Südgrenze der USA

US-Einwanderungspolitik: Macht Biden es besser als Trump?

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Donald Trumps Migrationspolitik war stramm rechts, Joe Biden gibt sich gemäßigter. Dennoch kommt es zu Trennungen von Eltern und Kindern an der US-Südgrenze.

Washington, D.C. – Unter dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump war dessen grausame Einwanderungspolitik oft ein Thema. Sein Amtsnachfolger Joe Biden wollte insbesondere an der Südgrenze der USA zu Mexiko alles besser und humaner machen. Ist es ihm gelungen? Nach rund zwei Jahren im Amt ergibt sich eine durchwachsene Bilanz der Migrationspolitik der Biden-Regierung.

Was als Erstes auffällt, ist der rhetorische Unterschied zwischen Biden und Trump, wenn es um Geflüchtete und Migrant:innen geht. Trump sprach oft von einer „Invasion“ und „Karawanen“ an der Grenze und bezeichnete das Asylsystem der USA als „lächerlich“ und „verrückt“. Er wollte die Einwanderung aus „Shithole“-Ländern untersagen und behauptete in seiner ersten Rede als Präsidentschaftskandidat über Menschen aus Mexiko: „Sie bringen Drogen, sie bringen Kriminalität, sie sind Vergewaltiger.“

Mario Perez, Migrant aus Kuba, hält seine Frau im Arm, während sie nach dem Grenzübertritt in die USA darauf warten, Asyl zu beantragen

Biden und dessen Regierung kommunizieren anders, nicht offen rassistisch und fremdenfeindlich. Gleich zu Anfang seiner Präsidentschaft erließ Biden mehrere Dekrete, um Trumps Anti-Einwanderungsmaßnahmen rückgängig zu machen. Doch als die Zahl der Menschen zunahm, die über die Südgrenze in die USA gelangen wollten, änderte Bidens Regierung ihren Ansatz. Aus Angst vor einem Wahlsieg der Republikaner bei den Midterms 2022 wurde die Einwanderungspolitik rechter.

Trump-Gesetz ist noch immer in Kraft

Zwar werden Kinder an der Grenze nicht mehr ihren Eltern entrissen und in käfigartige Lager gesperrt, doch auch unter Joe Biden kommt es zu Trennungen von Eltern und ihren Kindern an der Grenze. Nach wie vor ist Title 42 in Kraft, ein Gesetz, das die Abweisung von an der US-Grenze aufgegriffenen Migrant:innen wegen der Corona-Gefahr vorsieht. Trump hatte davon großzügig Gebrauch gemacht und der Supreme Court hat das Gesetz vorläufig aufrechterhalten.

US-Präsident Joe Biden

Weil unbegleitete Kinder von Title 42 ausgenommen sind, stehen Eltern oft vor der schwierigen Entscheidung, ihre Kinder allein über die Grenze zu schicken, selbst wenn dies eine Trennung auf unbestimmte Zeit bedeutet. Obwohl Bidens Regierung beteuert, das Gesetz außer Kraft setzen zu wollen, wurde Title 42 mehrmals unvermittelt ausgeweitet, um Menschen aus Venezuela, Nicaragua, Haiti und Kuba an der Grenze abzuweisen.

Joe Biden: „Erscheint nicht einfach an der Grenze“

Kürzlich kündigte die US-Regierung an, sie werde die Abschiebung im Eilverfahren verstärken, obwohl sie zuvor Trumps weitreichende Ausweitung dieser beschleunigten Ausweisung aufgehoben hatte. Gemäß der Praxis können Migrant:innen schnell in ihre Heimatländer zurückgeschickt werden, ohne ihren Fall zuvor gerichtlich überprüfen zu lassen. „Erscheint nicht einfach an der Grenze“, warnte Biden potenzielle Migrant:innen. „Bleibt, wo ihr seid und stellt von dort aus legal einen Antrag.“

