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Trumps langer Schatten: Seine Präsidentschaft wäre eine Katastrophe für die US-Klimapolitik

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Die Präsidentschaftswahl in den USA ist auch eine Klimawahl. Mit einer zweiten Amtszeit von Donald Trump droht ein Rollback.

Der „Climate Action Tracker“ senkt den Daumen: Das internationale Bewertungsportal für Klimaschutz stuft die Politik der USA als „unzureichend“ ein. Ohne zusätzliche, drastische Maßnahmen zur CO2-Einsparung sei das Land weit davon entfernt, sein eigenes Klimaziel zu erreichen, geschweige denn seine Emissionen auf einen 1,5-Grad-Pfad zu bringen.

Und das, obwohl Präsident Joe Biden mit seinem „Inflation Reduction Act“ (IRA) ein gigantisches Investitionsprogramm für Klima und Energie durchgesetzt hat. Doch nun droht mit der US-Wahl sogar ein neues Rollback: wenn nämlich die Republikanische Partei das Rennen macht, und auch unabhängig davon, ob Donald Trump oder seine Konkurrentin Nikki Haley antreten. Beide wollen den Öl- und Gashahn wieder voll aufdrehen und Bidens Klimagesetz abwracken.

Gerüchte um Antritt von Michelle Obama bei US-Wahl

Anfang November könnte mit Trump für die Republikaner und Biden für die Demokraten zum ersten Mal seit 112 Jahren ein Ex-Präsident gegen einen amtierenden Präsidenten antreten. Das ist aber noch nicht beschlossene Sache. In den republikanischen Vorwahlen fährt Trump zwar einen Sieg nach dem anderen ein, doch die frühere UN-Botschafterin Haley ist noch im Rennen. Außerdem könnten Trump einige noch anhängige Gerichtsverfahren in die Quere kommen.

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Auch macht in Washington das Gerücht die Runde, die ehemalige First Lady Michelle Obama könnte für die Demokraten ins Rennen gehen. Die Frage, wer am 5. November schließlich gegeneinander antreten wird, dürfte also noch eine Weile spannend bleiben. Eine Hoffnung für Haley ist, dass sich hinter ihr als der einzigen Alternative zum Ex-Präsidenten alle Trump-Gegner:innen der Partei vereinen.

Auch Haley wäre Katastrophe für US-Klimapolitik

Einige republikanische Gouverneur:innen und andere hochkarätige Parteimitglieder haben ihr bereits die Unterstützung zugesagt. Doch obwohl Haley zum gemäßigten Flügel ihrer Partei gezählt wird, wäre auch sie eine Katastrophe für die internationale Klimapolitik. Sie verteidigt die Entscheidung der letzten Trump-Regierung, aus dem Pariser Klimaabkommen von 2015 auszusteigen, und kündigte an, es im Fall ihrer Wahl genauso zu machen.

Die USA waren unter Joe Biden wieder eingetreten. Im Gegensatz zu Trump hat Haley in der Vergangenheit zwar anerkannt, dass der Klimawandel menschengemacht ist, die Notwendigkeit der Reduktion von Treibhausgasen aber immer wieder infrage gestellt.

