Görlachs Weltgeschehen

US-Wahl: „Washington bereitet sich auf potenzielle Unruhen vor“

Vor der US-Wahl herrscht weltweit Anspannung. Experte Alexander Görlach sieht Deutschland nicht ausreichend gerüstet für eine mögliche Rückkehr von Donald Trump.

Ob Ukraine-Krieg, Krise im Nahen Osten oder der bedrohliche Aufstieg Chinas: Unsere Welt ist im Umbruch. Autoritäre Regime haben Aufwind, westliche Demokratien geraten in der Defensive. Für IPPEN.MEDIA blickt Alexander Görlach in der neuen Kolumne „Görlachs Weltgeschehen“ regelmäßig auf die Brennpunkte dieser Welt. Görlach ist Geopolitik-Experte und unterrichtet an der New York University.

Herr Görlach, ist die Präsidentschaftswahl am 5. November die wichtigste US-Wahl aller Zeiten?
Das kann man so sehen. Es steht in der Tat sehr viel auf dem Spiel. Denn das, was intern in den USA passiert, hat natürlich Auswirkungen auf den gesamten Globus. Und deshalb ist diese Wahl so wichtig. Auch für die Menschen in Deutschland und in Europa.
Ist Deutschland auf eine mögliche Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus vorbereitet?
Nein, das sind wir nicht. Man muss leider sagen, dass die Außenpolitik der gegenwärtigen Bundesregierung, vor allem von Bundeskanzler Olaf Scholz, fehlgeleitet ist. Das trifft zu im Hinblick auf Israel, im Hinblick auf Indien und auch im Hinblick auf die Volksrepublik China. Von daher kann man annehmen, dass auch im Fall einer Rückkehr von Donald Trump nicht die richtigen Schritte eingeleitet werden, nicht die richtigen Maßnahmen getroffen werden, um einer Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus angemessen zu begegnen.

Vor der Präsidentenwahl: „Die USA sind maximal gespalten“

Wie gespalten sind die USA vor dieser Wahl?
Die USA sind maximal gespalten. Es wird am Ende auf wenige Haushalte in wenigen Bundesstaaten ankommen. Die Lager sind verfestigt. Es sieht auch so aus, als ob sowohl Demokraten als auch Republikaner in der Lage sind, ihre Wählerbasis zu motivieren, zu der Wahl zu gehen. Das heißt, am Ende des Tages entscheiden einige wenige Tausend, vielleicht sogar auch einige wenige Hundert in einigen wenigen Distrikten – in einem Land mit über 330 Millionen Einwohnern – wer der nächste Präsident der USA werden wird.
Nach der vergangenen Wahl haben Trump-Anhänger versucht, das Kapitol zu stürmen. Drohen erneut Unruhen?
Die Hauptstadt Washington bereitet sich auf potenzielle Unruhen vor. Es gibt eine Bannmeile um das Weiße Haus, sodass man gegebenenfalls – sollte es zu Ausschreitungen kommen – auch in der Lage sein wird, dagegenzuhalten. Das sind wahrscheinlich die Learnings aus der letzten Präsidentschaftswahl, wo ja die Stimmung mehr als aufgeheizt war, was sich ja dann in dem Sturm aufs Kapitol am 6. Januar 2021 gezeigt hat.

Zur Person

Professor Alexander Görlach unterrichtet Demokratie-Theorie und -Praxis an der New York University. Der Geopolitik-Experte hatte verschiedene Positionen an der Universitäten Harvard und Cambridge inne und arbeitet heute besonders zum Aufstieg Chinas und was dieser für die Demokratien weltweit bedeutet. Unter anderem erschienen von ihm „Alarmstufe Rot: Wie Chinas aggressive Außenpolitik im Westpazifik in einen globalen Krieg führt“ (2022), „Brennpunkt Hongkong: Warum sich in China die Zukunft der freien Welt entscheidet“ (2020) und „Homo Empathicus: Von Sündenböcken, Populisten und der Rettung der Demokratie“ (2019).

Die Fragen stellte Sven Hauberg

Rubriklistenbild: © Görlach Teaserbild

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