VonNail Akkoyunschließen
Die Kämpfe im Nord-Kosovo eskalieren, die Nato schickt zusätzliche Streitkräfte. Laut der kosovarischen Regierung würden serbische Truppen weiter vorrücken.
Update vom 1. Oktober, 7.49 Uhr: Die Warnungen an Serbien zeigen Wirkung: Das Land hat offenbar einen Teil seiner Truppen von der Grenze zum Kosovo abgezogen. Der serbische Präsident Aleksandar Vučić gab bekannt, dass er das angeordnet habe. Er sagte zur Financial Times weiter, dass jede militärische Aktion kontraproduktiv wäre und fügte hinzu: „Serbien will keinen Krieg.“
Ein kosovarischer Regierungsbeamter bestätigte der BBC den Teilrückzug. Die USA hatten laut dem Bericht Vučić zuvor gewarnt, dass ihm Strafmaßnahmen drohten. Das Weiße Haus hatte die Truppenaufstockung als „beispiellos“ bezeichnet.
Auswärtiges Amt ruft Serbien im Kosovo-Konflikt zur Deeskalation auf
Update vom 30. September, 22.00 Uhr: Angesichts der jüngsten Spannungen im Kosovo-Konflikt hat das Auswärtige Amt die serbische Regierung in Belgrad zur Deeskalation aufgerufen. Zwischen Serbien und dem Kosovo dürfe es keine weitere Eskalation geben, schrieb das Auswärtige Amt auf der Internetplattform X (ehemals Twitter). „Wichtig, dass Serbien unverzüglich Truppen an der Grenze reduziert.“ Berlin stehe mit seinen Partnern „in intensivem Kontakt“ mit allen Seiten. Der politische Prozess müsse „dringend“ fortgesetzt werden.
Kosovo schlägt Alarm: Serbische Armee rückt „aus drei verschiedenen Richtungen vor“
Der Konflikt zwischen Serbien und dem Kosovo nimmt indes bedrohliche Ausmaße an. Pristina warf Belgrad vor, mit Militär in Richtung des Kosovos vorgerückt zu sein – und zwar „aus drei verschiedenen Richtungen“. Das geht aus einer Mitteilung der kosovarischen Regierung hervor, die auch der Deutschen Presse-Agentur per E-Mail vorliegt.
Zwischen #Serbien & #Kosovo darf es keine weitere Eskalation geben. Wichtig, dass Serbien unverzüglich Truppen an der Grenze reduziert. Gemeinsam mit unseren Partnern stehen wir in intensivem Kontakt mit allen Seiten. Der politische Prozess muss dringend fortgesetzt werden.
— Auswärtiges Amt (@AuswaertigesAmt) September 30, 2023
Das Vorrücken diene „einer möglichen militärischen Aggression gegen die Republik Kosovo“. Einheiten der Zweiten Brigade der serbischen Armee seien aus Richtung Raska in Richtung der Nordgrenze Kosovos gezogen, Einheiten der Dritten Brigade aus der Region Nis in Richtung der nordöstlichen Grenze und Einheiten der Vierten Brigade aus der Region Vranje in Richtung der Ostgrenze, schrieb die Regierung in Pristina weiter.
Serbien habe Militär und Polizei in 48 vorgeschobene Operationsbasen entlang der Grenze zum Kosovo geschickt, im serbischen Hoheitsgebiet, einige Kilometer von der kosovarischen Grenze entfernt. Dabei habe Serbien Flugabwehrsysteme und schwere Artillerie in Stellung gebracht. Kosovo sei in Abstimmung mit internationalen Partnern „entschlossener denn je, die territoriale Integrität zu schützen“, hieß es in der Erklärung der Regierung.