Weg frei für Trump: Haley steigt aus US-Vorwahlkampf aus

Donald Trump will wieder US-Präsident werden
Nun ist es raus: Donald Trump will 2024 erneut als US-Präsident antreten. Dann wird der Milliardär aus New York 78 Jahre alt sein. Trump hatte das Amt 2017 bis 2021 inne, verlor 2020 aber die Wahl und musste auf eine zweite Amtszeit verzichten. Die soll nun im dritten Anlauf gelingen. Trump wäre erst der zweite Präsident in der Geschichte der USA, dem ein solches Comeback gelingen würde. © Andrew Harnik/dpa
Nikki Haley tritt als US-Botschafterin bei der UN zurück und 2024 vielleicht noch einmal an
Nikki Haley war Trumps letzte verbliebene Rivalin. Doch am Ende zog auch sie sich aus dem parteiinternen Rennen um die US-Präsidentschaft zurück. Nach ihrer Serie von Niederlagen am Super Tuesday verkündete Haley ihren Ausstieg. Die ehemalige Gouverneurin des Bundesstaates South Carolinas wechselt ihre Haltung zu Donald Trump wie andere Leute die Kleidung. Als Botschafterin Trumps bei den Vereinten Nationen war sie enge Vertraute des Ex-Präsidenten, nach dem Sturm aufs Kapitol distanzierte sie sich. Dann sagte sie, sie werde nicht kandidieren, sollte Trump erneut antreten. Haley gilt als Establishment-Republikanerin, die für möglichst geringe Sozialausgaben, niedrige Steuern und eine aggressive Außenpolitik steht. © Evan Vuccid/dpa
Floridas Gouverneur Ron de Santis spricht nach dem Sieg bei den Midterms zu seiner Anhängerschaft
Als härtester Konkurrent für die Nominierung bei den Republikanern für die US-Wahl 2024 galt lange Ron DeSantis. Der Gouverneur Floridas feierte bei den Midterms einen klaren Sieg und wurde von der Wählerschaft im Amt bestätigt. Er galt als der Hoffnungsträger in der Partei. Das Rennen um die Präsidentschaftsnominierung hat er aber inzwischen aufgegeben. DeSantis hatte sich in der Vergangenheit als Trump-Fan inszeniert, geht mittlerweile aber auf Distanz zum Ex-Präsidenten. Hier zu sehen ist der Politiker mit seiner Frau Casey DeSantis und den drei gemeinsamen Kindern. © IMAGO/Luis Santana
Der erfahrene Politiker Asa Hutchinson tritt als Anti-Trump-Kandidat an
Er war bereits Staatsanwalt, Abgeordneter im Repräsentantenhaus, Behördenleiter der Anti-Drogenbehörde DEA und Gouverneur des Bundesstaates Arkansas. Jetzt wollte Asa Hutchinson 2024 republikanischer Präsidentschaftskandidat werden, doch nach der Vorwahl in Iowa zog er seine Kandidatur zurück. Hutchinson trat als Alternative zu Donald Trump an, denn seines Erachtens sollte dieser „nicht der nächste Anführer unseres Landes sein“. Hutchinson forderte Trump auf, seine Kandidatur aufgrund der Anklage gegen ihn in New York zurückzuziehen – eine Sicht, die die republikanische Wählerschaft nicht teilt. © SCOTT OLSON / AFP
Vivek Ramaswamy, Trump-Fan mit Anti-Woke-Agenda
Vivek Ramaswamy hatte Großes vor. Der 38-jährige, rechtslibertäre Tech-Unternehmer mit indischen Wurzeln wollte US-Präsident werden. Nach seinem enttäuschenden Abschneiden bei der Vorwahl in Iowa warf er aber das Handtuch und empfahl, Trump zu Wählen. Der Trump-Fan sieht die USA in einer „nationalen Identitätskrise“ und fordert eine „nationale Wiederbelebung“. Dazu will er z.B. das FBI und das Bildungsministerium abschaffen. Er wolle Trumps „America-First-Aganda auf die nächste Stufe bringen“.  © Anna Moneymaker / AFP
US-Wahl 2024: Ehemaliger Trump-Vertrauter Christie will ins Weiße Haus
Chris Christie hatte auch noch einmal Ambitionen auf das Weiße Haus angemeldet. Der frühere Gouverneur des US-Bundesstaats New Jersey war einst ein enger Vertrauter von Donald Trump, hat sich aber mittlerweile von ihm losgesagt und kritisiert ihn sogar öffentlich. So bezeichnete er den früheren Präsidenten wegen dessen Haltung zum Ukraine-Krieg als „Feigling“ und „Marionette“ des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Christie wollte 2016 schon einmal Präsidentschaftskandidat seiner Partei werden, zog nach schlechten Ergebnissen bei den Vorwahlen aber zurück. Diesmal gab er bereits vor den Vorwahlen der Republikaner auf. © Charles Krupa/dpa
Zu den krassen Außenseitern zählt auch Douglas James „Doug“ Burgum, der hier im Juli 2023 bei einer Veranstaltung in Iowa um Stimmen wirbt.
