6. Januar 2021

Sturm auf das Kapitol: Rückblick nach zwei Jahren

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Am 6. Januar 2021 stürmten Trump-Aktivist:innen das Kapitol in Washington, D.C. Die Eskalation hatte sich bereits zuvor angedeutet.

Washington, D.C. – Am 6. Januar 2021 stürmten Anhänger:innen von Donald Trump das Kapitol in Washington, D.C. Im Sitz des US-Kongresses sollte an diesem Tag die Wahlniederlage des Ex-Präsidenten gegen den Demokraten Joe Biden beglaubigt werden.

Nach fast zwei Jahren hat zuletzt der eingesetzte Untersuchungsausschuss seinen Abschlussbericht veröffentlicht. In diesem empfiehlt der Ausschuss die strafrechtliche Verfolgung von Donald Trump in vier Anklagepunkten.

Sturm auf das Kapitol: Untersuchungsausschuss fordert Konsequenzen für Donald Trump

Trump selbst musste nicht vor dem Untersuchungsausschuss Rede und Antwort stehen. Der demokratisch geführte Untersuchungsausschuss hatte neben strafrechtlichen Konsequenzen auch einen Ausschluss des 76-Jährigen von weiteren Präsidentschaftswahlen gefordert.

Bereits am Samstag, dem 7. November 2020, stand nach der Auszählung der Stimmen im Bundesstaat Pennsylvania fest, dass Joe Biden als Sieger der 46. Präsidentschaftswahlen hervorgeht.

Sturm auf das Kapitol: Die vorhersehbare Gewalt der Trump-Anhänger. (Archivbild)

Gewalt in Washington: Es gab mehrere Warnungen vor dem Sturm auf das Kapitol

Bereits vor dem Sturm auf das Kapitol am 6. Januar verdichteten sich die Anzeichen für einen rechten Putschversuch in den USA. „Wir sind auf dem Weg zu einem rechten Putsch“, sagte Anfang November (2020) die damalige CIA-Chefin Gina Haspel.

Während Trump immer wieder versuchte, die Wahlen als ungültig darzustellen, entließ er immer wieder Personen, die diese Auffassung nicht teilten. Am 18. November entließ der scheidende Präsident beispielsweise Chris Krebs, den er zuvor als Leiter für Cybersicherheit eingesetzt hatte. Krebs hatte vor seiner Kündigung über Twitter bekannt gegeben, dass die Wahlen im Jahr 2020 die sichersten in der Geschichte der USA gewesen seien.

Trump heizt Fans an: Mit Fake-News zum Kapitol-Sturm

Während Trump sich in dieser Zeit alle Mühe gab den Anschein von massivem Wahlbetrug aufrechtzuerhalten, gab es dafür keinerlei Beweise. „Wir haben keinen Betrug in einem Ausmaß gesehen, der ein anderes Ergebnis der Wahl hätte bewirken können“, stellte der Generalstaatsanwalt William Barr am 1. Dezember 2020 gegenüber der Nachrichtenagentur AP fest.

Trotz fehlender Beweise und der bereits verlorenen Wahl führte Trump seine Hetzkampagne weiter und weigerte sich, seine Niederlage anzuerkennen. In einem Video vom 22. Dezember 2020 behauptete er auf Twitter, dass „die Manipulation der Wahlen 2020 nur der letzte Schritt in den jahrelangen Bemühungen der Demokraten und der Medien war, den Willen des amerikanischen Volkes zu stürzen“.

