Kampf um die Swing States

Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Trump und Harris – welche Faktoren die US-Wahl entscheiden könnten

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Der US-Präsidentschaftskandidat der Republikaner, Donald Trump, bei einer Wahlkampfveranstaltung im First Horizon Coliseum in North Carolina (Bild vom 2. November 2024).
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Trumps hohe Zustimmungswerte bei jungen Männern könnten ein Schlüssel zum Sieg bei der US-Wahl 2024 sein. Doch stark auf diese Wählergruppe zu setzen, birgt auch ein Risiko.

Washington DC – Die Umfragen zur bevorstehenden US-Wahl 2024 weisen auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Kamala Harris, der Kandidatin der Demokraten, und dem Republikaner Donald Trump hin. Aufgrund der Eigenheiten des amerikanischen Wahlsystems bedeutet eine landesweite Mehrheit der Stimmen nicht zwangsläufig den Sieg. Die Entscheidung fällt in den Swing States.

US-Wahl 2024: Harris und Trump kämpfen um entscheidende Swing States

Die Frage, wie sich die Swing States Michigan, Pennsylvania und Wisconsin entscheiden werden, ist für die US-Wahl zentral. Trump konnte diese Staaten 2016 für sich gewinnen. Zum ersten Mal seit den 1980er Jahren schickten sie einen Republikaner ins Weiße Haus. US-Präsident Joe Biden konnte die drei Swing States 2020 zurückholen, was entscheidend für seinen Sieg war. Im Jahr 2024 ist der Ausgang wieder ungewiss, und die Bedeutung von Michigan, Pennsylvania und Wisconsin bleibt groß. Harris und Trump setzen auf unterschiedliche Strategien, um die insgesamt sieben Swing States in diesem Wahlkampf für sich zu gewinnen.

Die Demokraten sind entschlossen, die Fehler von 2016 nicht zu wiederholen. Sie haben in Hunderte von Organisatoren und Büros in allen sieben Swing States investiert. Beim „Klingelputzen“, also dem direkten Ansprechen potenzieller Wähler und Wählerinnen an ihrer Haustür, könnten die Demokraten vorne liegen. Die Wählermobilisierung vor Ort könnte Trump laut Beobachtern die Wahl kosten. Darauf weisen auch Aussagen von neun Personen aus dem Umfeld der Lobbygruppe, dem sogenannten PAC (Political Action Committee), von Elon Musk hin. Die republikanischen Wahlhelfer und Wahlhelferinnen berichteten dem US-Sender NBC News von Problemen bei der Kampagne vor Ort, darunter fehlerhafte Daten.

Es habe Hinweise gegeben, dass einige Wahlhelfer und Wahlhelferinnen der Republikaner möglicherweise nicht an Türen klopften, sondern einfach Daten weitergaben, ohne mit potenziellen Wählern und Wählerinnen in Kontakt getreten zu sein. Das PAC wies diese Anschuldigungen jedoch zurück. In einer Stellungnahme betonte die Organisation, man klopfe an mehr Türen und erreiche mehr Menschen in abgelegenerem Gebiet als je zuvor. Insbesondere bei engen Wahlen kann diese Art der Haustürwerbung einen entscheidenden Unterschied bei der Wählermobilisierung machen.

Trump kann bei US-Wahl 2024 bei jungen Männern punkten – doch das birgt auch Risiko

Trump hat ein paar Trümpfe in der Hand: Die Republikaner versenden deutlich mehr Direktwerbung an die Haushalte. 81 Prozent der im September per Post verschickten Direktwerbung in den Swing States war für Trump oder griff Harris an, wie Daten des Sendungsverfolgungsunternehmens Mintt zeigen. Trump hat auch einen Vorteil bei jungen Männern. Laut republikanischen Analysen machen männliche Wähler unter 50 Jahren elf Prozent der unentschlossenen Wähler in den Swing States aus. Die Trump-Kampagne setzt daher auf Podcast-Interviews, Auftritte bei Sportveranstaltungen und gezielte digitale Werbung, um diese Gruppe anzusprechen.

