach sich der indische Premierminister Nerendra Modi allerdings zum ersten Mal auch öffentlich gegen den Krieg aus.

Aktuelle Lage im Ukraine-Krieg: Putin steht nicht alleine da – aber der Westen hält zusammen

Andere Staaten wie Nicaragua, Syrien und Belarus stimmten im Oktober 2022 gegen die Resolutionen der Vereinten Nationen, die bei der Vollversammlung ein deutliches Zeichen gegen die völkerrechtswidrigen Annexionen Russlands in der Ukraine schickten – und positionierten sich damit ebenfalls auf der Seite Putins. Ganz allein steht der Kreml-Herrscher also nicht da – im Westen ist Russland dafür aber weitgehend isoliert.

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