- VonLisa Schmedemannschließen
Ob die iranischen Atomanlagen ein gutes Ziel für Israels Gegenschlag abgeben, stellen verschiedene Experten infrage.
Tel Aviv – Den Angriff des Irans auf Israel sehen manche Experten als Chance, das iranische Atomprogramm anzugreifen. Der Iran betreibt mehrere Zentrifugen, in dem Uran angereichert wird. Gegenüber dem Spiegel wies John Bolton, der ehemalige nationale Sicherheitsbeauftragte der USA, auf diese „Gelegenheit“ hin: „Dabei mitzumischen, liegt in Amerikas Interesse“. Doch bislang seien das keine konkreten Pläne, sondern theoretische Überlegungen.
Experten zufolge stehe das Mullah-Regime kurz vor einer Entwicklung einer Atombombe. Im Spiegel sagt der Militärexperte Fabian Hinz vom Forschungsinstitut International Institute for Strategic Studies (IISS): „Irans Strategie war bisher immer, Uran sehr hoch anzureichern, aber dies unter einem zivilen Deckmantel zu tun.“ Im Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde ist zu lesen, dass in den unterirdischen Anlagen allein seit vergangenen Oktober 23,5 Kilogramm von bis zu 60 Prozent angereichertem Uran hergestellt worden sein sollen.
Iran hält sich nicht mehr an Atombombenabkommen
Dass die islamische Republik Uran anreichert, ist seit 2003 bekannt. Durch das sogenannte Atomabkommen, berichtet das ZDF, wurden die Vorhaben zwar ausgebremst. Aber seitdem die USA aus dem Abkommen ausgestiegen ist, hält der Iran nicht mehr an die Abmachungen. Laut der Washington Post verfüge das Land über genug radioaktives Material für mindestens drei Atombomben. Eine erste könnte das Regime innerhalb weniger Monate bauen.
Wäre es dann sinnvoll, die Standorte der Uranlager zu attackieren? „Ein begrenzter Schlag würde das Programm vielleicht zurückwerfen, aber nicht zerstören“, sagt Hinz dem Spiegel. Er befürchtet, dass sich der Iran dadurch nur motiviert fühlen könnte, ein militärisches Atomwaffenprogramm fertig zu stellen.
Israel wäre auf die Unterstützung der USA angewiesen
Die Bunker, in denen Uran angereichert wird, sind dezentral über das Land verteilt. Laut Hinz liegt die Atomanlage Fordo nahe der Stadt Ghom tief unter der Erde und ist streng bewacht. Beim ZDF ist zu lesen, dass die Anlage regelmäßig inspiziert würde, um sicherzustellen, dass dort keine Bombe gebaut würde. Ein Angriff auf die Anlage bliebe laut dem Militärexperten ohne großen Effekt, denn: „Er liegt so tief unter der Erde, dass er nur für bunkerbrechende Bomben der Amerikaner zu erreichen ist.“ Da die Israelis über keine Waffen verfügen, die den Bunker beschädigen könnten, wären sie auf die Hilfe der Amerikaner angewiesen – aber die seien wohl kaum davon zu überzeugen, bunkerbrechende Waffen und Kampfjets beizusteuern.
Bis der Iran aber eine erste Atombombe herstellen kann, bis dahin vergehe noch Zeit, sagt die Iran-Expertin Azadeh Zamirirad von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik gegenüber dem ZDF. Zwar gelte die islamische Republik inzwischen als nuklearer Schwellenstaat und besitze die nötige Technik für einen Bau, doch für eine Atombombe fehle es an weiteren Komponenten. So braucht der Iran laut Zamirirad etwa ein geeignetes Trägersystem und Atomtests. (liz)
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