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US-Wahl: Ein Kennedy könnte Joe Biden den knappen Sieg verhageln

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Robert Kennedy Jr. im Wahlkampf.
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Sowohl Joe Biden als auch Donald Trump sind unbeliebt. Die Frage, wie viele anderen Kandidatinnen und Kandidaten ihre Stimme geben, könnte wahlentscheidend sein.

Washington, DC. – Robert F. Kennedy Jr. hat sich den großen Aufschlag beim Superbowl-Finale in Las Vegas sieben Millionen Dollar kosten lassen. Respektive: Sein Wahlkampfkomitee „American Values 2024“ zahlte die stolze Summe für eine 30-Sekunden-Werbung, die das größte Fernsehpublikum des Jahres erreichte. Darin führt sich der unabhängige Präsidentschaftskandidat als Erbe der Präsidentschaft von John F. Kennedy ein, obwohl sich alle Kennedys vom schwarzen Schaf der Familie distanziert haben.

Der von einem Spot John F. Kennedys adaptierte Clip sei ein dreistes Plagiat, beschwert sich Robert Shrum, ein Polit-Stratege im Dienst der Demokraten, der mit der Familie eng verbunden ist. Unterlegt von einem historischen Wahlkampfsong JFKs, der den Namen des Kandidaten ständig wiederholt, tauchten Bilder RFK Juniors auf. Es tue ihm wirklich leid, wenn der Superbowl-Clip der Familie Schmerzen zugefügt habe, erklärte der anschließend und behauptete, dass er keinen Einfluss auf das Aktions-Komitee gehabt habe. Eine ohnehin schwache Ausrede, weiter unterminiert dadurch, dass die Werbung prominent platziert auf seiner Website stehen blieb.

Der Name „Kennedy“ strahlt noch in den USA

Robert Kennedy Jr. ist der Sohn des gleichnamigen US-Justizministers und Senators Bobby, der wie sein Bruder John F. Kennedy ermordet wurde und ebenfalls Ambitionen auf das Weiße Haus hatte. Der Name „Kennedy“ strahlt in Amerika noch immer Glanz aus. Und er steht in Kontrast zu den Assoziationen, die viele mit Joe Biden und Donald Trump haben. In Umfragen erzielen beide bereits vor ihrer Nominierung schwache Zustimmungswerte um 40 Prozent.

Der Wahlkampf gerät so zu einem Unbeliebtheits-Wettbewerb. Der 81-jährige Amtsinhaber setzt darauf, dass seine Landsleute ihm als Verteidiger von Demokratie und Rechtsstaat den Vorzug vor seinem an vier Strafgerichten in 91 Punkten angeklagten Vorgänger geben, der wie ein Autokrat regieren will.

Diese Entweder-oder-Strategie könnte aber zu einem gefährlichen Trugschluss werden. Die plakative Alternative „Demokratie gegen Diktatur“ stellt sich so nicht, wenn es die Möglichkeit gibt, eine Stimme für eine dritte Person abzugeben.

Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Joe Biden gehört seit vielen Jahren zum Establishment der Demokratischen Partei und blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Bei der US-Wahl 2020 ist es ihm im dritten Anlauf endlich gelungen, sein großes Ziel zu erreichen: Biden ist zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Es war die Krönung eines jahrzehntelangen Politikerlebens, in dem er auch schwere Schicksalsschläge zu verkraften hatte.
Joe Biden gehört seit vielen Jahren zum Establishment der Demokratischen Partei und blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Bei der US-Wahl 2020 ist es ihm im dritten Anlauf endlich gelungen, sein großes Ziel zu erreichen: Biden ist zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Es war die Krönung eines jahrzehntelangen Politikerlebens, in dem er auch schwere Schicksalsschläge zu verkraften hatte.  © Angela Weiss/afp
Joseph „Joe“ Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton (Pennsylvania) geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann der Jurist Ende der 60er-Jahre, sich politisch zu engagieren. Zunächst ließ er sich im US-Bundesstaat Delaware als Unabhängiger registrieren – weil er weder den republikanischen Präsidenten Richard Nixon noch den demokratischen Gouverneur Charles Terry ausstehen konnte. Um die Lage nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 zu beruhigen, hatte Terry die Nationalgrade zu Hilfe gerufen. Für Biden wurde die Bürgerrechtsbewegung zum Auslöser seiner Politisierung.
Joseph „Joe“ Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton (Pennsylvania) geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann der Jurist Ende der 60er-Jahre, sich politisch zu engagieren. Zunächst ließ er sich im US-Bundesstaat Delaware als Unabhängiger registrieren – weil er weder den republikanischen Präsidenten Richard Nixon noch den demokratischen Gouverneur Charles Terry ausstehen konnte. Um die Lage nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 zu beruhigen, hatte Terry die Nationalgrade zu Hilfe gerufen. Für Biden wurde die Bürgerrechtsbewegung zum Auslöser seiner Politisierung. © afp
Im Jahr 1972 trat Biden im Alter von nur 29 Jahren bei der Wahl zum US-Senat an. Er besiegte den langjährigen republikanischen Vertreter Cale Boggs und zog als einer der jüngsten Senatoren in den Kongress ein. Der Triumph wurde allerdings von einem schweren Autounfall am 18. Dezember 1972 überschattet, bei dem seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi ums Leben kamen. Die Söhne Beau und Hunter überlebten verletzt. Seinen Eid legte Biden im Januar 1973 am Krankenbett von Beau ab, dessen Bein immer noch im Streckverband war. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill Tracy Jacobs. Aus dieser Ehe stammt Tochter Ashley.
Im Jahr 1972 trat Biden im Alter von nur 29 Jahren bei der Wahl zum US-Senat an. Er besiegte den langjährigen republikanischen Vertreter Cale Boggs und zog als einer der jüngsten Senatoren in den Kongress ein. Der Triumph wurde allerdings von einem schweren Autounfall am 18. Dezember 1972 überschattet, bei dem seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi ums Leben kamen. Die Söhne Beau (links) und Hunter überlebten verletzt. Seinen Eid legte Biden im Januar 1973 am Krankenbett von Beau ab, dessen Bein immer noch im Streckverband war. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill Tracy Jacobs (rechts). Aus dieser Ehe stammt Tochter Ashley. © afp
Von 1973 bis 2009 saß Biden 36 Jahre lang als Vertreter des Bundesstaates Delaware im Senat. Er wohnte allerdings weiterhin in Wilmington (Delaware) und pendelte jeden Tag per Bahn nach Washington, D.C. 1994 war er maßgeblich an einem heute kontrovers diskutierten Gesetz zur Reform des Strafrechts und der Inneren Sicherheit beteiligt. Mitte der 90er sprach er sich für die Nato-Intervention in Bosnien-Herzegowina und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999 aus. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution.
Von 1973 bis 2009 saß Biden 36 Jahre lang als Vertreter des Bundesstaates Delaware im Senat. Er wohnte allerdings weiterhin in Wilmington (Delaware) und pendelte jeden Tag per Bahn nach Washington, D.C. 1994 war er maßgeblich an einem heute kontrovers diskutierten Gesetz zur Reform des Strafrechts und der inneren Sicherheit beteiligt. Mitte der 90er sprach er sich für die Nato-Intervention in Bosnien-Herzegowina und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999 aus. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution.  © Jerome Delay/afp
Im Juni 1987 erklärte Biden seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 1988. Nur sechs Wochen später war er aber wieder raus aus dem Rennen, noch ehe es richtig begonnen hatte. Der Grund war eine peinliche Plagiatsaffäre. Biden hatte eine Rede des britischen Labour-Vorsitzenden Neil Kinnock teilweise kopiert. Die darin enthaltenen Details passten allerdings nur zu Kinnocks Leben, nicht zu Bidens. „Ich habe einige dumme Dinge getan und ich werde wieder dumme Dinge tun“, verteidigte er sich noch, bevor er kurz danach seine Kandidatur zurückzog.
