Druck auf den CDU-Chef

„Verheerend“: Was, wenn Merz‘ Koalitions-Plan für Union und SPD platzt?

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Die Verhandlungen zwischen Union und SPD haken anscheinend. Wie ginge es weiter, falls Friedrich Merz‘ schwarz-roter Koalitions-Plan platzt?

Schwierige Gespräche gab es zuletzt offenbar zwischen Union und SPD. Das ließ unter anderem SPD-Fraktionsvize Dirk Wiese im Gespräch mit unserer Redaktion durchblicken. Ein Folgegedanke liegt nahe: so schwierig, dass das Undenkbare eintreten könnte – ein Scheitern der einzigen mehrheitsfähigen Koalition jenseits der AfD im neuen Deutschen Bundestag?

Das Platzen der Koalitionsgespräche hält der Politikwissenschaftler Uwe Jun von der Universität Trier für nicht sehr wahrscheinlich. „CDU/CSU und SPD sind sich der Verantwortung bewusst, es gibt keine andere politisch realistische Mehrheit“, sagte er. Außerdem sei mit den Schuldenpaketen bereits ein Grundkonsens erreicht, nun gelte es, Detailfragen zu klären. Jun hat allerdings auch eine möglicherweise überraschende These zum Fortgang im Falle des unwahrscheinlichen Scheiterns parat.

Scheitern unwahrscheinlich – aber möglich: „Verheerend, wenn keine Koalition zustande käme“

Der Experte betont aber zunächst: „Die Union ist der SPD mit dem Infrastrukturpaket schon sehr weit entgegengekommen. Es wäre verheerend, wenn keine Koalition zustande käme. Das würde kein gutes Licht auf Politik werfen“, sagte er. Beide Verhandlungspartner müssten nun einen Kompromiss erzielen, um den eigenen Wählern Erfolge vorweisen zu können.

Politikwissenschaftler Jun: „Beide Parteien sind sich ihrer Verantwortung bewusst.“ (Archivbild).

Knackpunkte in den Verhandlungen sieht Jun in den Fragen der Migration und Sozialpolitik, bei Steuern, Bürgergeld und Rente – und dort gerade die Union in der Pflicht. „Ihre Wählerschaft erwartet hier Einsparungen.“ Anderseits gelte: „Die SPD muss ihren Wählern wiederum ein Programm vorlegen, ohne allzu große Härten.“  

Zeitlich stehen Union und SPD indes (noch) nicht unter Druck. Das Grundgesetz sieht vor, dass sich das neue Parlament am 30. Tag nach der Wahl konstituieren muss. Das hat der Bundestag am Dienstag getan. Die alte Regierung bleibt aber so lange geschäftsführend im Amt, bis die neue gewählt ist. Vor der letzten „Großen Koalition“ 2017 hatte diese Regierungsbildung fast sechs Monate gedauert.

Falls Merz scheitert: Minderheitsregierung aus SPD-Grünen-Linken wäre stärker

Sollten die Koalitionsverhandlungen wider Erwarten doch an den „Detailfragen“ scheitern – dann wäre eine Minderheitsregierung eine Alternative. „Die sehe ich jedoch dann nicht bei der Union, sondern eher zwischen SPD, Grünen und Linken – die haben gemeinsam mehr Mandate als die Union“, erläutert der Politikwissenschaftler.

Allerdings prognostiziert er dieser hypothetischen Konstellation keine große Stabilität. Insbesondere in der Außen- und Sicherheitspolitik seien Grüne und Linke sehr weit voneinander entfernt. „Außerdem wäre fraglich, zu welchen Disruptionen das in der Bevölkerung führt, wenn mit Union und AfD die beiden Parteien, die sich als Wahlgewinner fühlen können, in der Opposition landen.“

Merz sucht die Koalition – Experte sähe neue Regierung bis Anfang Mai als Erfolg

Auch eine Neuwahl wäre theoretisch durchaus möglich. Schlägt der Bundespräsident dem Bundestag einen Kanzlerkandidaten zur Wahl vor, muss mit der absoluten Mehrheit der Abgeordneten gewählt werden. Gelingt die Wahl im ersten Durchgang nicht, hat der Bundestag 14 Tage Zeit, einen anderen Kandidaten zum Kanzler zu wählen. Wenn auch das nicht gelingt, reicht in der dritten Wahlphase die relative Mehrheit für die Wahl zum Kanzler. Dieser Minderheitskanzler könnte dann den Bundespräsidenten um Auflösung des Bundestags und Neuwahlen bitten. „Das ist nicht undenkbar, aber es wäre eine sehr missliche Situation“, sagt der Politikwissenschaftler Jun.

