Verhandlungen zum Ukraine-Krieg

US-Verbündete alarmiert über Trumps Ukraine-Deal: „Kein Land in Europa kann sich sicher fühlen“

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Bei den aktuellen Verhandlungen zum Frieden in der Ukraine geben die USA und Russland den Ton an. Dafür erntet vor allem Trump derzeit einiges an Kritik.

Kiew/Washington – Nach dessen Ankündigung, den Ukraine-Krieg in nur einem Tag beenden zu können, hat die Regierung von US-Präsident Donald Trump in dieser Woche auf der Basis monatelanger zäher Verhandlungen einen Ukraine-Deal vorgelegt. Der erfährt allerdings von vielen Seiten Kritik. Deutschlands ehemaliger Außenminister Sigmar Gabriel nannte die Verhandlungen gegenüber dem Tagesspiegel „absurd“, beim US-Sender CNN warnen zahlreiche Diplomaten weiterer europäischer Staaten vor einem gefährlichen Handel.

So zitiert CNN etwa einen nicht namentlich genannten Diplomaten aus Osteuropa, der warnt, dass der geplante Ukraine-Deal als Absicherung der „Prinzipien von internationalem Recht“ gesehen werden müsse, bei dem nicht nur die Unabhängigheit der Ukraine auf dem Spiel stehe. „Wenn ein Land in Europa unter Druck steht oder sogar gezwungen wird, Teile seines Territoriums aufzugeben“ so der Außenpolitikexperte laut CNN, könne sich „kein Land – in Europa oder sonstwo, NATO-Mitglied oder nicht – sicher fühlen“.

Russlands Machthaber Wladimir Putin empfängt zum wiederholten Mal Trumps Sondergesandten Steve Witkoff in Moskau.

Ukraine-Deal soll Russlands Ansprüche auf Ostukraine und Nato-Beitritt klären

Die Kritik kommt auf eine Ankündigung Trumps, der bereits am Mittwoch (23. April) davon sprach, dass wohl „ein Deal mit Russland“ erzielt worden sei. Berichten mehrerer US-Medien zufolge beinhalte dieser Deal jedoch ein klares Entgegenkommen gegenüber den Forderungen Russlands. So scheint die Ukraine zu einer Anerkennung der russischen Ansprüche auf die besetzten Gebiete im Osten des Landes gezwungen zu werden. Darunter fallen neben der bereits 2014 annektierten Krim auch die Regionen Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja. Auch ein Nato-Beitritt, den sich das Land bisher als Sicherheitsgarantie erhoffte, soll Berichten zufolge ausgeschlossen werden.

All das sorgt derzeit jedoch dafür, dass dieser „Deal mit Russland“ lautstarke Kritik erfährt. Das Hauptargument von öffentlichen Gegenstimmen, zu denen laut Tagesspiegel auch Deutschlands früherer Außenminister Sigmar Gabriel zählt: Es sei „absurd, dass die USA mit dem Aggressor Russland verhandeln, ohne dass das Opferland der Aggression, die Ukraine, an diesen Verhandlungen beteiligt ist“, zitiert die Zeitung den SPD-Politiker. Damit, so Gabriel weiter, mache sich die USA unter Trump zum „Interessensvertreter Russlands“.