118. US-Kongress: Wer sind die neuen linken Demokraten in D.C.?

John Fetterman, der Senator aus dem Swing State Pennsylvania, hat sich entgegen vieler Umfragen bei den Midterms klar gegen seinen republikanischen Gegner Mehmet Oz durchgesetzt. Dabei hatte er ein Handicap: einen Schlaganfall mehrere Monate zuvor, von dem er sich im Wahlkampf noch nicht erholt hatte. Trotzdem vertrauten ihm die Wähler:innen und er schnitt in seinem Bundesstaat besser ab als US-Präsident Joe Biden.
John Fetterman, der Senator aus dem Swing State Pennsylvania, hat sich entgegen vieler Umfragen bei den Midterms klar gegen seinen republikanischen Gegner Mehmet Oz durchgesetzt. Dabei hatte er ein Handicap: einen Schlaganfall mehrere Monate zuvor, von dem er sich im Wahlkampf noch nicht erholt hatte. Trotzdem vertrauten ihm die Wähler:innen und er schnitt in seinem Bundesstaat besser ab als US-Präsident Joe Biden. © Bastiaan Slabbers/Imago
Peter Welch vertritt zusammen mit Bernie Sanders den Bundesstaat Vermont im Senat. Ab 2007 vertrat er den kleinen Bundesstaat im Nordosten der USA im Repräsentantenhaus. Welch setzt sich für dieselben Themen ein, für die auch Sanders kämpft: Bezahlbare Bildung, bezahlbares Wohnen, Klima und Umwelt, Medicare for All – eine Krankenversicherung, Arbeitnehmer-, Abtreibungs- und LGBTQ-Rechte
Peter Welch vertritt zusammen mit Bernie Sanders den Bundesstaat Vermont im Senat. Ab 2007 vertrat er den kleinen Bundesstaat im Nordosten der USA im Repräsentantenhaus. Welch setzt sich für dieselben Themen ein, für die auch Sanders kämpft: bezahlbare Bildung, bezahlbares Wohnen, Klima und Umwelt, Medicare for All – eine Krankenversicherung, Arbeitnehmer-, Abtreibungs- und LGBTQ-Rechte. © AFP
Maxwell Alejandro Frost ist das jüngste Mitglied des US-Kongresses und das erste Mitglied der Generation Z, das in den Kongress gewählt wurde. Sein Wahlbezirk in Florida liegt teilweise in Orlando. Der ehemalige Aktivist für schärfere Schusswaffengesetze will sich im Repräsentantenhaus insbesondere für dieses Thema sowie für Klimapolitik, eine Gesundheits- und Strafjustizreform sowie für Pandemieprävention einsetzen. Frost möchte außerdem die Politik für junge Menschen zugänglicher machen.
Maxwell Alejandro Frost ist das jüngste Mitglied des US-Kongresses und das erste Mitglied der Generation Z, das in den Kongress gewählt wurde. Sein Wahlbezirk in Florida liegt teilweise in Orlando. Der ehemalige Aktivist für schärfere Schusswaffengesetze will sich im Repräsentantenhaus insbesondere für dieses Thema sowie für Klimapolitik, eine Gesundheits- und Strafjustizreform sowie für Pandemieprävention einsetzen. Frost möchte außerdem die Politik für junge Menschen zugänglicher machen. © Anna Moneymaker/AFP
Summe Lee vertritt im Repräsentantenhaus einen Wahlbezirk in Pennsylvania. In den Vorwahlen haben rechte Super PACs Millionen Dollar ausgegeben, um die linke Demokratin zu verhindern. Doch Lee setzte sich wie auch in den Midterm-Wahlen durch. Die ehemalige Lokalpolitikerin setzt sich insbesondere für gerechte Klimapolitik, eine gerechtere Wirtschaft inklusive Arbeitnehmer- und Gewerkschaftsrechten sowie für eine Strafjustizreform ein.
Summe Lee vertritt im Repräsentantenhaus einen Wahlbezirk in Pennsylvania. In den Vorwahlen haben rechte Super PACs Millionen Dollar ausgegeben, um die Wahl der linken Demokratin zu verhindern. Doch Lee setzte sich wie auch in den Midterm-Wahlen durch. Die ehemalige Lokalpolitikerin setzt sich insbesondere für gerechte Klimapolitik, eine gerechtere Wirtschaft inklusive Arbeitnehmer- und Gewerkschaftsrechten sowie für eine Strafjustizreform ein. © Archie Carpenter/Imago
Chris Deluzio vertritt einen Wahlbezirk des Bundesstaates Pennsylvania im Abgeordnetenhaus. Der Rechtsanwalt für Wählerrechte ist Irak-Kriegsveteran und arbeitete unter anderem für eine Stahlarbeitergewerkschaft. Seine wichtigsten Anliegen sind der Kampf für die Demokratie, das Wahlrecht, Gewerkschaftsrechte, das Recht auf Abtreibung, die Minderung der Macht von Unternehmen und keine ausgedehnten Kriege mit US-Beteiligung.
Chris Deluzio vertritt einen Wahlbezirk des Bundesstaates Pennsylvania im Abgeordnetenhaus. Der Rechtsanwalt für Wählerrechte ist Irak-Kriegsveteran und arbeitete unter anderem für eine Stahlarbeitergewerkschaft. Seine wichtigsten Anliegen sind der Kampf für die Demokratie, das Wahlrecht, Gewerkschaftsrechte, das Recht auf Abtreibung, die Minderung der Macht von Unternehmen und keine ausgedehnten Kriege mit US-Beteiligung. © Anna Moneymaker/AFP
Delia Ramirez aus dem Bundesstaat Illinois