Im Juni 1987 erklärte Biden seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 1988. Nur sechs Wochen später war er aber wieder raus aus dem Rennen, noch ehe es richtig begonnen hatte. Der Grund war eine peinliche Plagiatsaffäre. Biden hatte eine Rede des britischen Labour-Vorsitzenden Neil Kinnock teilweise kopiert. Die darin enthaltenen Details passten allerdings nur zu Kinnocks Leben, nicht zu Bidens. „Ich habe einige dumme Dinge getan und ich werde wieder dumme Dinge tun“, verteidigte er sich noch, bevor er kurz danach seine Kandidatur zurückzog. © Imago
20 Jahre später versuchte es Biden ein zweites Mal. Doch erneut ging seine Kandidatur fürs Präsidentenamt schief. Diesmal war die Konkurrenz von Barack Obama und Hillary Clinton einfach zu stark für ihn. Nachdem Biden bei der ersten Vorwahl im Bundesstaat Iowa gerade einmal ein Prozent der Stimmen erhalten hatte, gab Biden das Rennen auf. Noch 2019 verhöhnte ihn Donald Trump aufgrund dieses Ergebnisses und bezeichnete Biden als „1% Joe“.
20 Jahre später versuchte es Biden ein zweites Mal. Doch erneut ging seine Kandidatur fürs Präsidentenamt schief. Diesmal war die Konkurrenz von Barack Obama und Hillary Clinton einfach zu stark für ihn. Nachdem Biden bei der ersten Vorwahl im Bundesstaat Iowa gerade einmal ein Prozent der Stimmen erhalten hatte, gab Biden das Rennen auf. Noch 2019 verhöhnte ihn Donald Trump aufgrund dieses Ergebnisses und bezeichnete Biden als „1% Joe“.  © Imago
Am Ende wurde die US-Wahl 2008 doch noch zu einem Erfolg für Biden. Als Vizepräsident unter Barack Obama konnte er die Politik in den nächsten Jahren maßgeblich mitbestimmen. So war Biden in der ersten Amtszeit ein lautstarker Förderer der 2010 verabschiedeten Gesundheitsreform, die unter dem Namen „Obamacare“ bekannt wurde. Im Mai 2012 sorgte Biden für Schlagzeilen, als er sich dafür aussprach, in den gesamten USA gleichgeschlechtliche Ehen zu ermöglichen. 2015 wurde sie durch ein Urteil des Obersten Gerichtshofs landesweit legalisiert.
Am Ende wurde die US-Wahl 2008 doch noch zu einem Erfolg für Biden. Als Vizepräsident unter Barack Obama konnte er die Politik in den nächsten Jahren maßgeblich mitbestimmen. So war Biden in der ersten Amtszeit ein lautstarker Förderer der 2010 verabschiedeten Gesundheitsreform, die unter dem Namen „Obamacare“ bekannt wurde. Im Mai 2012 sorgte Biden für Schlagzeilen, als er sich dafür aussprach, in den gesamten USA gleichgeschlechtliche Ehen zu ermöglichen. 2015 wurde sie durch ein Urteil des Obersten Gerichtshofs landesweit legalisiert. © Emmanuel Dunand/afp
Bei der US-Wahl 2012 sicherten sich Obama und Biden eine zweite gemeinsame Amtszeit. Im Wahlkampf konnte Biden mit einem griffigen Slogan punkten: „Bin Laden ist tot und General Motors lebt“. Biden spielte damit auf Erfolge der Regierung in der ersten Amtszeit an. So war Al-Kaida-Gründer Osama bin Laden im Mai 2011 vom US-Militär in Pakistan getötet worden. Für die Rettung des verstaatlichten Autoherstellers General Motors gab die US-Regierung insgesamt 51 Milliarden Dollar aus.
Bei der US-Wahl 2012 sicherten sich Obama und Biden eine zweite gemeinsame Amtszeit. Im Wahlkampf konnte Biden mit einem griffigen Slogan punkten: „Bin Laden ist tot und General Motors lebt“. Biden spielte damit auf Erfolge der Regierung in der ersten Amtszeit an. So war Al-Kaida-Gründer Osama bin Laden im Mai 2011 vom US-Militär in Pakistan getötet worden. Für die Rettung des verstaatlichten Autoherstellers General Motors gab die US-Regierung insgesamt 51 Milliarden Dollar aus. © Pete Souza/afp
Nach dem Amoklauf an der Sandy Hook Elementary School im Dezember 2012 übernahm Biden den Vorsitz einer Arbeitsgruppe für eine Änderung des Waffenrechts. Eine Verschärfung auf Bundesebene fand aber keine Mehrheit im Kongress. Kurz vor Ende der zweiten Amtsperiode verlieh Obama seinem Vize unangekündigt die Freiheitsmedaille, die höchste zivile Auszeichnung in den USA. Biden sei der „beste Vizepräsident, den wir je hatten“, sagte Obama damals.
Nach dem Amoklauf an der Sandy Hook Elementary School im Dezember 2012 übernahm Biden den Vorsitz einer Arbeitsgruppe für eine Änderung des Waffenrechts. Eine Verschärfung auf Bundesebene fand aber keine Mehrheit im Kongress. Kurz vor Ende der zweiten Amtsperiode verlieh Obama seinem Vize unangekündigt die Freiheitsmedaille, die höchste zivile Auszeichnung in den USA. Biden sei der „beste Vizepräsident, den wir je hatten“, sagte Obama damals. © Nicholas Kamm/afp
Biden wurde seit Obamas Wiederwahl immer wieder als möglicher Nachfolger genannt. Am 21. Oktober 2015 gab Biden allerdings bekannt, 2016 nicht für die Präsidentschaft kandidieren zu wollen. Grund war der Tod seines Sohnes Beau, der im Mai 2015 an einem Gehirntumor gestorben war. Später bedauerte er, auf eine Kandidatur verzichtet zu haben. Für die Demokraten trat dafür Hillary Clinton an, die die Wahl gegen Donald Trump überraschend verlor.
