US-Präsidentschaftswahlen 2024

Joe Biden wird 80: Tritt er 2024 wieder an? Das sind mögliche Alternativen

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US-Präsident Joe Biden feiert seinen 80. Geburtstag. Er ist damit der älteste Regierungschef, den die USA hatten. Macht er weiter bis 2028? Wer könnte folgen?

Washington, D.C. – Die einen nennen ihn liebevoll „Sleepy Joe“, andere machen sich darüber lustig, dass ein Mann in seinem Alter noch meint, Anführer der freien und westlichen Welt sein zu können. Am Sonntag, 20. November 2022, wird Joe Biden, der mächtigste Mann der Welt, 80 Jahre alt und es ist nicht in Sicht, dass er abtritt. Eine erneute Kandidatur für das Amt des US-Präsidenten im Jahr 2024, ist aktuell nicht abwegig.

Am Ende seiner zweiten Amtszeit wäre Biden dann 86 Jahre alt. In Deutschland werden dabei Erinnerungen wach an ein ehemaliges Staatsoberhaupt, das im ähnlich hohen Alter war und nicht amtsmüde wurde, wie Joe Biden es jetzt ebenfalls nicht ist: Konrad Adenauer (CDU).

US-Präsident Joe Biden feiert 80. Geburtstag: Wird er zum amerikanischen Konrad Adenauer?

Auch über Adenauer wurde gewitzelt, dennoch war er im Volk ein sehr geachteter Mann, der die Geschicke stets zu seinen Gunsten zu leiten vermochte. Unvergessen der Satz „Was schert mich mein Geschwätz von gestern“. Getoppt nur von der Aussage Adenauers: „Es kann mich doch niemand daran hindern, jeden Tag klüger zu werden“.

Happy Birthday, Mr. President: Joe Biden feiert am Sonntag seinen 80. Geburtstag. Ob er bei der Präsidentschaftswahl 2024 noch einmal antreten wird?

Aber zurück in die USA. Am 20. November 2022 feiert der amtierende US-Präsident Joe Biden seinen 80. Geburtstag und aktuell drängt sich die Frage auf, ob er im Jahr 2024 noch einmal für die Demokraten für das höchste Präsidenten-Amt der Welt kandidieren will. Streitig machen möchte ihm das niemand in der Partei. Sollte Biden erneut antreten, hat er den Rückhalt der gesamten Partei. Das ist zu 100 Prozent sicher. Auch wenn dies nur die offizielle Version ist, die kein Demokrat in Amerika müde wird zu betonen.

Aber hinter vorgehaltener Hand weiß jeder der Demokraten in den USA: Der Mann ist eigentlich zu alt.

Putin und Biden beglückwünschen sich nicht zu runden Geburtstagen

Kremlchef Wladimir Putin will US-Präsident Joe Biden nicht zu dessen 80. Geburtstag gratulieren. „Nein, wenn ich mich nicht irre, gibt es keine solchen Pläne“, erklärte Putins Sprecher Dmitri Peskow der Nachrichtenagentur Interfax zufolge schon am Mittwoch, 16. November 2022. Auch Biden habe dem russischen Präsidenten zu dessen 70. Geburtstag vor mehr als einem Monat nicht gratuliert, fügte Peskow hinzu.

Moskaus Beziehungen zu Washington haben sich seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine dramatisch verschlechtert. Der Kreml berichtete auf seiner Webseite nach Putins Geburtstag von zwölf Staatschefs, die dem russischen Präsidenten gratuliert hätten. Neben einigen Staatschefs ehemaliger Sowjetrepubliken waren das unter anderem Nordkoreas Kim Jong Un, Nicaraguas Daniel Ortega und Recep Tayyip Erdogan aus der Türkei. Zu seinem 60. Geburtstag hatte Putin noch deutlich mehr Glückwünsche erhalten. Unter anderen riefen ihn die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und der zu der Zeit amtierende ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch an.

Das wurde bereits in den vergangenen zwei Regierungsjahren von Biden immer wieder offensichtlich. Einmal wackelt er die Gangway zur Air Force One hoch, ein anderes Mal stolpert er dabei und kommt nur noch mithilfe eines Secret Service-Agenten auf die Beine. Ungeschicktheit bei manch anderen öffentlichen Auftritten kommt noch hinzu. Dessen ist sich Biden sogar selber bewusst, scherzte er doch jüngst: „Ich mache einen Fehler – einmal pro Rede!“

Joe Biden wird 80 Jahre alt: US-Präsident will sich mit toter Abgeordneten unterhalten

Denkwürdig auch Auftritt von Joe Biden Ende September 2022 bei einer Konferenz in Washington zu Ernährung und Hunger. Der US-Präsident wollte ein paar anwesende Abgeordnete begrüßen. „Jackie, bist du da? Wo bist du?“, rief der damals 79-Jährige in den Saal. Gemeint war die republikanische Abgeordnete Jackie Walorski. Doch die war acht Wochen vorher, am 3. August 2022, bei einem Autounfall gestorben. Bidens Sprecherin versuchte kurz darauf, umständlich zu argumentieren, der Präsident habe die „unglaubliche Arbeit“ der Abgeordneten zum Thema Ernährung lobend erwähnen wollen. Spott und Häme im ganzen Land konnte das aber nicht mehr aufhalten.

