VonKlaus Ehringfeldschließen
Venezuelas Opposition wechselt im letzten Moment ihre Spitzenfrau für die kommende Wahl aus: Corina Yoris ist nun offiziell Hoffnungsträgerin gegen Machthaber Maduro.
Die venezolanische Opposition hat im letzten Moment noch einmal ihre Kandidatin gewechselt, mit der sie Machthaber Nicolás Maduro bei der Präsidentenwahl Ende Juli herausfordern will. Die bisherige Bewerberin María Corina Machado überließ am Wochenende ihren Platz der 80-jährigen Hochschullehrerin Corina Yoris, die als Politikerin bisher kaum in Erscheinung getreten ist.
Die Chancen auf einen Wahlsieg der Opposition bei der Abstimmung am 28. Juli – wenn sie denn überhaupt jemals existiert haben – sind damit deutlich geschrumpft. Während die kämpferische und erfahrene Machado bei der Bevölkerung beliebt war und große Unterstützung genoss, hinterließ Yoris bei den Venezolanerinnen und Venezolanern sowie vielen Aktiven der Opposition zunächst einmal Ratlosigkeit. Sie wirkt wie eine Platzhalterin, damit die Anti-Maduro-Front am 28. Juli überhaupt jemanden ins Rennen schicken kann. Die Opposition hat sich nämlich dieses Mal entschieden, die Wahl nicht zu boykottieren.
Im Februar hatte das Oberste Gericht der Konservativen Machado für die nächsten 15 Jahre alle Kandidaturen für öffentliche Ämter untersagt und die 56-Jährige damit von der jetzigen Wahl ausgeschlossen. Während das Urteil mit finanziellen Unregelmäßigkeiten während ihres Abgeordnetenmandats begründet wurde, ist sich Machado sicher, dass es vor allem darum ging, Maduros schärfste Rivalin aus dem Verkehr zu ziehen. Noch bis vor wenigen Tagen war sie dennoch entschieden, trotz dieses Verbots ins Rennen zu gehen.
Die Entscheidung jetzt für Yoris fiel am Freitagabend aber einstimmig im Oppositionsbündnis „Plataforma unitaria“. Die Entscheidung drängte auch, da am Montag die Registrierungsfrist beim Wahlrat CNE abläuft. „Wir haben eine Person gefunden, die mein volles Vertrauen genießt und von der Oppositionsplattform kommt. Aber jeder weiß, dass mein Kampf gegen das Regime weiter geht“, sagte Machado.
Chavismus
Die „bolivarische Revolution“ des Linksnationalisten Hugo Chavez (1954 bis 2013), Offizier der venezolanischen Armee, läuft seit 1998. Grundidee sind Zirkel auf lokaler oder nachbarschaftlicher Ebene, die zusammen den Volkswillen bilden und via Referenden kundtun, den die nationale Führung dann ausführt. So sollen Korruption bekämpft und soziale Gerechtigkeit befördert werden. Real ist es nur populistische Klientelpolitik. FR
Yoris gehörte jenen Persönlichkeiten der Zivilgesellschaft an, die Ende Oktober bei den Vorwahlen der Opposition um die Präsidentschaftskandidatur rangen. Damals gewann die Unternehmertochter Machado, Gründerin der rechten Partei „Vente Venezuela“, mit mehr als 90 Prozent der Stimmen.
Yoris’ Unerfahrenheit in der Politik lässt sie als Herausforderin von Maduro noch chancenloser erscheinen, als es die Opposition gegen den staatlichen Macht-, Wahl- und Manipulationsapparat ohnehin schon ist. Die 1944 in Caracas geborene Wissenschaftlerin studierte Philosophie und Geschichte, ist Dozentin an mehreren Universitäten und eine mehrfach ausgezeichnete Forscherin.
Es haben sich auch andere, deutlich bekanntere Politiker für den Platz als Maduro-Herausforderer interessiert, etwa der Gouverneur der Ölprovinz Zulia und Präsidentschaftskandidat von 2006, Manuel Rosales. Aber es gilt ohnehin als sehr unwahrscheinlich, dass die Wahl frei und fair und nach demokratischen Regeln abgehalten wird, so dass völlig unklar ist, ob die Opposition hätte gewinnen können. Unabhängig davon, ob die seit 1998 regierende chávistische Junta sie im Fall eines Sieges überhaupt an die Macht lassen würde.
Maduro, der seit 2013 als Nachfolger und Vertrauter des verstorbenen Übervaters Hugo Chávez regiert, betrachtet jede Wahl nach wie vor als ein Schachspiel, bei dem nur er die Figuren bewegt. Durch seine jüngste Charade, mit der er Machado aus dem Verkehr ziehen ließ, düpiert er auch die USA. Die hatten nach der Einigung zwischen Regierung und Opposition auf Wahlen bei den Verhandlungen in Barbados im Oktober Sanktionen gelockert. Im Gegenzug für Wahlen nach demokratischen Standards. In rund einem Monat will Washington Bilanz ziehen. Gut möglich, dass im Ergebnis die vor allem den venezolanischen Ölsektor betreffenden Strafauflagen wieder in Kraft gesetzt werden.
