US-Vize Vance moderiert „Charlie Kirk Show“ im Weißen Haus – Trump-Regierung schwört Rache
VonNail Akkoyun
schließen
JD Vance ehrt Charlie Kirk in einer Podcast-Sonderausgabe als christlichen Märtyrer. Während die Trump-Gefolgschaft Linke beschuldigt, warnen Kritiker.
Washington, D.C. – Im Weißen Haus hat US-Vizepräsident JD Vance eine Sonderausgabe des Podcasts des ermordeten rechten Aktivisten Charlie Kirk moderiert. Die auf der bei Konservativen beliebten Plattform Rumble übertragene Sendung diente dem Gedenken an Kirk, wobei Vance und seine Gäste dessen Vermächtnis religiös aufluden und gleichzeitig die politische Linke für das Attentat verantwortlich machten.
Attentat auf Charlie Kirk: Bilder zeigen das Entsetzen – und den mutmaßlichen Täter
US-Präsident Donald Trump hatte bereits kurz nach der Tat die Rhetorik „radikaler Linker“ für den Anschlag verantwortlich gemacht. Vance kündigte in der Sendung an, man werde gegen „das Netzwerk von Nichtregierungsorganisationen“ vorgehen, das seiner Darstellung nach Gewalt fördere. Der Vizepräsident betonte zwar, er sei dankbar für Beileidsbekundungen vieler Demokraten, beharrte jedoch darauf, dass politisch motivierte Gewalt kein Problem beider Seiten sei, sondern primär das einer „mächtigen Minderheit am linken Rand“.
Trumps Stabschef will gegen „inländische Terrorbewegung“ vorgehen
Noch deutlicher als Vance wurde Trumps stellvertretender Stabschef Stephen Miller, der in der Podcast-Folge von einer „organisierten Kampagne“ linker Gruppen sprach und diese als „inländische Terrorbewegung“ bezeichnete. Man werde umfassende Ressourcen der US-Regierung nutzen, um diese Bewegung „im Namen von Charlie“ zu zerschlagen.
Kritiker werfen der Trump-Regierung vor, damit die ohnehin angespannte Stimmung im Land weiter anzuheizen, anstatt einende Worte zu wählen. Demokraten argumentieren, dass Donald Trump und sein Lager mit ihrer eigenen aggressiven Sprache den Boden für Gewalt bereiten.
Atentat auf Charlie Kirk verstärkt die Spaltung der USA
Der 31-jährige Kirk, Gründer der konservativen Jugendorganisation Turning Point USA, war vergangene Woche auf dem Campus einer Universität in Utah angeschossen worden und später im Krankenhaus gestorben. Ein 22-jähriger Tatverdächtiger wurde nach einem Hinweis aus dessen eigener Familie festgenommen. FBI-Chef Kash Patel bestätigte gegenüber Fox News, dass DNA-Spuren auf einem um eine Waffe gewickelten Handtuch sowie auf einem Schraubenzieher vom Tatort mit der DNA des Verdächtigen übereinstimmten.
Die politische Schlagkraft von Kirks Tod zeigt sich bereits: Seit dem Attentat gerieten zahlreiche Privatpersonen ins Visier von Kirk-Anhängern, teils wegen Verharmlosung der Tat, teils aber auch nur, weil sie auf umstrittene Äußerungen Kirks hingewiesen hatten. Das US-Außenministerium drohte zudem Ausländern mit dem Entzug ihrer Visa, sollten sie die Tat im Internet rechtfertigen.
Auch ZDF-Journalist Elmar Theveßen geriet in den Fokus, nachdem er in einem Podcast Trumps Stabschef Miller mit Überzeugungen aus dem Dritten Reich in Verbindung gebracht hatte. Der frühere US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, bezeichnete Theveßen daraufhin auf X als „linksradikal“ und forderte, ihm das US-Visum zu entziehen. Das ZDF reagierte knapp: „Die Arbeit von Elmar Theveßen ist durch die Pressefreiheit geschützt.“
Trumps Dunstkreis feiert Charlie Kirk als „Amerikas größten christlichen Märtyrer“
Kirks Ehefrau Erika und Weggefährten wie der ultrarechte Publizist Steve Bannon nutzen unterdessen die Reichweite des Getöteten, um dessen Anhänger weiter anzusprechen. Sie bezeichneten Kirk unter anderem als „Amerikas größten christlichen Märtyrer“. Turning Point USA, die von Kirk 2012 gegründete Organisation, verschickte Spendenaufrufe, in denen sein Tod als Aufruf zum politischen Engagement dargestellt wurde.
Im von Vance moderierten Podcast wurde Kirks Vermächtnis ebenfalls stark religiös gerahmt. Die Teilnehmer – neben Vance und Miller auch Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. und Trumps Sprecherin Karoline Leavitt – leiteten daraus den Auftrag ab, Kirks Netzwerk fortzuführen und auszubauen. Vor allem junge Konservative sollten sich demnach offen zum Christentum bekennen und Kirks Botschaften in Politik und Gesellschaft weitertragen. (Quellen: „The Charlie Kirk Show“, NBC News, Fox News, dpa) (nak)