6. Januar 2021 - der Sturm aufs Kapitol in Bildern

Donald Trump bei seiner Rede am 6. Januar 2021 in Washington DC
Alles begann mit einer Rede von Donald Trump. Der noch amtierende Präsident hatte seine Anhängerinnen und Anhänger nach Washington DC gerufen, um dort gegennnnnnn die Wahl von Joe Biden zum US-Präsidenten zu demonstrieren. Der hatte die Wahl im November gewonnen, am 6. Januar sollten dann die Wahlmänner der Bundesstaaten Bidens Sieg in Washington DC bestätigen. Eigentlich ein formaler, zeremonieller Akt. In Trumps Wahrnehmung aber wohl die letzte Chance, die Niederlage gegen Biden noch zu verhindern. Seine tausenden Zuhörer forderte Trump auf, „gemeinsam zu Kapitol“ gehen um „unser Land zurückzuerobern“. © Brendan Smialowski/afp
Tausende Menschen finden sich am 6. Januar auf den Stufen des Kapitols in Washington DC ein
Der Mob aus MAGA-Fans gehorchte Donald Trump und zog in Richtung Kapitol. Gegen 12 Uhr Ortszeit fanden sich tausende Menschen auf den Stufen zu den Parlamentsgebäuden ein. Viele trugen Camouflage-Kleidung und Gasmasken. Trump-Flaggen und Devotionalen waren überall zu sehen. Entgegen seiner Ankündigung war der abgewählte US-Präsident aber nirgends zu sehen. Das Sicherheitspersonal, bestehend aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Secret Service, soll Trump eine Teilnahme an der Demonstration verboten haben. © Roberto Schmidt/afp
Ein Galgen, wohl für Mike Pence, ist vor den Stufen des Kapitols in Washington DC am 6. Januar zu sehen.
Donald Trumps Getreue hatten es aber nicht nur auf die Demokraten und Joe Biden abgesehen. Auch Mike Pence geriet ins Visier des Mobs. Trump hatte in den Tagen zuvor von seinem Vizepräsidenten gefordert, die Wahl von Biden nicht zu ratifizieren – eine formale Aufgabe, die im politischen System der USA dem Vize zufällt. Pence weigerte sich, was Trumps Fans zu dem Schlachtruf „Hang Mike Pence“ (Hängt Mike Pence“) inspirierte. Ihre Forderung unterstrich der Mob mit selbstgebastelten Galgen vor dem Kapitol. © Andrew Caballero-Reynolds/afp
Der Maga-Mob prügelt sich am 6. Januar vor dem Kapitol in Washington DC mit der Polizei
Vor dem Kapitol traf der Mob auf hoffnungslos unterbesetzte Sicherheitskräfte. Die Polizei war machtlos und konnte die Barrikaden vor dem Kapitol nicht lange halten. Gegen 12.30 durchbrach der wütende Mob schließlich die Absperrungen. Zwei Stunden hatte die Polizei endgültig aufgegeben und die Trump-Fans verschafften sich Zugang zu den Parlamentsgebäuden. © Joseph Prezioso/afp
Mike Pence und Nancy Pelosi im Kapitol in Washington DC am 6. Januar
Während draußen die Schlacht zwischen MAGA-Fans und Kapitolspolizei tobte, lief im US-Senat die Sitzung, in der Joe Biden endgültig zum Präsidenten erklärt werden sollte. Kurz nachdem der Mob sich Zugang zu den Gebäuden verschafft hatte, unterbrachen Vizepräsident Mike Pence und Nancy Pelosi, Sprecherin des Repräsentantenhauses, die Sitzung. Der Plenarsaal wurde von den Sicherheitskräften evakuiert. © Erin Schaff/afp
Anhänger von Donald Trump in den Gebäuden des Parlaments auf dem Kapitol in Washington DC am 6. Januar
Im Kapitol begannen die Anhänger Donald Trumps in den heiligen Hallen der amerikanischen Demokratie zu randalieren. Zahlreiche Kunstwerke wurden zerstört, die Wände mit Exkrementen beschmiert und ein Rednerpult gestohlen, das kurz darauf auf Ebay zum Verkauf angeboten wurde. Währenddessen verbarrikadierten sich Abgeordnete, die nicht rechtzeitig evakuiert werden konnten, in einzelnen Räumen des Kapitols. © Roberto Schmidt/afp
Richard Barnett im Büro von Nancy Pelosi beim Sturm aufs Kapitol am 6. Januar in Washington DC in den USA
Die Anhänger von Donald Trump hatten es besonders auf das Büro von Nancy Pelosi abgesehen. Richard Barnett war unter denen, die sich Zugang zu den Räumen der Sprecherin des US-Repräsentantenhauses verschaffte. Dort machte Barnett Fotos von sich im Stuhl Pelosis, veröffentlichte diese auf Facebook und schrieb Pelosi beleidigende Nachrichten auf den Schreibtisch. Kurze Zeit nach dem Sturm aufs Kapitol wurde Barnett verhaftet. © Saul Loeb/afp
Jake Angeli, der QAnon Schamane beim Sturm aufs Kapitol in Washington DC am 6. Januar
Zweifelhafte Berühmtheit erlangte am 6. Januar 2021 auch Jake Angeli. Der sogenannte „QAnon-Schamane“ beteiligte sich in Kriegsbemalung und mit Fellmütze inklusive Hörnern am Sturm aufs Kapitol. Tage später wurde Angeli festgenommen und des vorsätzlichen Betretens oder Verbleibs in gesperrten Gebäuden oder Geländen ohne rechtmäßige Befugnis sowie des gewaltsamen Betretens und des ordnungswidrigen Verhaltens auf dem Gelände des Kapitols angeklagt. Die Fahndung sei aufgrund der „einzigartigen Kleidung und den umfangreichen Tätowierungen auf seinem Oberkörper“ leicht gefallen, gaben die Behörden im Anschluss an. © Saul Loeb/afp
Anhänger Donald Trumps beim Sturm aufs Kapitol am 6. Januar in den Gebäden des Parlaments in Washington DC.
Überall in den Gebäuden tummelten sich stundenlang die Anhänger Donald Trumps. Der abgewählte US-Präsident zögerte, die Nationalgarde zur Unterstützung der Kapitolpolizei zu entsenden und weigerte sich zunächst, den Mob per Videobotschaft zur Ruhe zu bringen. Erst vier Stunden, nachdem die Türen des Kapitols eingeschlagen worden waren, wandte sich der noch amtierende Präsident an die Demonstranten. Nur halbherzig verurteilte er die Gewalt des Tages und lobte die Randalierer noch als „große Patrioten“. © Saul Loeb/afp
Nationalgardist im Einsatz beim Sturm aufs Kapitol am 6. Januar in Washington DC
Erst gegen 16.30 Uhr, also zweieinhalb Stunden, nachdem das Kapitol gestürmt worden war, wurde die Nationalgarde geschickt. Wer diesen Einsatz, den die Kapitolpolizei zwei Stunden zuvor bereits beantragt hatte, letztlich genehmigt hat, ist nicht bekannt. Laut offizieller Anrufliste hat Donald Trump von 11 Uhr bis 18 Uhr kein einziges Telefonat geführt. Die Theorie liegt nahe, dass Mike Pence letztlich den Einsatz der Nationalgarde in die Wege geleitet hatte. Den Sicherheitskräften gelang es gegen 17.30 Uhr, den Mob aus den Parlamentsgebäuden im Kapitol zu drängen. © Olivier Douliery/afp
Anhänger von Donald Trump beim Sturm aufs Kapitol in Washington DC am 6. Januar
Die Bilanz des Kapitolsturms am 6. Januar in Washington DC fällt verheerend aus. Insgesamt kamen zehn Menschen ums Leben, fünf davon Polizisten. Vier dieser Männer begangen in den Tagen nach dem Sturm Suizid. 140 weitere Sicherheitsbeamte und unzählige Demonstranten wurden verletzt. Bis heute laufen Gerichtsverfahren gegen Beteiligte des Aufstands. Doch für Donald Trump ändert das alles nichts. Bis heute hat er seine Wahlniederlage nicht akzeptiert und lässt seit dem 6. Januar keine Gelegenheit aus, den Beinahe-Sturz der Demokratie in den USA kleinzureden. © Samuel Corum/afp

