Anschlag auf Trump

USA: Hintergründe zum Attentat auf Donald Trump

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Scharfschützen der Polizei erwidern das Feuer, nachdem Schüsse abgefeuert wurden, während der republikanische Präsidentschaftskandidat und ehemalige US-Präsident Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung in Butler, Pennsylvania, sprach.
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Einige Menschen im Publikum bemerken den Mann auf dem Dach und wollen die Polizei darauf hingewiesen haben.

Auf einem Farmgelände bei Butler, Pennsylvania, bringt am Samstag während einer republikanischen Wahlkampfveranstaltung ein junger Mann sich auf dem Flachdach eines nahgelegenen, wohl agrarindustriellen Komplexes in Stellung. Er legt auf die Bühne an, in deren Mitte Donald Trump an einem Pult steht.

Der auf dem Dach Liegende ist vom Boden her kaum zu sehen, doch geben einige aus dem Publikum später an, den Mann bemerkt und die Polizei darauf hingewiesen zu haben. Das ist bemerkenswert, da Trumps Fans in der Regel „Open carry“ vertreten, also das offene Tragen auch von kriegsmäßiger Bewaffnung, auch wenn das bei seinen Auftritten inzwischen verboten sein soll. Um eine Kriegswaffe handelt es sich bei dem Gewehr, dass der Täter benutzt: ein halbautomatisches Sturmgewehr aus der AR-15-Familie.

Dieser Waffentyp ist beliebt in den rechten Szenen in den USA. Das liegt weniger an seiner tödlichen Qualität (eine Kalaschnikow verschießt mehr Kugeln), als vielmehr am martialischen Image und der Historie: Die heutigen AR-15 basieren auf dem M16, der US-Standardwaffe im Vietnamkrieg; daraus wurde die derzeitige Standardwaffe der US-Streitkräfte, das M4, entwickelt.

AR-15 haben heute meist eine Picatinny-Schiene integriert, auf der Zusätze wie Zielfernrohre sicher arretiert werden können, scheint der Schütze ohne das geschossen zu haben. Das erklärt am ehesten, warum er den minutenlang am Pult stehenden Trump auch dann verfehlt, als der sein Gesicht in Richtung des Schützen dreht. Ob aus Unwissenheit, Nervosität oder Zeitdruck – der Schütze hat sein Gewehr offenbar nicht an Trumps feststehendem Rednerpult ausgerichtet, was die Treffsicherheit deutlich erhöht hätte. Die äußerst kurze Distanz – laut NBC bestenfalls 136 Meter – wäre jedenfalls für die auf bis 550 Meter effektiven AR-15 praktisch keine Distanz.

Der erste von sieben Schüssen (im TV-Video sind sie als halblautes Knacken zu identifizieren, was auf einen Schalldämpfer hindeuten könnte) streift jedenfalls nur Trumps rechtes Ohr. Da Ohren sehr gut durchblutet sind, sieht das Blut auf Trumps Wange gleich nach viel mehr aus.

Nach dem ersten Schuss fallen die nächsten in schneller Folge, zehn Sekunden dauert das. Dann folgen zehn Sekunden Pause, bis ein letzter Schuss fällt. Ob dies die Gegenwehr eines Scharfschützen der Polizei vom Dach einer Halle hinter der Bühne beinhaltet, ist unklar. Der ist dort postiert sein, weil das Flachdach abseits der Bühne den einzigen möglichen Platz für einen gezielten Angriff darstellt. Trump wird sofort von der Bühne eskortiert. Der Schütze ist da schon tot – ebenso ein Anhänger Trumps, und zwei weitere sind schwer verletzt.

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