Kamala Harris galt lange Zeit als mögliche Nachfolgerin von Joe Biden, allerdings sind nur 40 Prozent der Demokraten mit ihrer Arbeit zufrieden.

Eigentlich sprach alles gegen eine zweite Amtszeit von Joe Biden. Doch, nach den Midterm-Wahlen in den USA Mitte November 2022, bei denen die Demokraten ungewöhnlich viele Stimmen holten und zumindest die Mehrheit im Senat halten konnten, scheint dies aktuell wieder möglich. Dabei war bereits zum Amtsantritt von Biden heftigst darüber spekuliert worden, ob „Sleepy Joe“ nicht nach zwei Amtsjahren abtreten könnte, um damit den Weg für die erste afroamerikanische Präsidentin freizumachen. Die Rede ist natürlich von US-Vizepräsidentin Kamala Harris.

80. Geburtstag von US-Präsident Joe Biden: Mögliche Nachfolgerin Kamala Harris – doch sie hat ein Problem

Harris wäre eigentlich erste Wahl der Demokraten als Nachfolgerin von Biden. In Umfragen unter Demokraten belegt sie aktuell den zweiten Platz – direkt hinter Amtsinhaber Joe Biden. Auch ist sie mit 58 Jahren deutlich jünger als Biden und würde als People of Color (PoC) auch noch eine Minderheit repräsentieren. Doch das Problem: Nicht einmal 40 Prozent der Demokraten sind laut der gleichen Umfragen mit ihrer Arbeit zufrieden.

Aber, schaut man sich das Gebaren von Präsident Biden aktuell genau an, so sieht man: Er gibt seiner Stellvertreterin mehr Freiraum, als dies bisher der Fall gewesen ist. So war sie jüngst bei Wahlkampfauftritten in New York zu sehen, sonst ein eher selteneres Bild. Auch das nährt die alten Gerüchte, dass Biden noch während seiner aktuellen Amtszeit abtreten könnte. Wahrscheinlich ist das allerdings nicht, zu fest sitzt Biden im Sattel.

Donald Trump will 2024 erneut als Kandidat antreten.

Macht Biden es noch einmal, dann könnte er im Wahlkampf erneut auf Ex-US-Präsident Donald Trump treffen, der erst vor wenigen Tagen seine erneute Kandidatur bekannt gab. Ob Trump es aber wirklich schafft, erneut republikanischer Kandidat für den Posten des US-Präsidenten zu werden, steht mehr als in den Sternen. Umfragen zufolge sind 53 Prozent der Republikaner in den USA gegen ihn.

„Opa“ gegen „Opa“? US-Präsident Joe Biden wird 80 Jahre alt – Donald Trump gilt 2024 als möglicher Gegenkandidat

Bessere Aussichten auf eine Kandidatur für die Republikaner hat da schon der aktuell amtierende Gouverneur von Florida, Ronald Dion DeSantis, kurz Ron Desantis. Und jemand wie DeSantis, der im Moment als wahrscheinlicher, weiterer und aussichtsreicher Präsidentschaftsanwärter gilt, würde Biden buchstäblich alt aussehen lassen. Der 44-jährige DeSantis spottete kürzlich nach einem Wahlkampfbesuch Bidens in seinem Bundesstaat: „Ich habe einen Bericht erhalten, dass ein älterer Mann ziellos in Südflorida umherwanderte. Vielleicht brauchte er Hilfe. Es stellte sich heraus, dass es Joe war“. Sollte es am Ende auf ein Rennen zwischen DeSantis und Biden hinauslaufen, wären Sprüche dieser Art wohl täglich zu erwarten.

Ronald Dion DeSantis – kurz Ron Desantis – gilt als aussichtsreicher Kandidat für das US-Präsidentenamt.

Doch auch innerhalb der demokratischen Parteien haben sich aussichtsreiche Kandidaten bereits in Stellung gebracht. Auch wenn Biden seine Entscheidung erst im kommenden Jahr verkünden möchte, die Absicht, das Oval Office zu verlassen, hegt er aktuell nicht. „Aber ich habe großen Respekt vor dem Schicksal. Und dies ist letztlich eine Familienentscheidung“, sagte Biden auch mit Blick auf seine Ehefrau und First Lady Jill Biden.