USA sind wegen Kosovo-Konflikt alarmiert: „Stationierung von fortgeschrittener serbischer Artillerie“
Update vom 30. September, 11.30 Uhr: Die US-Regierung beobachte eine „beispielloses“ Aufgebot serbischer Truppen an der Grenze zum Kosovo. Das sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats, John Kirby, in Washington. Es handele sich um „eine noch nie dagewesene Stationierung von fortgeschrittener serbischer Artillerie, Panzern und mechanisierten Infanterieeinheiten“. Das berichtete die Deutsche Presse-Agentur (dpa) am Samstag, 30. September. US-Außenminister Anthony Blinken habe den serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić in einem Telefonat aufgefordert, „sofort“ zur „Deeskalation und Dialog“ zurückzukehren.
Erstmeldung vom 30. September:
Brüssel/Pristina – Nach den schweren Kämpfen zwischen serbischen Paramilitärs und kosovarischen Polizisten im Nord-Kosovo verstärkt die Nato die von ihr geführte KFOR-Schutztruppe. Der Nordatlantikrat, das wichtigste Entscheidungsgremium der Organisation, genehmigte die Entsendung zusätzlicher Streitkräfte in das kleine Balkanland, wie das Bündnis am Freitag (29. September) in Brüssel mitteilte. Über die Zahl der zusätzlichen Soldaten machte es keine Angaben.
Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) könnte die Verstärkung von Großbritannien gestellt werden. Das Verteidigungsministerium in London hatte erst vor wenigen Monaten mitgeteilt, dass das Vereinigte Königreich noch bis mindestens 2026 einen „entscheidenden Beitrag“ zur Schutztruppe leisten wolle.
Spitzenpolitiker steckt angeblich hinter Überfall im Nord-Kosovo
Ein 30-köpfiger, schwer bewaffneter serbischer Kommandotrupp hatte am letzten Sonntag (24. September) in der Ortschaft Banjska bei Mitrovica Stellung bezogen und sich Kämpfe mit der kosovarischen Polizei geliefert. Dabei waren mindestens drei serbische Angreifer sowie ein kosovarischer Polizist getötet worden. Inzwischen hat sich der kosovo-serbische Spitzenpolitiker und Geschäftsmann Milan Radoicic zu dem Überfall im Nord-Kosovo vor fünf Tagen bekannt.
„Ich habe mich zu dieser Tat entschieden, weil alle bisher angewandten Widerstandsmethoden keine Verbesserung des Lebens des serbischen Volkes brachte“, schrieb Radoicic in einer Erklärung, die sein Anwalt am Freitag vor der Presse in Belgrad verlas. Zugleich teilte er darin mit, als Vize-Vorsitzender der Serbischen Liste, der Partei der Kosovo-Serben, zurückzutreten. Wo sich Radoicic derzeit aufhält, ist unbekannt.
Die Regierung in Pristina beschuldigt indes Belgrad, die Paramilitärs ausgebildet, ausgestattet, finanziert und ins Kosovo geschickt zu haben, um das Land zu destabilisieren. Die serbische Führung bestreitet die Vorwürfe.
Im Balkan stationierte Nato-Truppen: Auch deutsche Soldaten dabei
Das heute fast ausschließlich von Albanerinnen und Albanern bewohnte Kosovo hatte sich 1999 mit Nato-Hilfe von Serbien abgespalten und 2008 für unabhängig erklärt. Mehr als 100 Länder, darunter Deutschland, erkennen die Unabhängigkeit an. Die KFOR ist seit 1999 für die Gewährleistung der Sicherheit in dem Land zuständig.
Derzeit gehören ihr nach jüngsten Angaben etwa 4500 Soldaten aus insgesamt 27 Nato-Ländern und Partnerstaaten an. Deutschland nahm zuletzt mit rund 80 Soldaten am KFOR-Einsatz teil. Bereits im Mai hatte das Bündnis eine Aufstockung seiner Präsenz im Kosovo um 700 Mann beschlossen. Damit hatte es auf schwere Ausschreitungen serbischer Mobs gegen KFOR-Soldaten im Nord-Kosovo reagiert. Damals hatten 30 italienische und ungarische Soldaten sowie mehr als 50 Serben Verletzungen erlitten. (nak/dpa)