Biden wurde seit Obamas Wiederwahl immer wieder als möglicher Nachfolger genannt. Am 21. Oktober 2015 gab Biden allerdings bekannt, 2016 nicht für die Präsidentschaft kandidieren zu wollen. Grund war der Tod seines Sohnes Beau, der im Mai 2015 an einem Gehirntumor gestorben war. Später bedauerte er, auf eine Kandidatur verzichtet zu haben. Für die Demokraten trat dafür Hillary Clinton an, die die Wahl gegen Donald Trump überraschend verlor. © Kevin Lamarque/afp
Über seinen Sohn Beau lernte Biden die Juristin Kamala Harris kennen, die er bei der US-Wahl 2020 dann zu seiner Vize-Kandidatin machte. Harris war 2003 zur ersten Bezirksstaatsanwältin in San Francisco gewählt worden, bevor sie im Januar 2011 als Attorney General von Kalifornien vereidigt wurde. Dieses Amt stellt eine Kombination aus Justizministerin und Generalstaatsanwältin dar. 2017 zog sie als zweite „Person of Colour“ in den US-Senat ein.
Über seinen Sohn Beau lernte Biden die Juristin Kamala Harris kennen, die er bei der US-Wahl 2020 dann zu seiner Vize-Kandidatin machte. Harris war 2003 zur ersten Bezirksstaatsanwältin in San Francisco gewählt worden, bevor sie im Januar 2011 als Attorney General von Kalifornien vereidigt wurde. Dieses Amt stellt eine Kombination aus Justizministerin und Generalstaatsanwältin dar. 2017 zog sie als zweite „Person of Colour“ in den US-Senat ein. © Mandel Ngan/afp
Im Wahlkampf spielte aber vor allem Bidens anderer Sohn eine Rolle. Hunter Biden war 2014 in den Verwaltungsrat des ukrainischen Gaskonzerns Burisma aufgenommen worden – just zu einer Zeit, da sein Vater als Vizepräsident für die Ukraine zuständig war. Bidens Widersacher Donald Trump sprach von Korruption und setzte die ukrainische Regierung unter Druck, entsprechende Untersuchungen einzuleiten.
Im Wahlkampf spielte aber vor allem Bidens anderer Sohn eine Rolle. Hunter Biden war 2014 in den Verwaltungsrat des ukrainischen Gaskonzerns Burisma aufgenommen worden – just zu einer Zeit, da sein Vater als Vizepräsident für die Ukraine zuständig war. Bidens Widersacher Donald Trump sprach von Korruption und setzte die ukrainische Regierung unter Druck, entsprechende Untersuchungen einzuleiten. Eine private Besonderheit: Nur sechs Tage nachdem er sie kennengelernt hatte, wurde Melissa Cohen 2019 seine zweite Ehefrau. © Roberto Schmidt/afp
Trotz der Vorwürfe gewann Joe Biden die Wahl. Am 6. Januar 2021 kamen der Senat und das Repräsentantenhaus zusammen, um das Ergebnis offiziell zu zertifizieren. Als ein aufgebrachter Trump-Mob das Kapitol stürmte, hielt die Welt für mehrere Stunden den Atem an. Einen Tag später konnte der Kongress seine Arbeit dann aber wieder aufnehmen. Am 20. Januar 2021 wurde Joe Biden schließlich zum 46. Präsidenten der Vereinigten Staaten vereidigt.
Trotz der Vorwürfe gewann Joe Biden die Wahl. Am 6. Januar 2021 kamen der Senat und das Repräsentantenhaus zusammen, um das Ergebnis offiziell zu zertifizieren. Als ein aufgebrachter Trump-Mob das Kapitol stürmte, hielt die Welt für mehrere Stunden den Atem an. Einen Tag später konnte der Kongress seine Arbeit dann aber wieder aufnehmen. Am 20. Januar 2021 wurde Joe Biden schließlich zum 46. Präsidenten der Vereinigten Staaten vereidigt. © afp
Bidens Amtszeit wird überschattet vom Ukraine-Krieg. Nach dem Einmarsch russischer Truppen in das Nachbarland am 24. Februar 2022 verhängte Biden Sanktionen gegen Russland, stockte die US-Truppen in Europa auf und unterstützt die Ukraine mit finanziellen Hilfen und Lieferung von Militärtechnik. Im März 2022 bezeichnete Biden den russischen Präsidenten Wladimir Putin als „Kriegsverbrecher“ und „mörderischen Diktator“.
Bidens Amtszeit wird überschattet vom Ukraine-Krieg. Nach dem Einmarsch russischer Truppen in das Nachbarland am 24. Februar 2022 verhängte Biden Sanktionen gegen Russland, stockte die US-Truppen in Europa auf und unterstützt die Ukraine und ihren Präsidenten Wolodymyr Selenskyj mit finanziellen Hilfen und Lieferung von Militärtechnik. Im März 2022 bezeichnete Biden den russischen Präsidenten Wladimir Putin als „Kriegsverbrecher“ und „mörderischen Diktator“. © Oliver Douliery/afp
Kurz vor der US-Wahl 2024 machten sich allerdings zunehmend die Strapazen des Amtes bei Joe Biden bemerkbar. Sein TV-Duell gegen Donald Trump wurde zum Debakel. Nach wochenlangen Debatten über seine Gesundheit zog Biden am 21. Juli seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl. „Es war die größte Ehre meines Lebens, als Ihr Präsident zu dienen“, erklärte Biden. Er ist der erste Präsident in der Geschichte der USA, der seine Kandidatur aufgrund von Bedenken bezüglich seiner geistigen und körperlichen Fitness aufgibt.
Kurz vor der US-Wahl 2024 machten sich allerdings zunehmend die Strapazen des Amtes bei Joe Biden bemerkbar. Sein TV-Duell gegen Donald Trump wurde zum Debakel. Nach wochenlangen Debatten über seine Gesundheit zog Biden am 21. Juli seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl. „Es war die größte Ehre meines Lebens, als Ihr Präsident zu dienen“, erklärte Biden. Er ist der erste Präsident in der Geschichte der USA, der seine Kandidatur aufgrund von Bedenken bezüglich seiner geistigen und körperlichen Fitness aufgibt. © Chris Delmas/AFP