Nachfolgkandidaten für US-Präsident Joe Biden: Schicken die Demokraten Whitmer oder DeSantis ins Rennen?

Als aussichtsreiche Kandidatin der Demokraten könnte etwa Gretchen Whitmer ins Rennen gehen. Auch sie ist mit 51 Jahren deutlich jünger als Biden und ist in der Partei sowie bei den Wählern äußerst beliebt. Die Gouverneurin von Michigan, die gerade erst ihre Wiederwahl feiern konnte, galt schon bei Bidens erster Kandidatur als mögliche Vize-Präsidentin, konnte sich aber gegen die farbige Harris letztendlich nicht durchsetzen.

Sollte Biden sich bei seiner Entscheidung im kommenden Jahr gegen eine Kandidatur entschließen, gilt sie aktuell als erste Wahl. Auch deshalb, weil sie sich im Zuge der Diskussion um ein Abtreibungsverbot klar öffentlich positionierte und mit Tudor Dixon eine der fantastischsten Anhängerinnen von Donald Trump erfolgreich in die Schranken wies. All dies macht die 51-Jährige mehr als wertvoll für die US-Demokraten.

Gretchen Whitmer, Gouverneurin von Michigan, und Gavin Newsom, aktuell amtierender Gouverneur von Kalifornien, gelten als aussichtsreiche Kandidaten für die US-Präsidentschaftswahl 2024.

Als weiterer möglicher und aussichtsreicher Kandidat gilt Gavin Newsom, aktuell amtierender Gouverneur von Kalifornien. Gegen Biden wird er allerdings nicht antreten, das hat der Nachfolger von Arnold Schwarzenegger bereits mehrfach betont. Trotzdem hält er Medienberichten zufolge bereits Ausschau nach möglichen Sponsoren für eine Kandidatur. Vor seinen beiden Amtszeiten als kalifornischer Gouverneur war Newsom Bürgermeister von San Francisco und gilt schon lange als Personalreserve der Demokraten.

Spekulationen zum Geburtstag von US-Präsident Joe Biden: Aussichtsreicher Kandidat Gavin Newsom – und dann ist da noch Hillary Clinton

Und dann gibt es da noch Hillary Clinton. Die ist mit 75 Jahren zwar nicht wesentlich jünger als Joe Biden, aber immerhin will sie aktuell noch mehr als ein Viertel der Demokraten im Westwing des Weißen Hauses sehen. Clinton hatte im Wahlkampf 2016 gegen Donald Trump das Nachsehen, mischte aber in jüngster Zeit wieder auffällig oft mit in der Politik in den USA. Jüngst wurde sie bei einer Wahlkampfrede in New York gesehen. Viele Demokraten sind der Meinung, dass sie nur aufgrund der damaligen Anfeindungen und Lügen von Trump den Wahlsieg 2016 verpasst hat. Politikexperten sehen es als nicht völlig abwegig an, dass sie eben genau diesen Makel vor ihrem Karriereende noch loswerden will.

Auch die ehemalige Außenministerin der USA, Hillary Clinton, wird weiterhin als Kandidatin für das Präsidentinnen-Amt gehandelt. Seit der Niederlage 2016 gegen Trump war es still um sie geworden, aber im Wahlkampf zum Gouverneurs-Amt in New York war sie wieder voll in Aktion.

Wer auch immer am 20. Januar 2025 in Washington als US-Präsident vereidigt wird, sieht einer schweren Amtszeit entgegen. Aktuell überwiegt der Ukraine-Krieg in der internationalen Politik und auch bis 2025 könnte der Disput zwischen der westlichen Welt und Wladimir Putin weiter anhalten, oder sich sogar noch Richtung Osten ausweiten. Unter Experten gilt dies als sehr wahrscheinlich.

Biden hat für den Jahresbeginn eine Entscheidung zu einer möglichen Kandidatur in Aussicht gestellt. Der Verfassungsrechtler Gregory Magarian von der Washington University in St. Louis sagte, Biden denke zwar jetzt über diese Frage nach. „Aber in Wirklichkeit muss er darüber nachdenken, wie seine Energie und seine Fähigkeiten in sechs Jahren aussehen werden, wenn er am Ende einer zweiten Amtszeit stehen würde.“ Der Job erfordere ein hohes Maß an Energie und Scharfsinnigkeit. „US-Präsident zu sein, ist sicherlich einer der härtesten Jobs der Welt.“

Auch mit 80. (mit Material der dpa)

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