VonNils Thomas Hinsbergerschließen
Donald Trump entgeht wohl nur knapp einem zweiten Attentat. Der Täter setzt sich für den Ukraine-Krieg ein – und war mal Trump-Wähler.
Washington, D. C. – Der ehemalige US-Präsident Donald Trump scheint erneut knapp einem Attentatsversuch entgangen zu sein. Der mutmaßliche Täter, der 58-jährige Ryan Wesley Routh, wurde von Agenten des US-Geheimdienstes Secret Service auf Trumps eigenem Golfplatz in Florida aufgespürt. Die Agenten eröffneten das Feuer. Berichten zufolge war Routh mit einem AK-47 Sturmgewehr bewaffnet.
Sollte sich der Verdacht bestätigen, könnte dies bereits der zweite Attentatsversuch auf den Republikaner im US-Präsidentschaftsrennen sein. Der Schütze, der am 13. Juli während einer Wahlkampfrede auf Trump feuerte, war ein registrierter Republikaner aus Pennsylvania. Der auf Trumps Golfplatz entdeckte Bewaffnete scheint hauptsächlich mit dem Krieg in der Ukraine in Verbindung zu stehen. Was wir über den neuen Verdächtigen wissen:
„Sah Leute kämpfen und sterben“ – Trump-Attentäter war Freiwilliger im Ukraine-Krieg
Der Sohn des Verdächtigen und ein Autor der New York Times, der Routh für einen Artikel interviewte, bestätigten, dass Routh freiwillig im Ukraine-Krieg gedient hatte. „Mein Vater ging dorthin und sah verdammt noch mal Leute kämpfen und sterben“, erklärte Rouths Sohn, dem Guardian. „Er hat schauen wollen, ob die Scheiße okay ist, aber die Scheiße war nicht okay.“ Sein Vater war demnach in das von Russland angegriffene Land gereist, um „humanitäre“ Hilfe zu leisten.
Routh, ein Bauarbeiter aus North Carolina, sprach außerdem mit der New York Times, die mit mehreren Freiwilligen über ihre Hilfe im Ukraine-Krieg sprach. „Meiner Meinung nach sollte jeder dort sein und die Ukrainer unterstützen“, zitierte der Autor Thomas Gibbons-Neff Routh. Routh war jedoch nicht an den Frontkämpfen beteiligt. Er hielt sich selbst für zu alt und hatte keine militärische Erfahrung.
Mutmaßlicher Täter beim Trump-Attentat – Routh wollte afghanische Soldaten in die Ukraine schleusen
Trotzdem versuchte Routh, auf andere Weise militärische Unterstützung für das von Wladimir Putins Armee angegriffene Land zu organisieren. Laut dem Bericht plante Routh, eine große Anzahl afghanischer Soldaten für den Krieg zu rekrutieren, so die Times. Er habe sogar eine Liste mit mehr als 100 afghanischen Soldaten vorgelegt, die er in die Ukraine bringen wolle. Nach seiner Meinung wäre der Krieg für diese Menschen besser als die Situation im Iran.
Routh sei im Interview überfordert erschienen und habe „lächerliche“ Pläne dargelegt, wie er die afghanischen Truppen in die Ukraine bringen wolle. Er schlug laut dem Autor vor, korrupte Beamte zu bestechen und Pässe zu fälschen. Mit einem Militärflugzeug wolle er die Männer vom Irak nach Polen bringen. Wie genau er das umsetzen wolle, sei nicht klar geworden. „Er würde die Kriegsanstrengungen der Ukraine unterstützen, egal was passierte“, so Gibbons-Neff.
Donald Trump entgeht Attentat auf Golfplatz in Florida – Bilder und Eindrücke




Sohn von Tatverdächtigem wettert gegen Trump: „Tut verdammt noch mal nichts“ im Ukraine-Krieg
Die Wut über die Situation in der Ukraine könnte ein Grund dafür sein, dass Routh, bewaffnet mit einem AK-47-Sturmgewehr, auf Trumps Golfplatz gesichtet wurde. Auch sein Sohn scheint die Sorgen seines Vaters über den Abwehrkampf der Ukraine zu teilen. „In der Zwischenzeit sitzt dieser Typ hinter seinem verdammten Schreibtisch und tut verdammt noch mal nichts“, sagte Oran Routh über Trump. Trump hatte in der TV-Debatte gegen Kamala Harris, die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, keine klare Antwort darauf gegeben, ob er wolle, dass die Ukraine den Krieg gegen Russland gewinnt.
Auf dem Kurznachrichtendienst X gibt es ein Benutzerkonto, das mit dem mutmaßlichen Attentäter in Verbindung zu stehen scheint. Dort kritisierte Routh Trump offen. „Deine Kampagne sollte sowas wie KADAF heißen“, schrieb er an US-Präsident Joe Biden. Das steht für: „Keep America democratic and free“, also „lasst Amerika demokratisch und frei“. Trumps Kampagne solle sich jedoch in „MASA“ umbenennen – „make Americans slaves again“ (Macht Amerikaner wieder zu Sklaven). „Wir können es uns nicht leisten, zu verlieren. Die Welt zählt darauf, dass wir den Weg weisen“, fügte er in dem Beitrag hinzu.
Trump-Attentäter polizeibekannt – Anklage wegen Besitz von Kriegswaffen
Routh war der Polizei bereits bekannt. Im Jahr 2002 habe er sich in einem Geschäft verbarrikadiert und mit Waffen hantiert. „Ein bewaffneter Mann wurde am Montagmorgen festgenommen, nachdem er sich mehr als drei Stunden lang in einem Geschäft verbarrikadiert hatte“, zitierte t-online aus einer Polizeimeldung.
In den Gerichtsakten, die t-online vorliegen, stehe, dass er wegen des Besitzes einer „Kriegswaffe“ angeklagt wurde. Dabei handelt es sich um vollautomatische Waffen, die in einigen US-Bundesstaaten verboten sind. Auch das Gewehr, mit dem Routh auf Trumps Golfplatz gesichtet wurde, ist wahrscheinlich eine solche Waffe.
Nach Schüssen auf Trumps Golfplatz – mutmaßlicher Attentäter war Trump-Wähler
In den letzten Jahren hatte Routh sich klar für die demokratischen Kandidaten bei den US-Wahlen ausgesprochen. Das war aber nicht immer so. In einem seiner Beiträge auf X gab er an, 2016 für Trump gestimmt zu haben. „Während du 2106 [sic!] meine Wahl warst, hofften ich und die Welt, dass Präsident Trump anders und besser gewesen wäre“, schrieb Routh auf X. „Aber wir wurden alle großartig enttäuscht und es sieht so aus, dass du nur schlimmer wirst und dich zurückentwickelst; bist du behindert; ich werde froh sein, wenn du weg bist.“ (nhi)
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