US-Abtreibungsrecht

Pünktlich zum Weltfrauentag will Florida Abtreibungsrecht weiter einschränken

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In Florida soll das Recht auf Abtreibung eine weitere Einschränkung erfahren. Für die Präsidentschaftsambitionen von Gouverneur Ron DeSantis könnte das zum Problem werden.

Tallahassee – Bisher sind im US-Bundesstaat Florida Abtreibungen bis zur 15. Schwangerschaftswoche erlaubt. Das Gesetz, das Gouverneur Ron DeSantis im April 2022 unterzeichnete, verkürzte die ursprüngliche Frist von 24 Wochen und sieht Ausnahmen vor, sollte das Leben der Schwangeren in Gefahr sein oder der Fötus tödliche Anomalien aufweisen, nicht aber bei Vergewaltigung oder Inzest. Nun will das Parlament in Florida Schwangerschaftsabbrüche lediglich bis zur 6. Woche erlauben. Zu diesem Zeitpunkt wissen viele Frauen nicht einmal, dass sie schwanger sind.

Das aktuelle Gesetz, das Abtreibung bis zur 15. Schwangerschaftswoche zulässt, ist rechten Republikanern nicht restriktiv genug. Nachdem der Supreme Court, der Oberste Gerichtshof der USA, das Grundsatzurteil zum Abtreibungsrecht, Roe v. Wade, im Juni 2022 aufgehoben hat, haben inzwischen dreizehn US-Bundesstaaten Komplettverbote erlassen.

Demonstration für das Recht auf Abtreibung am 22. Januar 2023 in Tampa im US-Bundesstaat Florida

Rechtspopulist DeSantis versprach wiederholt, den „Pro-Life-Schutz“ zu erweitern. Erst kürzlich teilte er mit, er werde ein Gesetz, das Abtreibung bis zur 6. Woche zulässt, unterzeichnen. Derweil klagen Befürworter:innen des Abtreibungsrechts vor Gericht gegen das aktuelle Gesetz, das Schwangerschaftsabbrüche bis zur 15. Woche zulässt. Während des Gerichtsverfahrens bleibt das angegriffene Gesetz in Kraft.

Florida: Parlament will Abtreibungsrecht beschränken – Einwohner:innen sind dagegen

Der neue Gesetzentwurf in Florida, der die Abtreibungsfrist auf sechs Wochen verkürzen soll, sieht Ausnahmen bis zur 15. Schwangerschaftswoche für Frauen vor, die durch Vergewaltigung oder Inzest schwanger werden. Allerdings muss dies nachgewiesen werden, indem eine einstweilige Verfügung, ein Polizeibericht, eine Krankenakte oder „andere gerichtliche Beschlüsse oder Unterlagen“ vorgelegt werden – Anforderungen, die oft schwer zu erfüllen sind, insbesondere innerhalb kurzer Zeit.

Ausnahmen sieht der neue Gesetzentwurf auch vor, wenn das Leben der Schwangeren in Gefahr ist und, wenn vor dem dritten Trimester beim Fötus tödliche Anomalien festgestellt werden. In diesem Fall müssen zwei ärztliche Diagnosen schriftlich vorliegen. Der neue Gesetzentwurf würde außerdem Telemedizin-Dienste für Abtreibungen verbieten und vorschreiben, dass Abtreibungspillen nur von Ärztinnen und Ärzten ausgegeben werden dürfen. Sollten diese gegen das Gesetz verstoßen, drohen ihnen bis zu fünf Jahren Haft.

