Unruhen in der Sahelzone

Bundeswehr in Bedrängnis: Putsch in Niger stürzt Afrika ins Chaos und spielt Putin in die Hände

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Ein Putschversuch in Niger war erfolgreich und destabilisiert die Sahelzone. Das gefährdet die Bundeswehr und westliche Bemühungen. Großer Profiteur könnte Putin sein.

Niamey – Schwerer Rückschlag in der Sahelzone: Mit einem Militärputsch in Niger gegen Präsident Mohamed Bazoum haben die europäischen Bemühungen um eine Stabilisierung in der Region einen schweren Rückschlag erlitten. Die Lage bleibt unübersichtlich, doch die Auswirkungen der Unruhen könnten auch über den afrikanischen Kontinent hinaus wirken – und unter anderem direkt die deutsche Bundeswehr betreffen. Das Problem: Ein Stützpunkt in Niger ist Drehkreuz für den Mali-Abzug. Das Chaos in der Region spielt derweil Russlands Präsidenten, Wladimir Putin, in die Hände, der mithilfe der Wagner-Gruppe schon langer in Afrika aktiv ist.

Putsch in Niger bedroht Bundeswehr: Präsident von Offizier:innen entmachtet

Nachdem Offiziere der Präsidentengarde den im Februar 2021 gewählten Bazoum am Mittwoch festgesetzt und für entmachtet erklärt hatten, stellte sich die Armee am Donnerstag auf die Seite der rebellierenden Militärs. International wird das Vorgehen beim Niger-Putsch scharf kritisiert. Unter anderem zeigte sich die deutsche Bundesregierung erschüttert: Etwa 100 Soldat:innen der Bundeswehr sind in dem westafrikanischen Land stationiert. Das Militär des Nigers warnte ausländische Staaten auch davor, militärisch einzugreifen. Dies könnte verheerende Folgen für das Land haben.

Bei Demos zur Unterstützung des Putsches in Niamey tauchten am Donnerstag russische Fahnen auf.

Während etwa UN-Generalsekretär António Guterres von den Putschist:innen in Niger die Freilassung von Präsident Mohamed Bazoum gefordert hat, zeichnet ein Experte nun ein düsteres Bild für die Zukunft der Bundeswehr in der Region. „Der Abzug der Bundeswehr aus Mali wird durch die neue Lage deutlich schwieriger“, sagte der Leiter des Sahel-Programms der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Auswirkung von Putsch: Niger ist wichtiger Partner von Deutschland

Die Hauptstadt Nigers ist das wichtigste Drehkreuz der Bundeswehr in der Region und essenziell für den Truppenabzug aus Mali. Doch im Zuge des Putsches würden aktuell alle Luftbewegungen in Niamey bis Anfang August eingestellt. Das berichtet unter anderem der Focus. Der Bundeswehrabzug aus Mali sieht eigentlich vor, dass Flugzeuge aus Gao über Niger geleitet werden sollen. Durch die aktuellen Entwicklungen in der Sahelzone müssen die Pläne wohl vorerst ausgesetzt werden.

„Es ist zu hoffen, dass die künftige Regierung in Niger weiterhin mit der Bundeswehr kooperiert“, sagte Laessing weiter. „Sonst wird der Zeitplan des Abzugs aus Mali bis Jahresende stark gefährdet sein. Das bringt die Bundeswehr in eine sehr komplizierte Lage.“ Der letzte Versorgungsflug nach Niamey war nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch gelandet. Auf dem Militärflugplatz steht auch noch ein deutscher Transporter vom Typ A400M.

Putschversuch wohl erfolgreich: Sahelzone durch Niger weiter unruhig

Der Niger war in den vergangenen Jahren ein wichtiger Partner westlicher Staaten. Nach mehreren Militärputschen in Mali und Burkina Faso war das westafrikanische Land das letzte in der Sahelzone, das demokratisch regiert wurde. Erst Ende 2022 hatte die EU eine Militärmission in Niger beschlossen, um den Terrorismus in der Region zu bekämpfen. Die EU hat insbesondere ein großes Interesse an der Lage in Niger: Das Land gilt als wichtigsten Transitländer für afrikanische Migrant:innen. „Niger war die letzte Hoffnung Deutschlands und anderer ausländischer Staaten, in der Region noch einen Kooperationspartner zu haben“, sagte Laessing zum Putsch in Niger.

Inwieweit künftig eine Zusammenarbeit möglich sein wird, ist ungewiss. Die Sorge: Andere Militärregierungen in der Region wie in Mali richteten sich nach Russland aus – das Gleiche könnte nun auch in Niamey passieren. Abseits des Ukraine-Kriegs tritt der Kreml seit Jahren auf dem afrikanischen Kontinent für seine Interessen ein. Auch die Wagner-Gruppe wurde immer wieder eingesetzt. Ein Machtvakuum in Niger würde Wladimir Putin daher in die Hände spielen und den Westen weiter in Bedrängnis bringen. Erste Zustimmung gibt es derweil schon. Bei Demonstrationen nach dem Putsch in Niger tauchten russische Flaggen auf und Menschen feierten den Präsidenten aus dem Kreml. (fbu mit dpa)

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