Zu den krassen Außenseitern zählte von Beginn an Douglas James „Doug“ Burgum, der hier im Juli 2023 bei einer Veranstaltung in Iowa um Stimmen wirbt. Der Republikaner, der am 4. Dezember aus dem Rennen ausstieg, ist seit dem 15. Dezember 2016 Gouverneur von North Dakota. Vor seiner politischen Karriere war er Softwareunternehmer, Microsoft-Manager und Risikokapitalgeber. Im April unterzeichnete Burgum ein Gesetz, das Abtreibungen in der sechsten Schwangerschaftswoche verbietet. Zudem hat er zahlreiche Gesetze unterzeichnet, die die Rechte von trans Menschen einschränken. © SCOTT OLSON/afp
Senator Tim Scott aus dem Bundesstaat South Carolina begreift seinen Aufstieg aus armen Verhältnissen als Verkörperung des amerikanischen Traumes. In einem im April veröffentlichten Video spricht er sich gegen eine Politik der Spaltung aus und fordert mehr Optimismus. Scott betont darin auch seine Religiosität und seinen Wunsch, die konservativen Werte Amerikas zu verteidigen. Als Beispiele nennt er etwa den Schutz der Grenzen und der Kampf gegen Abtreibung.
Tim Scott (blaues Hemd) hat sich aus dem Rennen um die Kandidatur verabschiedet. Am 12. November zog der Senator aus South Carolina seine Kandidatur zurück. In einem im April veröffentlichten Video sprach er sich gegen eine Politik der Spaltung aus und forderte mehr Optimismus. Scott betonte darin auch seine Religiosität und seinen Wunsch, die konservativen Werte Amerikas zu verteidigen. Als Beispiele nannte er etwa den Schutz der Grenzen und der Kampf gegen Abtreibung. Seinen Aufstieg aus armen Verhältnissen begreift Scott als Verkörperung des amerikanischen Traumes.  © ALLISON JOYCE
Mike Pence könnte 2024 bei der US-Wahl für das Amt des Präsidenten kandidieren.
Ausgestiegen ist auch Trumps ehemaliger Vizepräsident. „Dies ist nicht meine Zeit“, sagte Mike Pence am 28. Oktober 2023. Pence war in Umfragen weit abgeschlagen und hatte Medienberichten zufolge Probleme bei der Beschaffung von Geldern für seine Kampagne. „Wir wussten immer, dass dies ein harter Kampf sein würde, aber ich bereue nichts“, erklärte Pence. Mit kritischen Kommentaren nach den Midterms hatte sich der ultrakonservative Pence für einen möglichen Machtkampf innerhalb der Republikanischen Partei in Stellung gebracht. © IMAGO/Aimee Dilger
Larry Elder ist 2024 der erste schwarze Präsidentschaftskandidat bei den Republikanern
Am 26. Oktober zog sich Larry Elder zurück. Schon bei seinem ersten Versuch als Politiker war er gescheitert: 2021 versuchte der rechte Radiomoderator und Rechtsanwalt erfolglos, Kaliforniens demokratischen Gouverneur Gavin Newsom abzulösen. Elder vertritt rechtsradikale Ansichten, wie ein Abtreibungsverbot, glaubt, dass an Grenzen „Mauern funktionieren“, Antirassismus sowie Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion hingegen nicht. © SCOTT OLSON / AFP
Perry Johnson ist im Grunde der republikanische Antipolitiker im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur.
Am 20. Oktober zog sich auch Perry Johnson aus dem Wahlkampf zurück. Er war im Grunde der republikanische Antipolitiker im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur. Aufgefallen war der Unternehmer zuvor nur im Jahr 2022, als er für das Amt des Gouverneurs in Michigan kandidieren wollte. Wegen unsauberer Machenschaften wurde er allerdings von den republikanischen Vorwahlen vorzeitig ausgeschlossen. Johnson positionierte sich im Wahlkampf gegen Abtreibungen. Zudem kritisierte er die Höhe der Hilfsgelder, die die USA der Ukraine zur Verfügung stellen. Zugleich stellte Johnson aber klar, dass er Wladimir Putin nicht vertraue. © SCOTT OLSON/afp
Weitere Kandidaten im Kampf um die Bewerbung sind bisher Ryan Binkley, Will Hurd, Corey Stapleton und Francis Suarez.
Weitere Kandidaten im Kampf um die Bewerbung waren auch Will Hurd, Corey Stapleton und Francis Suarez. Auch sie haben ihre Kandidatur bereits wieder zurückgezogen. Im Rennen sind dagegen noch Ryan Binkley, John Anthony Castro und E. W. Jackson. Chancen auf eine Nominierung dürften sie allerdings kaum haben. Großer Favorit bleibt allen Anklagen und Prozessen zum Trotz weiter der frühere Präsident Donald Trump. Die Republikaner haben auf jeden Fall die Qual der Wahl. © ALLISON JOYCE/afp