Weg frei für Trump: Haley steigt aus US-Vorwahlkampf aus

Donald Trump will wieder US-Präsident werden
Nun ist es raus: Donald Trump will 2024 erneut als US-Präsident antreten. Dann wird der Milliardär aus New York 78 Jahre alt sein. Trump hatte das Amt 2017 bis 2021 inne, verlor 2020 aber die Wahl und musste auf eine zweite Amtszeit verzichten. Die soll nun im dritten Anlauf gelingen. Trump wäre erst der zweite Präsident in der Geschichte der USA, dem ein solches Comeback gelingen würde. © Andrew Harnik/dpa
Nikki Haley tritt als US-Botschafterin bei der UN zurück und 2024 vielleicht noch einmal an
Nikki Haley war Trumps letzte verbliebene Rivalin. Doch am Ende zog auch sie sich aus dem parteiinternen Rennen um die US-Präsidentschaft zurück. Nach ihrer Serie von Niederlagen am Super Tuesday verkündete Haley ihren Ausstieg. Die ehemalige Gouverneurin des Bundesstaates South Carolinas wechselt ihre Haltung zu Donald Trump wie andere Leute die Kleidung. Als Botschafterin Trumps bei den Vereinten Nationen war sie enge Vertraute des Ex-Präsidenten, nach dem Sturm aufs Kapitol distanzierte sie sich. Dann sagte sie, sie werde nicht kandidieren, sollte Trump erneut antreten. Haley gilt als Establishment-Republikanerin, die für möglichst geringe Sozialausgaben, niedrige Steuern und eine aggressive Außenpolitik steht. © Evan Vuccid/dpa
Floridas Gouverneur Ron de Santis spricht nach dem Sieg bei den Midterms zu seiner Anhängerschaft
Als härtester Konkurrent für die Nominierung bei den Republikanern für die US-Wahl 2024 galt lange Ron DeSantis. Der Gouverneur Floridas feierte bei den Midterms einen klaren Sieg und wurde von der Wählerschaft im Amt bestätigt. Er galt als der Hoffnungsträger in der Partei. Das Rennen um die Präsidentschaftsnominierung hat er aber inzwischen aufgegeben. DeSantis hatte sich in der Vergangenheit als Trump-Fan inszeniert, geht mittlerweile aber auf Distanz zum Ex-Präsidenten. Hier zu sehen ist der Politiker mit seiner Frau Casey DeSantis und den drei gemeinsamen Kindern. © IMAGO/Luis Santana
Der erfahrene Politiker Asa Hutchinson tritt als Anti-Trump-Kandidat an
Er war bereits Staatsanwalt, Abgeordneter im Repräsentantenhaus, Behördenleiter der Anti-Drogenbehörde DEA und Gouverneur des Bundesstaates Arkansas. Jetzt wollte Asa Hutchinson 2024 republikanischer Präsidentschaftskandidat werden, doch nach der Vorwahl in Iowa zog er seine Kandidatur zurück. Hutchinson trat als Alternative zu Donald Trump an, denn seines Erachtens sollte dieser „nicht der nächste Anführer unseres Landes sein“. Hutchinson forderte Trump auf, seine Kandidatur aufgrund der Anklage gegen ihn in New York zurückzuziehen – eine Sicht, die die republikanische Wählerschaft nicht teilt. © SCOTT OLSON / AFP
Vivek Ramaswamy, Trump-Fan mit Anti-Woke-Agenda
Vivek Ramaswamy hatte Großes vor. Der 38-jährige, rechtslibertäre Tech-Unternehmer mit indischen Wurzeln wollte US-Präsident werden. Nach seinem enttäuschenden Abschneiden bei der Vorwahl in Iowa warf er aber das Handtuch und empfahl, Trump zu Wählen. Der Trump-Fan sieht die USA in einer „nationalen Identitätskrise“ und fordert eine „nationale Wiederbelebung“. Dazu will er z.B. das FBI und das Bildungsministerium abschaffen. Er wolle Trumps „America-First-Aganda auf die nächste Stufe bringen“.  © Anna Moneymaker / AFP
US-Wahl 2024: Ehemaliger Trump-Vertrauter Christie will ins Weiße Haus
Chris Christie hatte auch noch einmal Ambitionen auf das Weiße Haus angemeldet. Der frühere Gouverneur des US-Bundesstaats New Jersey war einst ein enger Vertrauter von Donald Trump, hat sich aber mittlerweile von ihm losgesagt und kritisiert ihn sogar öffentlich. So bezeichnete er den früheren Präsidenten wegen dessen Haltung zum Ukraine-Krieg als „Feigling“ und „Marionette“ des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Christie wollte 2016 schon einmal Präsidentschaftskandidat seiner Partei werden, zog nach schlechten Ergebnissen bei den Vorwahlen aber zurück. Diesmal gab er bereits vor den Vorwahlen der Republikaner auf. © Charles Krupa/dpa
Zu den krassen Außenseitern zählt auch Douglas James „Doug“ Burgum, der hier im Juli 2023 bei einer Veranstaltung in Iowa um Stimmen wirbt.