Wenn in Umfragen außer Biden und Trump auch nach den weiteren Bewerber:innen gefragt wird, kommt Kennedy auf dreizehn Prozent, die grüne Kandidatin Jill Stein und der progressive Princeton-Professor Cornel West kommen jeweils auf 2,2 Prozent.

Und sollte die gut finanzierte Organisation „No Labels“ im Frühjahr nach dem „Super Tuesday“ (5.3) eine attraktive Option im politischen Zentrum bieten, dürfte das weitere Stimmen binden. Spekuliert wird über den im republikanischen Vorwahlkampf chancenlosen ehemaligen Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, die Noch-Herausforderin Trumps Nikki Haley und den ehemalige Gouverneur von Utah, Jon Huntsman, auch er Republikaner. Aber: Niemand von ihnen hat angedeutet, für so eine Kandidatur zur Verfügung zu stehen. Es kann also auch sein, dass „No Labels“ am Ende ohne ernsthafte Kandidat:in dasteht. Für diesen Fall hat die Gruppe angekündigt, nicht ins Rennen zu gehen.

Doch selbst wenn nur ein Bruchteil der US-Bevölkerung seiner Unzufriedenheit mit der eigentlichen Alternative Ausdruck verleiht, reichte das, den Ausgang des Rennens zu beeinflussen. Zumal die US-Wahl 2024 praktisch 50 einzelne Wahlen in den Bundesstaaten sind.

Knapper Ausgang ist bei US-Wahlen die Norm

2000 entschieden 537 Stimmen in Florida über den Sieg von George W. Bush gegen Al Gore. Hätte Ralph Nader seinerzeit den Demokraten Gore unterstützt, wäre die Wahl wohl anders ausgegangen. 2016 profilierte sich Stein als Spielverderberin, als sie USA-weit auf ein Prozent der Stimmen kam. In Michigan, Pennsylvania und Wisconsin kostete das Hillary Clinton rechnerisch genug Stimmen, um Trump zu schlagen.

