US-Zölle: Donald Trump erzeugt mit umstrittenen Thesen Verwirrung
VonDayan Djajadisastra
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Am „Liberation Day“ gab Trump hohe Zölle bekannt und stützt sich auf ein historisches Beispiel. Jedoch scheint sein Verständnis der Geschichte dabei Lücken aufzuweisen.
Washington - US-Präsident Donald Trump hat den globalen Handelskonflikt weiter eskalieren lassen: Während Europa in die Nacht ging, verkündete er vor laufenden Kameras drastische Importzölle und erklärte den „Liberation Day“ – den „Tag der Befreiung“. Doch wem diese Maßnahme tatsächlich nützt, bleibt unklar.
Ab Samstag treten pauschale Einfuhrzölle von zehn Prozent auf sämtliche ausländischen Waren in Kraft. Ab dem 9. April folgt eine gestaffelte Regelung, bei der Länder mit einem hohen Handelsüberschuss gegenüber den USA stärker belastet werden. Ein Trump-Berater sprach von den „schlimmsten Übeltätern“, so die Deutsche Presse-Agentur (dpa).
Die Europäische Union reagierte prompt. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte Gegenmaßnahmen an, betonte aber gleichzeitig die Gesprächsbereitschaft. Zugleich versicherte sie, dass die EU ihre Unternehmen schützen und die wirtschaftlichen Auswirkungen genau beobachten werde.
Trump Rede: Scharfe Töne und zweifelhafte Aussagen im Handelsstreit
Trumps Rede im Rosengarten des Weißen Hauses war von seiner gewohnt scharfen Rhetorik geprägt. Er warf internationalen Handelspartnern vor, die USA über Jahrzehnte hinweg „ausgeplündert“ zu haben. Konkrete Beweise für seine Vorwürfe lieferte er nicht, dafür griff er auf umstrittene historische Vergleiche zurück.
So behauptete er, dass die Große Depression durch Zölle hätte verhindert werden können. Diese Wirtschaftskrise, die 1929 mit dem Börsencrash begann, führte zu Massenarbeitslosigkeit, Bankenzusammenbrüchen und Fabrikschließungen.
Trump stellte die These auf, dass der wirtschaftliche Niedergang der USA bereits 1913 mit der Einführung der Einkommenssteuer begann. „1913 wurde aus unerklärlichen Gründen die Einkommenssteuer eingeführt, sodass nicht mehr fremde Staaten, sondern unsere eigenen Bürger die Regierung finanzieren mussten“, sagte er. Schließlich sei die Weltwirtschaft 1929 eingebrochen – etwas, das durch eine protektionistische Zollpolitik seiner Ansicht nach hätte verhindert werden können.
Donald Trump offenbart Lücken im Geschichtswissen
Die historischen Fakten sprechen jedoch eine andere Sprache. Der Smoot-Hawley Tariff Act von 1930, der die Zölle massiv anhob, verschärfte die Krise und führte zu internationalen Vergeltungsmaßnahmen, die den Welthandel einbrechen ließen. Auch die britische Zeitung The Independent verweist darauf, dass diese Politik die wirtschaftliche Abwärtsspirale der 1930er Jahre verstärkte.
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Trump Zölle ernten viel Spott und Kritik in den sozialen Netzwerken
Trumps Aussagen sorgten in den sozialen Medien für Spott und scharfe Kritik. Besonders auf X (ehemals Twitter) wurde seine historische Fehlinterpretation auseinandergenommen. Ein Nutzer postete eine Szene aus dem Film Ferris Bueller’s Day Off, in der ein Lehrer das Smoot-Hawley-Gesetz erklärt – genau jenes Gesetz, das 1930 zur Verschärfung der Krise beitrug.
Trumps Liberation Day kommt nicht bei allen gut an
John Poulson, ein weiterer Nutzer, stellte klar: „Trump behauptet, dass fehlende Zölle die Große Depression verursacht hätten. Tatsächlich verhängten die USA 1930 höhere Zölle, die den Handel abwürgten und die Krise verschlimmerten.“ Der Satz MakeEveryonePoorAgain machte daraufhin auf X die Runde.
Auch Experten meldeten sich zu Wort. Der ehemalige US-Arbeitsminister Robert Reich veröffentlichte ein Video, in dem er erklärte, dass Trumps Zollpolitik vor allem den Wohlhabenden zugutekomme und eine massive Umverteilung zulasten der arbeitenden Bevölkerung darstelle.
Donald Trump: Europäische Mehrwertsteuer ist Teil seiner Zoll-Rede
Neben den Zöllen kritisierte Trump auch die europäische Mehrwertsteuer, die er als ungerechte Handelsbarriere für US-Produkte bezeichnete. Doch diese Argumentation ist irreführend: Die Mehrwertsteuer gilt in der EU für alle Waren gleichermaßen – unabhängig von ihrem Ursprungsland.
Mit seinen drastischen Maßnahmen setzt Trump den globalen Handel unter Druck und riskiert eine weitere Eskalation. Die EU und andere betroffene Länder bereiten bereits Gegenmaßnahmen vor. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Handelsstreit weiterentwickelt.