Mit Haley wären Lösungen eher möglich als mit Trump

Sonja Thielges vom Potsdamer Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit RIFS, hält Haley dennoch für das kleinere Übel. „Im Gegensatz zu Trump ist sie keine Klimaskeptikerin“, sagt die Expertin für Klimapolitik. Haley zeige eine grundsätzliche Offenheit für konservative Lösungsansätze, wie die Steigerung von Energieeffizienz und den Ausbau der CO2-Speichertechnologie CCS.

Damit wären überparteiliche Lösungen zusammen mit den Demokraten eher realisierbar. Einfach dürfte das aber nicht werden. „Es gibt unter den republikanischen Kongressmitgliedern schlicht keine Mehrheiten für den Klimaschutz“, erläutert Thielges. Im Gegenteil seien viele unter ihnen nicht einmal vom Wirken des menschengemachten Klimawandels überzeugt und zweifelten die Wissenschaft dahinter an.

Zwischenbilanz

Die USA stoßen nach China weltweit die meisten klimaschädlichen Treibhausgase aus. Und: Der Pro-Kopf-Ausstoß ist mit 14 Tonnen fast doppelt so hoch wie in China. Die USA, die wieder im Pariser Abkommen sind, sollen bis 2050 klimaneutral aufgestellt sein.

Präsident Joe Biden wollte deshalb eine Kehrtwende in der Klimapolitik und versprach eine neue Ära auch im Verkehrsbereich: Er wollte den Anteil der Elektro-Fahrzeuge bis 2030 von derzeit acht auf 50 Prozent anheben.

Donald Trump griff diese Pläne heftig an und aus Angst vor Wählerverlust knickte Biden ein und gibt der Autoindustrie mehr Zeit für die Abkehr vom Verbrenner.

Um die Klimaziele zu erreichen , setzt die Regierung auch auf erneuerbare Energien. Doch auch hier attackieren Trump wie seine Konkurrentin Nikki Haley Bidens „Inflation Reduction Act“, das Klimagesetz, das rund 370 Milliarden US-Dollar an Steuergutschriften für Öko-Energien vorsieht. sd

Trump und Haley wollen Bidens Reduction Act abschaffen

Ein Hauptproblem ist, dass Haley genau wie Trump dem Inflation Reduction Act als wichtigstem Projekt der Biden-Administration den Kampf angesagt hat. Das Gesetz sieht Investitionen von rund 370 Milliarden Dollar über zehn Jahre in den Klimaschutz vor. Dazu gehören die Förderung von erneuerbaren Energien, Kaufprämien für Elektroautos, Steuervergünstigungen für Wärmepumpen und Solaranlagen sowie eine Gebühr auf Methan-Ausstoß, die wiederum Klimaschutz in ärmeren Gemeinden querfinanzieren soll. Ein Großteil der Investitionskosten soll durch Steuerreformen finanziert werden, unter anderem durch eine Mindeststeuer von 15 Prozent auf Unternehmen mit einem Jahresgewinn von über einer Milliarde Dollar.

Ganz so einfach könnten allerdings weder Trump noch Haley den IRA abschaffen. Dafür bräuchten sie eine Mehrheit in beiden Häusern des Kongresses, also Repräsentantenhaus und Senat, in letzterem sogar eine von 60 zu 100 Stimmen. Gegenwärtig haben die Republikaner die Mehrheit im Repräsentantenhaus und blockieren damit schon jetzt erfolgreich progressive Klimagesetze der Biden-Administration. Doch die Verhältnisse könnten sich dieses Jahr ändern. Parallel zu den Präsidentschaftswahlen wählen die US-Bürger:innen einen neuen Kongress, dabei auch 34 der 100 Senatssitze. Wie stark ein Präsident Trump oder eine Präsidentin Haley den Klimaschutz-Kurs wirklich zurückdrehen kann, ist nicht einfach zu beantworten.

Der ehemalige US-Präsident hat nicht nur Fans: Hier protestieren in Albany Menschen gegen die umstrittene Fracking-Methode, auf die Trump weiterhin setzen will.

Donald Trump bekommt zwölfmal so viele Spenden von Industrie wie Joe Biden

Thielges hat die Hoffnung, dass progressive US-Bundesstaaten wie Kalifornien und die Privatunternehmen dann weiterhin ambitionierte Klimaziele verfolgen. Schon während Trumps Amtszeit hatten sich viele seinem fossilen Kurs widersetzt und etwa die erneuerbaren Energien weiter kräftig ausgebaut. Doch die Widerstände aus dem Weißen Haus, republikanisch geführten Bundesstaaten und der fossilen Lobby dürften auch diesmal dazu führen, dass das Erreichen der Klimaziele in den USA durch einen Sieg der Republikaner noch schwieriger wird als jetzt schon, wie der Gründer der US-Klimaschutzorganisation 350.org, Bill McKibben, gegenüber der FR erläuterte.

Aufzugeben sei aber keine Option, sagte McKibben. „Es ging schon immer darum, die Erderwärmung möglichst gering zu halten. Wir können verhindern, dass die Dinge schlimmer werden, als sie es sonst würden.“ Der Schlüssel sei, die politische Macht der fossilen Industrie zu brechen. Wie sich die fossile Industrie Trump als nächsten Präsidenten herbeisehnt, lässt ein Blick auf die Wahlkampfspenden erahnen. Trump konnte sich mit über sieben Millionen Dollar über eine mehr als zwölfmal so hohe Finanzunterstützung aus der Industrie freuen als Biden.

Rubriklistenbild: © IMAGO/USA TODAY Network

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