Berichte über erhebliche Israel-Verluste in Gaza – doch Netanjahu schweigt
VonPatrick Mayer
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Ein Online-Portal berichtet von angeblich schweren Verlusten der israelischen Armee im Gazastreifen. Tel Aviv äußert sich dagegen kaum zu getöteten Soldaten.
Gaza – Seit Jahren soll Benjamin Netanjahu der Presse Israels keine Interviews mehr geben. Die in der ARD-Mediathek gezeigte Dokumentation „Benjamin Netanjahu - Der Medienprofi und die Macht“ zeigt eindrucksvoll, wie Netanjahu zeitweise eine regelrechte Fehde mit kritischen Medien führte.
Krieg in Israel: Tel Aviv schweigt zu Verlusten in der israelischen Armee
Dargestellt werden ausschließlich Erfolgsmeldungen. Wie die Einnahme des Parlaments von Gazastadt, dokumentiert mit einem Foto siegessicherer israelischer Soldatinnen und Soldaten. Manch einer trägt das typische Mitznefet. „Erinnern Sie sich, als es hieß, wir würden nicht in den Gazastreifen einmarschieren? Wir sind einmarschiert. Sie sagten, wir würden nicht bis in die Außenbezirke von Gaza-Stadt vordringen. Wir taten es. Sie sagten, wir würden nicht ins Al-Shifa-Krankenhaus gehen. Wir gingen hinein“, erklärte der israelische Premier in einer pathetischen Videobotschaft am Mittwoch (15. November).
Eigene Verluste? Dazu schweigt Netanjahu. Aus Tel Aviv ist dazu kaum etwas zu hören. Keine toten und verwundeten Israelis im Kampf? Kann das wirklich sein? Nachdem Militärexperten unisono einen blutigen Häuserkampf in Gaza vorhergesagt hatten?
Jerusalem, 1. November: Hunderte sind zur Beerdigung von Sergeant Lavi Lifshitz gekommen. Der 20-Jährige wurde in Kämpfen mit der Hamas in Gaza getötet.
Die Hinweise verdichten sich Mitte November, dass Israel erhebliche Verluste verkraften muss, während auch jene unter der palästinensischen Zivilbevölkerung durch die Bombardements hoch sind. Wie zum Beispiel das Military Watch Magazine berichtet, sollen die Israelis auf ihrem Vormarsch in Gaza binnen fünf Tagen angeblich 88 gepanzerte Fahrzeuge verloren haben.
Krieg in Israel: Hat die israelische Armee in Gaza Dutzende Panzer verloren?
Das Online-Portal beruft sich auf nicht näher präzisierte Satelliten-Aufnahmen von Gaza. Per Satellit sollen demnach zeitweise 383 israelische Panzer und andere Militär-Fahrzeuge wie Bulldozer in dem schmalen Küstenstreifen zu sehen gewesen sein. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Vor dem Gaza-Krieg: Die Geschichte des Israel-Palästina-Konflikts in Bildern
Videos und Fotos aus Sozialen Netzwerken hätten ferner gezeigt, wie die Terrormiliz in der Lage sei, vereinzelt israelische Panzer auszuschalten. Beispielsweise würde dafür angeblich Sprengstoff an den Panzern wie dem Merkava oder dem Namer angebracht, um deren aktive Schutzsysteme zu neutralisieren, ehe mit Panzerabwehrbüchsen wie der gefürchteten sowjetischen RPG-7 auf die Fahrzeuge geschossen wird.
Krieg in Israel: Video von schwer beschädigtem Panzer bei X
Bei X (vormals Twitter) kursiert zum Beispiel ein Video, das einen schwer beschädigten israelischen Panzer nach einem Einsatz in Gaza zeigen soll. Auch in diesem Fall lassen sich Ort und Zeitpunkt der Aufnahmen nicht unabhängig verifizieren. Lokale Medien berichten laut Military Watch Magazine ferner, dass der israelische Panzerbrigade-Kommandant Oberst Sheldag Zior im Kampf getötet worden sei.
⚡️Merkava Tank is seen being transported away from the Gaza Strip after it became dysfunctional due to damages it received inside the strip. pic.twitter.com/0n5piJMm65
Zior soll der ranghöchste israelische Armeeoffizier sein, der in den Kämpfen mit der radikalislamistischen Hamas gefallen ist. Auch bei X kursiert diese Meldung, die Tel Aviv (Stand 15. November) bislang nicht kommentiert hat. Bei den Nachrichtenagenturen mehren sich dagegen Fotos von Beerdigungen für in Gaza getötete Soldatinnen und Soldaten.
Verluste Israels im Krieg mit der Hamas: Beerdigungen zwischen Tel Aviv und Jerusalem
Ein Beispiel ist die Beisetzung des 20-jährigen Sergeants Lavi Lifshitz in Jerusalem vom 1. November. Pressefotografen begleiteten auch die Beerdigung des 19-jährigen Sergeants Lavi Lifshitz am 2. November in Herzlia (bei Tel Aviv). Und am 3. November kamen Hunderte, vielleicht Tausende zur Beerdigung des 42-jährigen Soldaten Urya Mash auf einen Friedhof in Jerusalem. Alle drei Soldaten sollen im Krieg gegen die palästinensische Hamas in Gaza gefallen sein.
Die Beispiele mehren sich. Bereits am 1. November hatte unter anderem Welt live berichtet, dass am 31. Oktober neun israelische Soldaten bei einem Angriff auf ihr Fahrzeug getötet wurden. Neun Tote, einzig bei einer Attacke.
Verluste Israels im Krieg mit der Hamas: Benjamin Netanjahu spricht nur über Erfolge
Noch am 15. Oktober hatte die israelische Armee zumindest verkündet, dass seit dem heimtückischen Überfall der Hamas binnen acht Tagen 279 Soldatinnen und Soldaten getötet wurden. Viele von ihnen wurden durch Hamas-Terroristen am frühen Morgen des 7. Oktobers in ihren Grenzposten ermordet. Wie viele junge Frauen und Männer der Armee mittlerweile tot sind, ist in dem Wirrwarr jedoch nicht bekannt. Netanjahu spricht lieber über militärische Erfolge. (pm)