Eine Umfrage von Siena und der New York Times zeigt, dass Trump bei jungen Männern mit 58 Prozent deutlich vor Harris liegt, für die sich nur 37 Prozent dieser Wählergruppe entscheiden. Eine weitere Erhebung von NBC ergab, dass Harris unter jungen Erwachsenen der Generation Z – den Jahrgängen 1995 bis 2010 – zwar einen Vorsprung hat. Während junge Frauen Harris mit einem Vorsprung von 30 Prozentpunkten bevorzugen, sind es bei jungen Männern unter 30 Jahren allerdings nur vier Prozentpunkte. Der Fokus Trumps auf diese Wählergruppe könnte sich bei der US-Wahl also positiv auswirken, birgt jedoch auch ein Risiko: Wenn die jungen Männer „nicht zur Wahl gehen und er die Leute vergrault, die regelmäßiger wählen, dann sitzen wir wirklich in einer Zwickmühle“, warnt Amy Walter, Chefredakteurin des überparteilichen Cook Political Report laut Washington Post.

Latino-Wähler bei US-Wahl in Bewegung: Trumps Popularität wächst

Harris hat nicht nur bei schwarzen Wählern und Wählerinnen, sondern auch bei Latinos und Latinas laut Umfragen einen Vorsprung, wie Daten der US-Denkfabrik Pew Research zeigen. Latinos machen rund 36 Millionen Wählerstimmen in den USA aus. Doch der Vorteil schrumpft: Harris‘ Zustimmungswerte sind laut einer Umfrage von NBC/Telemundo/CNBC die niedrigsten eines demokratischen Kandidaten bei den letzten vier Präsidentschaftswahlen. 54 Prozent der Befragten entschieden sich in der Erhebung für die Demokratin, 40 Prozent für den Republikaner. Als Trump 2016 die Wahl gewann, kam er in der NBC-Umfrage auf nur 19 Prozent der Latino-Stimmen. 69 Prozent gaben damals an, Hillary Clinton wählen zu wollen.

Umfragen sind immer Momentaufnahmen. Dennoch können sie Trends aufzeigen. Trumps eigene Kampagne könnte die wachsende Unterstützung von Latinos zuletzt in Gefahr gebracht haben. Bei einer Wahlkampfveranstaltung der Republikaner bezeichnete der Komiker Tony Hinchcliffe Puerto Rico, ein US-Außengebiet, als „eine schwimmende Insel aus Müll“ und fiel durch weitere rassistische Äußerungen auf. Allein in dem Swing State Pennsylvania leben etwa 500.000 Puerto-Ricaner. Ángel Cintrón, der Vorsitzende der Republikanischen Partei von Puerto Rico, kündigte bereits an, aufgrund der Kontroverse nicht für Trump zu stimmen.

Trump versucht offenbar auch, einer möglichen Niederlage bereits rhetorisch vorzubauen. Bei einem Auftritt in Arizona sagte er: „Das Einzige, was uns stoppen kann, ist Betrug.“ Der Republikaner behauptete zudem, er führe in allen Swing States, obwohl Umfragen weiter auf ein enges Rennen hindeuten. Bereits bei der US-Wahl 2020 sprach Trump fälschlicherweise von Wahlbetrug in den USA und akzeptierte seine Niederlage nicht. Beweise für Unregelmäßigkeiten bei der Wahl gibt es nicht, dutzende Klagen von Trumps-Wahlkampfteams scheiterten vor Gericht. Dennoch stachelte der Republikaner seine Anhänger in einer Rede auf, die in der Folge am 6. Januar 2021 das Kapitol in Washington stürmten. Vor der US-Wahl 2024 greift er nun erneut auf das Narrativ des vermeintlichen Wahlbetrugs zurück.

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