Trump und Putin: Die Geschichte ihrer Beziehung in Bildern

Wandbild Putin Trump Litauen
Einen besseren US-Präsidenten als Donald Trump kann sich Kremlchef Wladimir Putin gar nicht wünschen: So könnte dieses Wandbild in der litauischen Hauptstadt Vilnius interpretiert werden. Bemerkenswert: Es ist eine Aufnahme aus dem Mai 2016, als Trump nicht gar nicht im Amt war. Offenbar schwante den Menschen in Litauen schon damals Böses. © Petras Malukas/AFP
Trump telefoniert mit Putin
Trump hat seit Jahren einen guten Draht zu Putin. Am 28. Januar 2017 telefonierte er im Oval Office des Weißen Hauses zum ersten Mal mit dem russischen Präsidenten. © Mandel Ngan/AFP
Wachsfiguren von Trump und Putin
Schon damals standen sie sich auch in Wachsfigurenkabinetten nahe, so auch in Sofia (Bulgarien). © Valentina Petrova/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
Das erste persönliche und extrem heikle Treffen mit Putin wickelte Trump beim G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 unfallfrei ab. Im Kreml wie im Weißen Haus herrschten anschließend Optimismus und Zufriedenheit.  © Evan Vucci/dpa
G20 Summit - Demonstration
Aktivisten von Oxfam standen dem G20-Gipfel kritisch gegenüber. Mit ihrer Aktion wollten sie auf den Abzweig zwischen mehr sozialer Ungleichheit und weniger Armut hinzuweisen. Sie trugen Masken von Theresa May, Donald Trump, Shinzō Abe, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Justin Trudeau, Wladimir Putin, und Jacob Zuma. © Michael Kappeler/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
„Der Fernseh-Trump unterscheidet sich sehr vom realen Menschen,“ sagte Putin nach dem G20-Gipfel in Hamburg vor der Presse über seinen US-Kollegen Donald Trump. © Steffen Kugler/dpa
Apec-Gipfel in Vietnam
Ein zweites Mal trafen sich Trump und Putin am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im vietnamesischen Da Nang. © dpa
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam
Beide Präsidenten stimmten damals überein, dass das Verhältnis ihrer Länder nicht gut sei. Putin sah weiter eine tiefe Krise. Russland sei aber bereit, „eine neue Seite aufzuschlagen, vorwärtszugehen, in die Zukunft zu schauen“. © Mikhail Klimentyev
Trump Putin Da Nang
„Wenn wir ein Verhältnis zu Russland hätten, das wäre eine gute Sache“, sagte Trump. Sein persönliches Verhältnis zu Putin sei gleichwohl in sehr gutem Zustand, obwohl man sich nicht gut kenne. © Jorge Silva/AFP
Helsinki-Gipfel
Im Juli 2018 kamen Trump und Putin in Helsinki zu ihrem ersten offiziellen Gipfel zusammen.  © Heikki Saukkomaa/dpa
USA Ausstieg aus INF-Abrüstungsvertrag
Sie begrüßten sich mit einem kurzen, doch kräftigen Händedruck. „Es ist an der Zeit, detailliert über unsere bilateralen Beziehungen zu sprechen und über die schmerzhaften Punkte auf der Welt. Davon gibt es sehr viele“, sagte Putin. Trump betonte: „Die Welt möchte, dass wir miteinander auskommen.“ © Alexander Zemlianichenko/dpa
Helsinki
Während des Gipfeltreffens gingen in Helsinki mehrere Hundert Menschen aus Protest auf die Straßen. Dabei machten sie auf eine Reihe von Missständen aufmerksam.  © Joonas SaloIlta-Sanomat/Imago
Melania Trump
Auch First Lady Melania Trump war in Helsinki mit von der Partie. © Alexei Nikolsky/AFP
Trump und Putin
Trump äußerte sich hinterher zufrieden über sein Treffen mit Putin: „Der Dialog ist sehr gut verlaufen“, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin. „Ein produktiver Dialog ist nicht nur gut für die Vereinigten Staaten und Russland, sondern für die Welt.“ © Brendan Smialowski/AFP
Proteste gegen Treffen von Trump und Putin
Derweil protestierten die Menschen auch im fernen Washington, D.C., gegen das Treffen. Unter anderem hielt eine Frau vor dem Weißen Haus ein Schild in die Höhe, auf dem die beiden Präsidenten karikiert waren.  © Andrew Harnik/dpa
100. Jahrestag Waffenstillstand Erster Weltkrieg
Im November 2018 nahmen Trump und Putin an einer Gedenkfeier anlässlich des Endes des Ersten Weltkriegs in Paris teil. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lud damals zum Spitzentreffen ein. © Ludovic Marin/AFP
Erster Weltkrieg - Waffenstillstand 1918
Auch vor Ort waren First Lady Melania Trump (links), die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und Brigitte Macron, die Ehefrau des französischen Präsidenten. © Francois Mori/dpa
Beginn des G20-Gipfels
Kurz danach trafen Trump und Putin beim G20-Gipfel in Buenos Aires erneut aufeinander. © Ralf Hirschberger/dpa
G20-Gipfel in Argentinien
Die Gespräche wurden von der Eskalation zwischen Russland und der Ukraine um einen Seezwischenfall vor der Krim überschattet. Deshalb sagte Trump ein direktes Treffen mit Putin am Rande des Gipfels kurzfristig ab.  © dpa
Japan, Osaka
Im Juni 2019 trafen Trump und Putin beim G20-Treffen im japanischen Osaka zusammen. © Imago
Osaka 2019
Trump wurde dabei von einem Reporter angesprochen, ob er Putin bei ihrem gemeinsamen Treffen auch sagen werde, dass sich der Kremlchef nicht in die US-Wahlen einzumischen habe. Trump beugte sich zu Putin und sagte: „Mische Dich nicht in unsere Wahlen ein“ – ein Lächeln glitt dabei über Trumps Gesicht. Die Aktion war allerdings nicht ganz ernst gemeint. © Brendan Smialowski/AFP
Osaka 2019
Trump nannte das Verhältnis zu Putin „sehr, sehr gut“.  © Brendan Smialowski/AFP
Trump Putin
Am Ende seiner ersten Amtszeit musste sich Trump wegen Machtmissbrauchs und Behinderung der Ermittlungen im Senat verantworten. Hintergrund war die sogenannte Ukraine-Affäre. Viele Menschen in den USA sahen Trump als Verräter – und Putin als Feind. © Olivier Douliery/AFP
Ukrainekrieg - Anti-Kriegsprotest in New York
Im Januar 2025 kam Trump zum zweiten Mal an die Macht. Im Ukraine-Krieg stellte er sich auf die Seite von Putin. Das rief Proteste hervor. Auch am Times Square in New York galt: Trump ist ein Verräter. © Adam Gray/dpa
Trump Putin
Trump sucht dennoch weiter die Nähe zu Putin. Nach offiziellen Angaben haben beide im Februar 2025 ein erstes Mal miteinander telefoniert, seit der US-Präsident wieder im Amt ist. Vor dem zweiten Gespräch am 18. März verkündete Trump: „Ich freue mich sehr auf das Gespräch mit Präsident Putin.“ Auch danach telefonierte er noch mehrmals mit seinem russischen Amtskollegen. © Alexander Nemenow/AFP
Trump und Putin
Am 15. Augsut 2025 kam es zum Gipfel zwischen Trump und Putin in Alaska. Es handelte sich um das erste persönliche Treffen der beiden Staatschefs seit Putins Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022. Das Treffen fand in der Stadt Anchorage statt. Am Ende gab es von beiden Staatschefs nichts Konkretes. © Andrew Caballero-Reynolds/AFP