Zu den krassen Außenseitern zählte von Beginn an Douglas James „Doug“ Burgum, der hier im Juli 2023 bei einer Veranstaltung in Iowa um Stimmen wirbt. Der Republikaner, der am 4. Dezember aus dem Rennen ausstieg, ist seit dem 15. Dezember 2016 Gouverneur von North Dakota. Vor seiner politischen Karriere war er Softwareunternehmer, Microsoft-Manager und Risikokapitalgeber. Im April unterzeichnete Burgum ein Gesetz, das Abtreibungen in der sechsten Schwangerschaftswoche verbietet. Zudem hat er zahlreiche Gesetze unterzeichnet, die die Rechte von trans Menschen einschränken. © SCOTT OLSON/afp
Senator Tim Scott aus dem Bundesstaat South Carolina begreift seinen Aufstieg aus armen Verhältnissen als Verkörperung des amerikanischen Traumes. In einem im April veröffentlichten Video spricht er sich gegen eine Politik der Spaltung aus und fordert mehr Optimismus. Scott betont darin auch seine Religiosität und seinen Wunsch, die konservativen Werte Amerikas zu verteidigen. Als Beispiele nennt er etwa den Schutz der Grenzen und der Kampf gegen Abtreibung.
Tim Scott (blaues Hemd) hat sich aus dem Rennen um die Kandidatur verabschiedet. Am 12. November zog der Senator aus South Carolina seine Kandidatur zurück. In einem im April veröffentlichten Video sprach er sich gegen eine Politik der Spaltung aus und forderte mehr Optimismus. Scott betonte darin auch seine Religiosität und seinen Wunsch, die konservativen Werte Amerikas zu verteidigen. Als Beispiele nannte er etwa den Schutz der Grenzen und der Kampf gegen Abtreibung. Seinen Aufstieg aus armen Verhältnissen begreift Scott als Verkörperung des amerikanischen Traumes.  © ALLISON JOYCE
Mike Pence könnte 2024 bei der US-Wahl für das Amt des Präsidenten kandidieren.
Ausgestiegen ist auch Trumps ehemaliger Vizepräsident. „Dies ist nicht meine Zeit“, sagte Mike Pence am 28. Oktober 2023. Pence war in Umfragen weit abgeschlagen und hatte Medienberichten zufolge Probleme bei der Beschaffung von Geldern für seine Kampagne. „Wir wussten immer, dass dies ein harter Kampf sein würde, aber ich bereue nichts“, erklärte Pence. Mit kritischen Kommentaren nach den Midterms hatte sich der ultrakonservative Pence für einen möglichen Machtkampf innerhalb der Republikanischen Partei in Stellung gebracht. © IMAGO/Aimee Dilger
Larry Elder ist 2024 der erste schwarze Präsidentschaftskandidat bei den Republikanern
Am 26. Oktober zog sich Larry Elder zurück. Schon bei seinem ersten Versuch als Politiker war er gescheitert: 2021 versuchte der rechte Radiomoderator und Rechtsanwalt erfolglos, Kaliforniens demokratischen Gouverneur Gavin Newsom abzulösen. Elder vertritt rechtsradikale Ansichten, wie ein Abtreibungsverbot, glaubt, dass an Grenzen „Mauern funktionieren“, Antirassismus sowie Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion hingegen nicht. © SCOTT OLSON / AFP
Perry Johnson ist im Grunde der republikanische Antipolitiker im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur.
Am 20. Oktober zog sich auch Perry Johnson aus dem Wahlkampf zurück. Er war im Grunde der republikanische Antipolitiker im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur. Aufgefallen war der Unternehmer zuvor nur im Jahr 2022, als er für das Amt des Gouverneurs in Michigan kandidieren wollte. Wegen unsauberer Machenschaften wurde er allerdings von den republikanischen Vorwahlen vorzeitig ausgeschlossen. Johnson positionierte sich im Wahlkampf gegen Abtreibungen. Zudem kritisierte er die Höhe der Hilfsgelder, die die USA der Ukraine zur Verfügung stellen. Zugleich stellte Johnson aber klar, dass er Wladimir Putin nicht vertraue. © SCOTT OLSON/afp
Weitere Kandidaten im Kampf um die Bewerbung sind bisher Ryan Binkley, Will Hurd, Corey Stapleton und Francis Suarez.
Weitere Kandidaten im Kampf um die Bewerbung waren auch Will Hurd, Corey Stapleton und Francis Suarez. Auch sie haben ihre Kandidatur bereits wieder zurückgezogen. Im Rennen sind dagegen noch Ryan Binkley, John Anthony Castro und E. W. Jackson. Chancen auf eine Nominierung dürften sie allerdings kaum haben. Großer Favorit bleibt allen Anklagen und Prozessen zum Trotz weiter der frühere Präsident Donald Trump. Die Republikaner haben auf jeden Fall die Qual der Wahl. © ALLISON JOYCE/afp