Tatsächlich ist der knappe Ausgang von Präsidentschaftswahlen in den USA über die vergangenen drei Jahrzehnte zur Norm geworden. Joe Biden und Donald Trump trennten 2020 kombiniert nur ganze 44 000 Stimmen in den Staaten Georgia, Arizona und Wisconsin. Analyst:innen halten es für ziemlich gewagt, zum jetzigen Zeitpunkt Prognosen über den Ausgang der Wahl im November zu treffen. Weitere Kandidat:innen erhöhen die Ungewissheit noch.

Robert F. Kennedy Jr., in Ungnade gefallener Spross der berühmtesten Familie der US-amerikanischen Politikgeschichte, wird wohl nicht Präsident werden, könnte die Wahl aber mitentscheiden.

Die Demokraten sind in jedem Fall nervös: „Wir müssen an jedem Tag bis zu den Wahlen die Alarmglocken aufschrillen lassen“, sagt die Strategin Lis Smith zu der Gefahr, die von unabhängigen Kandidierenden ausgeht. Die Demokratische Partei (DNC) heuerte Smith an, Gegenkonzepte zu entwickeln. Daran arbeitet auch ihr Kollege Jim Kessler, der warnt, „diese Spielverderber-Kandidat:innen dritter Parteien sind die entscheidende Zutat für einen Trump-Sieg.“

„No Labels“ weist diesen Vorwurf zurück. „Wir verderben gar nichts“, sagt der ehemalige Gouverneur von Missouri, Jay Nixon, der Teil der Organisation ist. Verantwortlich für das Vakuum seien die unbeliebten Kandidaten, die es erzeugt hätten. „No Labels“ mache seine Entscheidung allein davon abhängig, ob es für ihre Nominierten einen realistischen Weg ins Weiße Haus gebe.

Historische Beispiele erfolgreicher Kandidaturen von Unabhängigen gibt es in den USA indes keine. Am weitesten kam der texanische Geschäftsmann Ross Perot, der 1992 fast 19 Prozent der Stimmen holte. Am Ende sicherte er damit Bill Clinton die Wahl ins Weiße Haus.

US-Wahl 2024: Fehlende Zustimmung für Biden

Offen ist zwar auch, ob Kennedy mit seiner Impf-Gegnerschaft und Nähe zu Verschwörungstheorien wirklich Biden mehr Stimmen kostet als Trump. Viele Analysten glauben, dass auch „No Labels“ in diesem Jahr die kleinere Gefahr für Biden ist. Problematischer sei die Konkurrenz auf der Linken, die dem Präsidenten wegen seiner Haltung in Gaza bei jungen, schwarzen und muslimischen Wähler:innen Stimmen abnehmen könnte – wobei fehlende Zustimmung für Biden, die dazu führt, dass Menschen gar nicht wählen, freilich ebenso folgenreich wie Drittstimmen ist.

Politico fragt provokant, wie oft Reden Bidens noch unterbrochen werden müssten, bevor er realisiert, dass ihm dies die Wahl kosten könnte. „Und wie viele Umfragen müssen Kennedy zweistellig in Swing States zeigen, bevor er sie ernst nimmt?“

Letzter Punkt ist angekommen. Was sich auch an der heftigen Reaktion auf das Kennedy-Video beim Superbowl ablesen lässt. Shrum zitierte einen anderen legendären Moment der US-Politikgeschichte: „Bobby, du bist kein John Kennedy. Du bist ein Trump-Verbündeter.“ Noch härter gingen seine vier Geschwister mit RFK Junior ins Gericht, als er im Oktober offiziell seine Kandidatur als Unabhängiger erklärt hatte. Ihr Bruder trage zwar den Namen des Vaters, „aber er teilt nicht dessen Werte, Vision und Urteilsvermögen.“

Ob das reicht, Wähler:innen davon abzubringen, ihn zu unterstützen, bleibt offen. „Das RFK-Jr.-Problem besteht nicht darin, dass er 18 Prozent bekommt“, erklärt ein Analyst die Ausgangslage. „Es geht darum, ob er drei, zwei oder ein Prozent bekommt.“ Jede Stimme könnte am Ende bei einer Wahl fehlen, die keine Entweder-oder-Entscheidung sein wird. Und Spielverderber gibt es im November mehr als genügend. (Thomas Spang)

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