Umstrittene Verhandlungen zum Ukraine-Krieg: Trump-Gesandter Witkoff bei Putin

Auch laut dem CNN-Bericht gehe es Trump bei den Ukraine-Verhandlungen vor allem um eine schnelle Lösung und eine Beendigung des Kriegs um jeden Preis. So antwortete der US-Präsident etwa auf eine Journalisten-Nachfrage am Donnerstag zu Russlands Zugeständnissen aus dem „Deal“, dass Russlands Bereitschaft, nicht die gesamte Ukraine einzunehmen ein „ziemlich großes Zugeständnis“ sei. Gleichzeitig äußerte er über die Sozialen Medien seinen Unmut über neue russische Luftangriffe auf Kiew. Diese seien „nicht notwendig“ gewesen „und zu einem schlechten Zeitpunkt“ gekommen.

Zum „schlechten Zeitpunkt“ macht die Sache etwa ein weiteres Treffen des US-Sondergesandten Steve Witkoff, der laut Agenturberichten am Freitag (25. April) zu seinem vierten Besuch in Moskau eingetroffen ist. Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, habe sich Witkoff bereits seit Februar dreimal teils mehrere Stunden lang mit dem russischen Machthaber Wladimir Putin getroffen und sich dabei immer wieder positiv über den Verlauf der Gespräche geäußert. Aus Russland sei der Ton deutlich verhaltener. Hier habe Außenminister Sergej Lawrow zuletzt etwa im Gespäch mit dem US-Sender CBS von „angespannten Verhandlungen“ berichtet und betont, dass ein Ukraine-Deal, bevor dieser für den Kreml akzeptabel sei, noch feinjustiert werden müsse.

NameSteve Witkoff
Geboren15. März 1957 in New York City
BerufImmobilienmakler & -investor
Rolle unter Präsident Donald TrumpSondergesandter der USA
EinsatzbereicheFriedensverhandlungen im Nahen Osten, Friedensverhandlungen in der Ukraine

Ukraine-Deal der US-Regierung fordert von der Ukraine viele Zugeständnisse ein

Dass die Ukraine und ihre europäischen Partner grundsätzlich bereit zu Zugeständnissen sind, wurde dagegen in den vergangenen Tagen wiederholt deutlich gemacht. So hätte etwa die britische Regierung den Ukrainern als Vermittler zur Seite gestanden, um hier eine Kompromissbereitschaft zu erzielen, berichtet CNN. Dazu zitiert der Sender einen weiteren nicht namentlich genannten Diplomaten aus dem Westen, der betonte, dass man in Sachen Ukraine an einem Punkt sei, an dem „die Ukrainer sich mit etwas anfreunden müssen, was ein schlechterer Deal ist, als das, was sie sich vor zwei Jahren gewünscht hätten“.

Dass es in der Ukraine eine Bereitschaft für ein solches Szenario geben könnte, darauf deutete zuletzt auch der Kiewer Bürgermeister, Vitali Klitschko, hin, der im Gespräch mit der britischen BBC einräumte, dass die Ukraine für einen Frieden womöglich „vorübergehend“ Gebiete an Russland abtreten müsse. Das sei „nicht fair“, berichtet die Nachrichtenagentur AFP, aber womöglich eine vorrübergehende Lösung für einen Frieden. Einer langfristigen russischen Besatzung zustimmen würden die Menschen in der Ukraine aber „niemals“. (saka mit dpa/AFP)

Rubriklistenbild: © Kristina Kormilitsyna/AFP

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