Satellitenbilder werden diskutiert

Uran aus Iran: Trumps Darstellung zu Lkw-Bewegungen widerlegt - 400 kg wären leicht transportierbar

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Hat der Iran kurz vor den US-Angriffen 400 Kilogramm Uran versteckt? Es wäre leicht machbar gewesen - und Trumps Gegenargumente sind unhaltbar.

Washington D.C. - Kurz vor den amerikanischen Luftschlägen gegen Irans unterirdische Nukleareinrichtungen am vergangenen Wochenende registrierten Satelliten mehrere Lastwagen, die bei der Fordo-Anlage vorfuhren und das Gelände wieder verließen. Aufnahmen des privaten Anbieters Maxar Technologies dokumentieren diese Bewegungen - und sind jetzt Gegenstand internationaler Debatten.

LKW-Kolonne mit 16 LKW vor der Fordo-Atomanlage im Iran, wenige Tage vor dem US-Angriff: Ein einzelner Ford hätte möglicherweise gereicht, um 400 Kilogramm Uran abzutransportieren.

Denn der Zweck dieser Fahrzeugbewegungen bleibt rätselhaft. „Die Autos und Kleinlaster auf der Baustelle gehörten den Betonarbeitern, die versuchten, die Schächte abzudecken“, erklärte Donald Trump über seinen Truth Social-Account. Zweifel an dieser Darstellung des amerikanischen Staatsoberhaupts nehmen jedoch zu. Könnte Teheran womöglich nukleares Material in Sicherheit gebracht haben, ehe die Bombardierungen begannen?

Der Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) bestätigte gegenüber dem konservativen amerikanischen Nachrichtensender Fox News: „Wir sehen tatsächlich große Zerstörungen“. Er vermag jedoch lediglich verschiedene Schadensstufen an den Urananreicherungsanlagen in Isfahan, Fordo und Natans zu verifizieren, ohne das Mysterium um das wahre Ausmaß der Verwüstung aufzuklären. Eine präzise Antwort auf die entscheidende andere Frage bleibt er ebenfalls schuldig.

Rafael Grossi: IAEA weiß seit US-Angriff nichts über Verbleib von Irans Uran

„Ich möchte präzise sein: Wir haben momentan keine Information, wo sich 400 Kilo angereichtes Uranium befinden. Wir wollen nicht spekulieren. Was wir aber wissen, ist, dass der Iran uns offiziell gesagt hat, wir werden Schutzmaßnahmen für das Material treffen.“ Somit bleibt der Verbleib dieser Substanz ungeklärt. Nur durch erneute Zulassung von IAEA-Inspektoren ließe sich Klarheit schaffen. Doch derzeit deutet nichts darauf hin, dass Teheran diesem Ansinnen nachkommen wird.

Laut Newsweek verfügte der Iran nach den jüngsten IAEA-Daten vom Mai über knapp mehr als 400 Kilogramm auf 60 Prozent angereichertes Uran. Seit der finalen Kontrolle am 13. Juni herrscht Ungewissheit über den Aufenthaltsort dieses Uran-Materials.

US-Präsident Donald Trump: Abtransport zu riskant, zu kompliziert - Experten widersprechen

Donald Trump zeigt sich hingegen in dieser Angelegenheit überaus sicher. Über Truth Social verkündete er: „Nichts wurde aus der Anlage gebracht. Es hätte zu lange gedauert, wäre zu gefährlich gewesen und der Transport wäre sehr schwer und schwierig gewesen!“ Diese Aussagen sind jedoch anfechtbar.

Newsweek ließ kalkulieren: Bereits ein einzelner Ford-Pickup könnte theoretisch die 400 Kilogramm Uran befördern. Aufnahmen von Maxar belegen, dass sich in den Tagen vor der Attacke 16 Lastkraftwagen im Umfeld der Nuklearanlage Fordo aufhielten. Spezialbehälter für solche Transporte erreichen Höhen bis 1,30 Meter, weisen Durchmesser zwischen 90 Zentimetern und 1,20 Metern auf und können bis zu 1.500 Kilogramm fassen. Die fraglichen 400 Kilogramm ließen sich demnach sowohl in einem solchen Behälter verstauen als auch von der Tragfähigkeit eines Ford-Pickups bewältigen.

Gegenwärtig ist wenig wahrscheinlich, dass die IAEA wieder Zutritt zu den Nukleareinrichtungen erhält oder Iran transparenter mit dem Uranbesitz wird. Experten halten dies jedoch für unerlässlich - zumal die technischen Bedingungen für den Bombenbau eventuell ohnehin nebensächlich geworden sind. Gleichfalls bleibt vollkommen ungewiss, ob Teheran zu neuen Gesprächen mit Washington über einen Nukleardeal bereit wäre. (kat)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Maxar Technologies | Uncredited)

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