„Es ist optimistisch, noch vor Ostern mit einer neuen Regierung zu rechnen“, konstatiert Jun indes bereits jetzt. „Wenn eine neue Regierung bis Anfang Mai steht, wäre das auch ein Erfolg.“ Und die Aufgaben für die neue Regierung sind gewaltig.

Bundestagswahl 2025: Von „Tünkram“ bis zum „Tor zur Hölle“ – denkwürdige Zitate aus dem Wahlkampf

Bundestag - Vertrauensfrage
„Fritze Merz erzählt gern Tünkram“ – SPD-Kanzler Scholz am 16. Dezember zu Vorwürfen von Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz (CDU), der Amtsinhaber sei bei Debatten auf EU-Ebene passiv und melde sich nicht zu Wort. „Tünkram“ ist Plattdeutsch und bedeutet dummes Zeug oder Unsinn. © Michael Kappeler/dpa
Olaf Scholz, Wahlparteitag SPD
„Manch einer hat uns schon abgeschrieben. Das kann unsere sozialdemokratische Partei mit über 160 Jahren Kampferfahrung aber überhaupt nicht beeindrucken.“ – SPD-Ko-Chefin Saskia Esken (rechts) beim Parteitag am 11. Januar in Berlin zu den schwachen Umfragewerten für die Sozialdemokraten und der Hoffnung auf eine Aufholjagd bis zur Wahl. © Imago
Nach Todesfahrt auf Weihnachtsmarkt in Magdeburg-Rechte Proteste
„Wenn es dann Remigration heißen soll, dann heißt es eben Remigration.“ – AfD-Kanzlerkandidatin Alice Weidel beim Parteitag am 11. Januar in Riesa zur Aufnahme des umstrittenen Begriffs in das Wahlprogramm, der im rechten Spektrum für die massenhafte Ausweisung von Menschen mit Migrationshintergrund steht. © dpa
AfD-Bundesparteitag in Riesa
„Wenn wir am Ruder sind, wir reißen alle Windkraftwerke nieder. Nieder mit diesen Windmühlen der Schande!“ – AfD-Kanzlerkandidatin Weidel beim Parteitag am 11. Januar in Riesa. © Sebastian Kahnert/dpa
Habeck liest aus seinem neuen Buch
„Ich war nicht gut in Rechtschreibung früher und hatte einen leichten Schlag in Richtung Legasthenie.“ – Der Grünen-Kanzlerkandidat Robert Habeck räumt am 12. Januar ein, als Schüler eine Rechtschreibschwäche gehabt zu haben. Habeck thematisierte bei der „Wahlarena“ des „Mannheimer Morgen“ in Mannheim seine Schulzeit und persönliche Schwächen. © Kay Nietfeld/dpa
Wahlplakate in Wiesbaden - SPD
„Es gibt, glaube ich, keinen Kanzler in der Bundesrepublik, der sich so im Detail in Gesetze eingemischt hat, damit sie pragmatisch werden.“ – Olaf Scholz zieht am 13. Januar eine positive Bilanz seines Wirkens als Regierungschef. „Es sind unglaublich viele Entscheidungen getroffen worden, die ohne meine Intervention gar nicht zustande gekommen wären“, sagte er den NRW-Lokalradios. © Arne Dedert/dpa
Nach tödlichem Angriff in einem Park in Aschaffenburg
„Das Maß ist endgültig voll.“ – Unions-Kanzlerkandidat Merz am 23. Januar nach dem Messerangriff von Aschaffenburg auf eine Kindergartengruppe mit zwei Toten, den ein Geflüchteter aus Afghanistan begangen haben soll. © Daniel Vogl/dpa
Demo gegen Rechts - Berlin
„Ich gucke nicht rechts und nicht links. Ich gucke in diesen Fragen nur geradeaus.“ – Merz am 24. Januar bei der Ankündigung, für Anträge zur Verschärfung der Migrationspolitik im Bundestag auch eine Mehrheit mit AfD-Unterstützung zu tolerieren. Die Menschen sehen das kritisch und gehen auf die Straße. © Christophe Gateau/dpa
Demonstration zur Migrationspolitik - Berlin