Delia Ramirez’ Eltern sind aus Guatemala in die USA eingewandert. Sie vertritt einen Wahlbezirk aus dem Bundesstaat Illinois im Repräsentantenhaus. Davor war Ramirez bereits als Abgeordnete im Parlament von Illinois tätig und setzt sich insbesondere für Migrations-, Arbeitnehmer- und LGBTQ-Rechte ein. Außerdem plädiert sie für mehr soziale Absicherung und eine Reform der Parteien- und Wahlkampffinanzierung. © Anna Moneymaker/AFP
Jonathan Jackson ist der Sohn des bekannten US-Bürgerrechtsaktivisten, Jesse Jackson, und der Patensohn der bekannten US-Bürgerrechtsikone Martin Luther King. Der Unternehmer aus Chicago vertritt die überwiegend von Schwarzen bewohnte South Side im Repräsentantenhaus. Jackson möchte sich unter anderem für mehr unternehmerische Möglichkeiten für die schwarze US-Bevölkerung starkmachen, für bezahlbare Kinderbetreuung und den öffentlichen Nahverkehr.
Jonathan Jackson ist der Sohn des bekannten US-Bürgerrechtsaktivisten, Jesse Jackson, und der Patensohn der bekannten US-Bürgerrechtsikone Martin Luther King. Der Unternehmer aus Chicago vertritt die überwiegend von Schwarzen bewohnte South Side im Repräsentantenhaus. Jackson möchte sich unter anderem für mehr unternehmerische Möglichkeiten für die schwarze US-Bevölkerung starkmachen, für bezahlbare Kinderbetreuung und den öffentlichen Nahverkehr. © Jemal Countess/AFP
Texas ist Republikaner-Terrain? Nicht ganz Texas, denn immer mehr junge Menschen ziehen in die größeren Städte des Bundesstaates. Jasmine Crockett vertritt ihren Wahlkreis im Norden von Texas im Repräsentantenhaus. Die Rechtsanwältin für Bürgerrechte und Strafsachen und ehemalige Lokalpolitikerin will sich einsetzen für: Das Wahlrecht, eine Gesundheits-, Strafjustiz- und Einwanderungsreform. Außerdem tritt sie für eine bessere Besetzung der US-Gerichte ein.
Texas ist Republikaner-Terrain? Nicht ganz Texas, denn immer mehr junge Menschen ziehen in die größeren Städte des Bundesstaates. Jasmine Crockett vertritt ihren Wahlkreis im Norden von Texas im Repräsentantenhaus. Die Rechtsanwältin für Bürgerrechte und Strafsachen und ehemalige Lokalpolitikerin will sich einsetzen für: das Wahlrecht, eine Gesundheits-, Strafjustiz- und Einwanderungsreform. Außerdem tritt sie für eine bessere Besetzung der US-Gerichte ein. © Mandel Ngan/AFP
Greg Casar ist ein ehemaliges Mitglied des Stadtrates von Austin im Bundesstaat Texas. Jetzt vertritt der Sohn von Migrant:innen aus Mexiko seinen Wahlbezirk im Repräsentantenhaus. Er setzt sich unter anderem für den Green New Deal und dafür ein, das schlecht gewartete Stromnetz unter stärkere staatliche Kontrolle zu stellen. Er möchte außerdem, dass bezahlbarer Wohnraum ebenso wie eine Krankenversicherung zu einem Recht für alle werden.
Greg Casar ist ein ehemaliges Mitglied des Stadtrates von Austin im Bundesstaat Texas. Jetzt vertritt der Sohn von Migrant:innen aus Mexiko seinen Wahlbezirk im Repräsentantenhaus. Er setzt sich unter anderem für den Green New Deal und dafür ein, das schlecht gewartete Stromnetz unter stärkere staatliche Kontrolle zu stellen. Er möchte außerdem, dass bezahlbarer Wohnraum ebenso wie eine Krankenversicherung zu einem Recht für alle werden. © Montinique Monroe/AFP
Becca Balint ist die einzige Abgeordnete des kleinen Bundesstaates Vermont im Repräsentantenhaus. Die Lehrerin war als Lokalpolitikerin bereits Vorsitzende des Senats von Vermont. Neben der allgemeinen Krankenversicherung, Medicare For All, sind Balint die Themen psychische Gesundheit, die Regulierung der Pharmaindustrie, die Opioidsucht-Krise, öffentliche Bildungseinrichtungen und schärfere Schusswaffengesetze wichtig.
Becca Balint ist die einzige Abgeordnete des kleinen Bundesstaates Vermont im Repräsentantenhaus. Die Lehrerin war als Lokalpolitikerin bereits Vorsitzende des Senats von Vermont. Neben der allgemeinen Krankenversicherung Medicare For All, sind Balint die Themen psychische Gesundheit, die Regulierung der Pharmaindustrie, die Opioidsucht-Krise, öffentliche Bildungseinrichtungen und schärfere Schusswaffengesetze wichtig. © Nathan Howard/AFP

Für eine ähnliche Aufforderung hatte Vizepräsidentin Kamala Harris 2021 viel Kritik einstecken müssen. Bei ihrer ersten Auslandsreise sagte sie in Guatemala an die Menschen vor Ort gerichtet: „Kommt nicht!“ Auch Joe Biden wird für seine Einwanderungspolitik kritisiert – sowohl von links als auch von rechts. Den Rechten ist sie nicht restriktiv genug, die Linken halten sie für inhuman. Offenbar will Biden vor der US-Wahl 2024, bei der er nach aktuellem Stand erneut anzutreten gedenkt, zeigen, dass er nicht für „offene Grenzen“ steht – ein rechtes Narrativ, das die Republikaner stets über alle Demokraten verbreiten. (Johanna Soll)

Rubriklistenbild: © Gregory Bull/dpa

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