Einschränkungen des Abtreibungsrechts kommen bei den Menschen in den USA nicht gut an und sorgten bereits bei den Midterm-Wahlen im November dafür, dass die Republikaner deutlich schlechter abschnitten, als prognostiziert. Zwar wollen republikanische Hardliner Abtreibung am liebsten im gesamten Land verbieten, doch einer aktuellen Umfrage zufolge wollen 64 Prozent der Menschen in den USA – und auch in Florida –, dass Abtreibung in den meisten oder allen Fällen erlaubt ist, während 34 Prozent wollen, dass dies in den meisten oder allen Fällen verboten ist.

Ron DeSantis: „Offen für einen verfassungsrechtlichen Lebensschutz“

Diesem Meinungsbild stünde DeSantis gegenüber, sollte er die republikanische Präsidentschaftsnominierung anstreben, wovon derzeit ausgegangen wird. Als DeSantis 2012 für den Kongress kandidierte, sagte er einer Lokalzeitung, er sei „offen für einen verfassungsrechtlichen Lebensschutz“.

Karine Jean-Pierre, die Pressesprecherin des Weißen Hauses, sagte gegenüber dem Miami Herald: „Politiker wie Gouverneur DeSantis treten für ‚Freiheit für alle‘ ein, während sie die Freiheit, eigene Gesundheitsentscheidungen zu treffen, direkt angreifen.“

Eine weitere Gegnerin des republikanischen Gesetzesentwurfs ist Fentrice Driskell, die Vorsitzende der Demokraten-Fraktion im Repräsentantenhaus des Parlaments von Florida. Gegenüber der New York Times teilte sie mit, der Gesetzentwurf würde „praktisch alle Abtreibungen unmöglich machen“. Er würde zudem „Menschen aus Louisiana, Mississippi, Alabama und anderen Bundesstaaten im Süden beeinträchtigen, die sich für Abtreibungen nach Florida begeben würden“. (Johanna Soll)

Rubriklistenbild: © Tampa Bay Times / Imago

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