„Die Brandmauer bröckelt.“ – Die AfD-Fraktion am 29. Januar im Online-Dienst X zur bisher geltenden Abgrenzung der CDU von der in Teilen als rechtsextremistisch eingestuften Partei, nachdem erstmals mit ihrer Hilfe ein Unionsantrag eine Mehrheit im Bundestag erhalten hat. © Sebastian Gollnow/dpa
209. Bundestagssitzung: Heidi Reichinnek, Linke
„Allen politischen Differenzen zum Trotz hätte ich mir niemals vorstellen können, dass eine christlich-demokratische Partei diesen Dammbruch vollzieht und mit Rechtsextremen paktiert.“ – Die Vorsitzende der Linken im Bundestag, Heidi Reichinnek, am 29. Januar im Bundestag in ihrer viral gegangenen Rede zum mit AfD-Stimmen verabschiedeten Unionsantrag. © Imago
Bundestag - Regierungserklärung
„Und deshalb, finde ich, kann ich ihm nicht mehr trauen.“ – Kanzler Olaf Scholz über das Verhalten von Friedrich Merz am 29. Januar 2025. Das sei „wahrscheinlich ein ganz bedeutender Tag in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“ gewesen, sagte Scholz in der ARD-Sendung „Maischberger“. Die Union habe einen Konsens aufgekündigt, den es die ganze Nachkriegsgeschichte über unter den Demokraten in Deutschland gegeben habe.  © Kay Nietfeld/dpa
Demonstration fuer die Brandmauer und gegen die CDU
„Für falsch halte ich es, (…) sehenden Auges erstmalig bei einer Abstimmung im Deutschen Bundestag eine Mehrheit mit den Stimmen der AfD zu ermöglichen.“ – Altkanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisiert am 30. Januar das Vorgehen von Merz. © Matthias Gränzdörfer/Imago
Wahlkampf Grüne - Berlin
„Tun Sie es nicht, Herr Merz.“ – Grünen-Kanzlerkandidat Robert Habeck appelliert am 28. Januar eindringlich an Unionsfraktionschef Friedrich Merz, keine gemeinsame Sache mit der AfD zu machen.  © Christoph Soeder/dpa
Sitzung, Bundestag, Plenum
„Das Tor zur Hölle können wir noch gemeinsam schließen.“ – SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich am 31. Januar in der Bundestagsdebatte über eine angekündigte Zustimmung der AfD auch zu einem Migrationsgesetz der Union. Dieses scheiterte aber letztlich auch an fehlender Unterstützung aus der Union. © Bernd Elmenthaler/Imago
Bundestag
„Ich bin mit mir persönlich sehr im Reinen, dass wir es wenigstens versucht haben.“ – Merz am 31. Januar nach dem Scheitern seines Gesetzentwurfs zur Verschärfung der Migrationspolitik im Bundestag, obwohl auch dieser von den AfD-Abgeordneten geschlossen unterstützt wurde. © Kay Nietfeld/dpa
Nach tödlichem Angriff in Aschaffenburg - Trauerfeier
„Diese Woche hat die Union klargemacht, dass es ihr ernst ist. Und damit ist die Glaubwürdigkeit auch eines neuen Bundeskanzlers Friedrich Merz enorm gestiegen.“ – CSU-Chef Markus Söder sieht am 2. Februar die Position der Union nach den umstrittenen Abstimmungen zur Migrationspolitik im Bundestag deutlich gestärkt.  © Daniel Vogl/dpa
Bundesparteitag der CDU - Friedrich Merz + Markus Söder
„Mit den Grünen ist kein Richtungswechsel und keine Koalition möglich.“ – CSU-Chef Markus Söder anlässlich des CDU-Parteitags am 3. Februar auf X. © Imago
Wahlkampf – ZDF-Livesendung "Schlagabtausch"
„Wie dumm kann man sein zu sagen, man macht Sanktionen, um Russland zu schaden. Am Ende schaden wir vor allem unserer Wirtschaft.“ – BSW-Chefin Sahra Wagenknecht am 6. Februar in einer ZDF-Wahlrunde zu ihrer Forderung nach einer Wiederaufnahme der Gaslieferungen aus Russland. © Christoph Soeder/dpa
