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Ist nun endlich auch für Donald Trumps USA der Honeymoon mit Putin vorbei? Nein, im Ukraine-Krieg wachsen die Sorgen, kommentiert Florian Naumann.
Es mochte nach einer guten Nachricht klingen: Donald Trump will nun nicht nur doch wichtige Patriot-Systeme an die Ukraine liefern. Der US-Präsident hat Wladimir Putin auch ein Ultimatum gestellt: Entweder es gibt einen Friedens-Deal binnen 50 Tagen. Oder er wird Russland und die Käufer russischen Öls mit Zöllen von „100 Prozent“ belegen. Ist der Mann im Weißen Haus also zu Sinnen gekommen? Steht die viel beschworene „Wende“ im Ukraine-Krieg bevor?
Bei genauerer Betrachtung drängt sich eher der Eindruck auf, Trump spiele mit Putin dasselbe Spiel wie mit der EU. Nur mit weniger Genugtuung. Dafür mit dem Hoffen, Bangen und dem wankelmütigen Trotz eines verschmähten Liebhabers.
Putin darf Trump gerne nochmal ins Gesicht lügen: „Enttäuscht, aber noch nicht fertig. Aber enttäuscht.“
Zunächst zu den Patriot: Die sind wichtig für die Menschen in der Ukraine, die sich jede Nacht tödlichen Drohnen-Angriffen Russlands ausgesetzt sehen. Zumal die USA eindeutig die wichtigste Quelle für Luftabwehrsysteme sind. Aber: Trump hat nicht etwa zornig ein Riesen-Waffenpaket geschnürt. Er gibt der Ukraine, was schon Joe Biden versprochen hatte. Und bezahlen soll es Europa. Schön und gut – aber kein Anzeichen, dass Putins Truppen an der Front nun vor dem US-Arsenal zittern müssten. Die Lieferung von „Offensivwaffen“ hat Trump lediglich „nicht ausgeschlossen“.
Und schon kurz nach seiner Ankündigung hat Trump in einem Interview mit der BBC angedeutet, Putin dürfe ihm durchaus noch ein paar Mal ins Gesicht lügen: „Ich bin enttäuscht von ihm, aber ich bin noch nicht fertig mit ihm. Aber ich bin enttäuscht von ihm.“
Dabei lautet ein bekanntes englischsprachiges Sprichwort doch: „Fool me once, shame on you. Fool me twice, shame on me.“ Zu Deutsch etwa: Wer zweimal auf den gleichen Trick hereinfällt, ist selber schuld. Nur, dass in Trumps Fall die Ukraine das Problem ausbaden muss.
Sieben Wochen Zeit für Putin im Ukraine-Krieg: Trump spendiert Planungssicherheit
Putin hat nun jedenfalls sieben (!) Wochen Zeit, ehe Trump den Zoll-Hebel umlegen will. Nicht nur, dass der Nutzen der Zölle fraglich ist – Teile der russischen Wirtschaft begrüßen Sanktionen und Zölle sogar und Russlands Partner China hat herbe Drohungen schon einmal erfolgreich gekontert. Nein, wer will, kann auch Zynismus in dieses Ultimatum lesen. Einen ganzen Sommer, die wichtigste Kampfzeit, kann Putin nun mit Trumps Segen weiterschlachten. Nahezu planungssicher! Eine gewisse trumpübliche Gnadenfrist obendrauf – und schon naht der Herbst, in dem sich viele ukrainische Schlachtfelder ohnehin in unüberwindlichen Morast verwandeln.
Unterdessen bleiben der EU noch gute zwei (!) Wochen, um Strafzölle abzuwenden. Aktuell liegt ihr US-Standardzoll sogar über dem Russlands. Wer eins und eins zusammenzählt, kann nur zu dem Schluss kommen, dass Trumps Verehrung für den clever-unverfroren-mörderischen Kremlchef ungebrochen ist – oder seine auf Sand gebaute Hoffnung, Putin aus Pekings Armen lösen zu können. Und dass Europa sehr gut daran tut, sich nicht veralbern zu lassen. Es sollte weiter an der Verteidigung arbeiten. An seiner eigenen und jener der Ukraine. (Florian Naumann)
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