Trilateraler Gipfel

Biden lädt zum historischem Gipfel gegen China nach Camp David

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US-Präsident Joe Biden und First Lady Jill Biden verlassen am 16. Juli 2023 die Marine One in Fort McNair in Washington, D.C., nachdem sie das Wochenende in Camp David verbracht haben.
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Die USA wollen ein Bündnis gegen China und Südkorea aus dem Boden stampfen. Dafür werden sogar aus alten Feinden neue Verbündete.

Washington DC - Wenn die Regierungsoberhäupter Japans, Südkorea und der USA am Freitag zusammenkommen, dürfte dies eine sicherheitspolitische Zäsur in Ostasien einläuten. Zwar gab es in den letzten 20 Jahren ein Dutzend solcher trilateraler Gipfel, doch fanden diese stets am Rande internationaler Konferenzen statt. Diesmal treffen sich Joe Biden, Yoon Suk Yeol und Fumio Kishida exklusiv in Camp David, dem traditionellen Sommersitz des US-Präsidenten. Dort werde man „einen neuen Meilenstein in der trilateralen Zusammenarbeit“ erreichen, sagte Präsident Yoon.

Die Notwendigkeit für die offen zur Schau gestellte Einigkeit der Bündnispartner hat im Wesentlichen zwei Gründe. Zum Einen ist die Bedrohung durch das nordkoreanische Militär deutlich gestiegen. Machthaber Kim Jong Un hatte kürzlich gleich zwei Interkontinentalraketen mit Feststoffantrieb getestet. Diese sind besonders gefährlich, weil sie in wenigen Minuten einsatzfähig sind und potenziell auch die amerikanische Westküste erreichen können. Gleichzeitig ist dieses Treffen eine direkte Reaktion auf die aufstrebende Weltmacht China, welche immer selbstbewusster die militärischen Muskeln rund um die Taiwan-Straße spielen lässt und auch das heimische Nukleararsenal in alarmierender Geschwindigkeit ausbaut.

Beschleunigt wurde die sicherheitspolitische Entwicklung nicht zuletzt durch den Ukraine-Krieg. Dieser hat in Ostasien zwar keine Zeitenwende, jedoch zumindest einen Wendepunkt ausgelöst. Die ideologischen Blöcke in der Region sind nämlich seither wieder deutlich enger aneinander gerückt: Nordkorea und Russland helfen sich mit Waffen und Munition aus, während Chinas Staatschef Xi Jinping im Gegenzug für billiges Öl seinem „alten Freund“ Wladimir Putin rhetorisch den Rücken stärkt.

Alte Wunden heilen langsam

Auf der anderen Seite haben erstmals die US-Verbündeten Japan und Südkorea zueinandergefunden. Noch vor wenigen Jahren galt eine Annäherung zwischen Seoul und Tokio als nahezu undenkbar. Denn die historischen Wunden Japans, die die koreanische Halbinsel in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kolonialisierten, zogen einen tiefen Riss zwischen den Staaten. Erst der erzkonservative Präsident Yoon Suk Yeol hatte in diesem Jahr mit einer Einigung über die Kompensation von koreanischen Zwangsarbeiter:innen den Weg für eine Annäherung freigemacht. Innenpolitisch ist die von oben verordnete Freundschaft überaus umstritten: Insbesondere die südkoreanische Linke wirft Yoon vor, den vermeintlichen Geschichtsrevisionismus Japans zu hofieren und die Opfer der historischen Verbrechen zu verhöhnen.

In China blickt die Parteiführung mit Argusaugen auf die trilaterale Allianz zwischen Seoul, Tokio und Washington. Peking lehne die Bildung unterschiedlicher Blöcke ab, hieß es. Staatschef Xi Jinping wirft den USA zudem nicht nur vor, den wirtschaftlichen Aufstieg der Volksrepublik China eindämmen zu wollen, sondern auch mit Hilfe seiner Verbündeten eine Art Nato in Ostasien zu etablieren.

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