Scholz und Merz im TV-Duell
„Wir können auf die FDP keine Rücksicht nehmen.“ – Merz am 7. Februar, nachdem er mögliche Wähler der in Umfragen weiterhin schwächelnden FDP aufgerufen hat, ihre Stimme der Union zu geben. © Kay Nietfeld/dpa
FDP Bundesparteitag
„33 oder 31 Prozent für die CDU machen keinen Unterschied, aber vier oder sechs Prozent für die FDP ändern maßgeblich das Gefüge in der Bundesrepublik.“ – FDP-Spitzenkandidat Christian Lindner reagiert beim Sonderparteitag in Potsdam am 9. Februar auf die Aussage von Merz. © Michael Kappeler/dpa
Scholz und Merz im TV-Duell
„Was ist Bubatz?“ – Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz kann am 9. Februar mit dem Begriff „Bubatz“ nichts anfangen. Auf dem Live-Streaming-Portal Twitch antwortete Merz nach dem TV-Duell bei ARD und ZDF mit Kanzler Olaf Scholz (SPD) auf die Frage, ob „Bubatz“ legal bleibe: „Bleibt was legal?“ Daraufhin entgegnete die Moderatorin: „Bubatz“. Merz’ Replik: „Was ist Bubatz?“ Die Moderatorin: „Gras.“ Merz sagte dann: „Also wenn Sie meinen, Cannabis, dann sage ich: Nein, wir wollen das wieder korrigieren.“ © Kay Nietfeld/dpa
Kundgebung "Brandmauer statt Brandstiftung"
„Friedrich Merz tritt an, Europa zu Grabe zu tragen“ – Kanzler Scholz am 11. Februar in der letzten Plenardebatte des Bundestags vor der Wahl mit Blick auf Merz’ Pläne, Geflüchtete an den Grenzen zu den EU-Nachbarn zurückzuweisen. © Fabian Sommer/dpa
TV-Runde im Bundestagswahlkampf
„Weil ich dieses animalische Grunzen der AfD-Fraktion voraussehen konnte, möchte ich einordnen, worüber wir reden, wenn wir Klimaschutz sagen.“ – Grünen-Spitzenkandidat Robert Habeck reagiert in einer Rede im Bundestag am 11. Februar auf Zwischenrufe der AfD, nachdem er den Klimaschutz als drängendste Aufgabe der Zukunft bezeichnet hat. © Kay Nietfeld/dpa
Bundestag
„Wir werden möglicherweise miteinander reden müssen.“ – Unions-Kanzlerkandidat Merz wendet sich in seiner Plenarrede am 11. Februar im Bundestag an die SPD – und nimmt dabei eine mögliche Koalitionsoption für die Zeit nach der Wahl in den Blick. © Kay Nietfeld/dpa
ZDF-Sendung "Klartext"
„Wenn sich die Menschen zurückziehen, dann ist es vorbei mit Deutschland. (…) Demokratie ist kein Zuschauersport, es geht nur, wenn Menschen sich bei den Wahlen engagieren.“ – Grünen-Kanzlerkandidat Robert Habeck am 13. Februar in der ZDF-Sendung „Klartext“ auf den Kommentar eines Zuschauers hin, der erklärt hatte, er wisse nicht mehr, was er wählen solle. © Michael Kappeler/dpa

„Der Wirtschaftsstandort Deutschland muss gestärkt werden, die Sozialsysteme zukunftsfest gemacht werden, mit Trump erwarten uns enorme Aufgaben in der Außen- und Sicherheitspolitik. All das lässt eine Mehrheitsregierung besser geeignet erscheinen, weil eine Minderheitsregierung nicht die nötige Stabilität hätte, diese großen Herausforderungen zu lösen“, analysiert der Trierer Politologe.

Einigkeit sei auch wegen der erstarkenden Extreme wichtig. „Es darf nicht wieder der gleiche Eindruck wie bei der Ampel-Koalition entstehen, dass hier drei Parteien sehr unterschiedliche Wege gehen wollen, sondern es sollte ein gemeinsamer sein.“

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa/picture alliance

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