Sturm auf das Kapitol: Sicherheitsbehörden waren sich der Gefahr bewusst

Gegen Ende des Wahljahres 2020 wurde der Ton des scheidenden Präsidenten immer rauer. Am zweiten Weihnachtstag zog er auf Twitter über die Justizorgane der USA her, da diese nichts gegen die angeblichen „Wahlverbrechen“ getan hätten.

In diesem Atemzug rief er mit den Worten „Die Geschichte wird sich erinnern“ dazu auf, am 6. Januar nach Washington, D.C. zu kommen. Dem Secret Service lagen ungefähr im selben Zeitraum bereits Informationen vor, dass die Proud Boys und andere militante Gruppen einen bewaffneten Angriff auf das Kapitol planten, wie der Ermittlungsausschuss mitteilte.

Eskalation in Washington: Gegen 13 Uhr wird die erste Absperrung überrannt

Am 4. Januar 2021 warnte der nationale Sicherheitsberater Robert O‘Brien ebenfalls vor Gewalt am 6. Januar. Trotz der zahlreichen und konkreten Warnungen wurde die Genehmigung für die Protestaktion am Kapitolgebäude nicht widerrufen.

Die Warnungen sollten sich am Tag der formalen Bestätigung des US-Präsidenten Joe Biden dann auch bewahrheiten. Bei der Kundgebung in der Nähe des Weißen Hauses propagierte Donald Trump erneut seine kontrafaktische Darstellung von Wahlbetrug. Um 13 Uhr überrannten gewaltbereiten Demonstrantinnen und Demonstranten die erste Polizeiabsperrung am Kapitol, wie das National Public Radio (npr) berichtet. Kurz nach 14 Uhr drangen dann die ersten Demonstranten in das Gebäude ein. Bei den Ausschreitungen kam es zu fünf Todesopfern. In der Folge wurde ein erneutes Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump eingeleitet.

Joe Biden wird US-Präsident: Zum Jahrestag kündigt er eine Gedenkveranstaltung an

Der Polizeieinsatz am Kapitol kostete 480 Millionen US-Dollar, bei dem Angriff wurden mehr als 150 Polizeibeamte verletzt. In den frühen Morgenstunden am Tag nach dem Sturm auf das Kapitol (7. Januar), wurde Joe Biden um 3.42 Uhr offiziell der Sieg bei den Präsidentschaftswahlen zugesprochen.

„Die Bekanntgabe des Standes der Abstimmung durch den Präsidenten des Senats gilt als ausreichende Erklärung der zum Präsidenten und Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten gewählten Personen“, sagte Vizepräsident Mike Pence damals wörtlich. Zum zweiten Jahrestag kündigt Joe Biden eine Gedenkveranstaltung an. (Lucas Maier)

Rubriklistenbild: © Essdras M. Suarez/dpa

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