Nachtsicht-Video aufgetaucht

Russen-Bluff aufgedeckt? Ukrainische Pioniere bedrohen Putins Rückzugsweg

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Die Ukraine plant offenbar, im Süden des Landes gleich drei russische Armeen aufzureiben. Dank Pionieren ist wohl ein Brückenkopf am Dnipro errichtet.

Cherson – Russland verheizt im Ukraine-Krieg ungebremst seine junge Generation. Laut dem ukrainischen Generalstab aus Kiew wurden seit dem völkerrechtswidrigen Einmarsch des östlichen Nachbarn (am 24. Februar 2022) geschätzt 236.040 russische Soldaten getötet oder verwundet (Stand 13. Juli).

Gegenoffensive: Brückenkopf der ukrainischen Armee über den Dnipro steht wohl

Den ukrainischen Streitkräften ist es nach wochenlangen Kämpfen nun offenbar gelungen, dauerhaft einen Brückenkopf am östlichen Ufer des Dnipro zu errichten. Ersten Einschätzungen zufolge steht der Brückenkopf etwas südlich der Kleinstadt Oleschky (ehemals rund 25.000 Einwohner), wo der riesige Fluss, der die Ukraine in zwei Landesteile trennt, gegenüberliegend der Großstadt Cherson besonders schmal und flach sein soll.

Damit sind die Ukrainer nicht nur in der Lage, gleich drei im Süden operierende russische Armeen anzugreifen. Die ukrainische Armee könnte sogar die Rückzugsroute für besagte russische Truppen auf die Krim gefährden.

Ukraine-Gegenoffensive: Brückenkopf zwischen Antoniwka und Oleschky errichtet

Ein Rückblick: Seit Ende April hatten ukrainische Spezialkräfte wie die 73. Marine-Brigade versucht, in der Nähe von Oleschky besagten Brückenkopf zu errichten. Dies bestätigen laut ZDF sowohl ukrainische als auch russische Quellen sowie standortverifiziertes Videomaterial. Um die Gegend wurde seither heftig gerungen, beide Seiten veröffentlichten Videomaterial, das zweifelsfrei Artilleriegefechte um die Antoniwkabrücke zwischen den Kleinstädten Antoniwka und Oleschky zeigt.

Anfang Juli hatte der Leiter der russischen Besatzung in der Oblast Cherson, Wladimir Saldo, laut Institute for the Study of War (ISW) dann behauptet, dass Soldaten der russischen Streitkräftegruppe „Dnepr“ in der Nähe der Antoniwkabrücke die Ukrainer wieder vom Ostufer verdrängt hätten. Konkret sollen russische Truppen am Samstag (1. Juli) kleine ukrainische Landungen niedergeschlagen haben, was auf Seiten Moskaus gefeiert worden sei, „als hätten sie einen großen Sieg errungen“, schrieb das ISW.

Ukraine-Gegenoffensive: Schwere Gefechte im Dnipro-Delta der Oblast Cherson

Kiew hatte stattdessen am 2. Juli von schweren Gefechte in diesem Frontabschnitt berichtet. „Derzeit finden intensive Kampfhandlungen statt, das Hauptaugenmerk liegt auf der Batterieabwehr“, teilte Natalia Humenjuk, Presseleiterin der Verteidigungskräfte im Süden, damals mit. Jetzt ist es offenbar nach Wochen gelungen, die Stellungen bei Oleschky zu halten. Darauf lässt eine Video schließen, das das unabhängige osteuropäische Nachrichtennetzwerk Nexta in den Sozialen Medien verbreitete (siehe Video oben).

Wochenlang schwer umkämpft: Eine mehrspurige Straße zur Antoniwkabrücke bei Oleschky.

Darauf ist zu sehen, wie ukrainische Pioniere mit amphibischen Lastwagen an einem offensichtlich flachen Abschnitt des Dnipro in den Fluss fahren und mobile Ponton-Systeme ins Wasser lassen, die die Ukraine laut ZDF in den vergangenen Monaten vom Westen bereitgestellt bekam. Am Ende des Einsatzes ist zu sehen, wie die Ukrainer schweres Gerät bei der „nächtlichen Überfahrt“ (Nexta) über den Fluss schaffen.

Ukraine-Gegenoffensive: 49., 58. und 68. russische Armee operieren im Süden

Offenbar konnte zuvor die am Westufer des Dnipro stationierte ukrainische Langstrecken-Präzisionsartillerie die russische Artillerie auf der anderen Seite ausschalten. Waren Behauptungen eines russischen Gegenschlages also nur ein Bluff? Denn: Gleichzeitig hatten russische Militärblogger berichtet, dass von besagter Streitkräftegruppe „Dnepr“ Einheiten in die benachbarte Oblast Saporischschja abkommandiert wurden.

Damit nicht genug: Laut dem ukrainischen Militärblogger Konstantin Mashovets wurden neben der 49. und 58. Armee Russlands jetzt auch Teile der 68. Armee in den Süden der Ukraine verlegt. Die Kleinstadt Tokmak sei regelrecht zu einer russischen Festung ausgebaut worden.

Ukraine-Gegenoffensive: Ist der russische Rückzugsweg auf die Krim in Gefahr?

Weswegen den Russen jetzt viele Soldaten im Dnipro-Delta fehlen? Gelingt es den Ukrainern, von Oleschky aus zur knapp 100 Kilometer südöstlich gelegene Kleinstadt Tschaplynka vorzurücken, könnten sie tatsächlich den russischen Rückzugsweg über die Fernstraße M17 sowie die Regionalstraße T2202 auf die Krim abschneiden. Laut Kartenmaterial des ISW und der US-amerikanischen Denkfabrik AEI’s Critical Threats Project gibt es hier kaum Befestigungsanlagen. Somit bliebe den Russen für ein Ausweichen auf die Halbinsel nur noch ein kleiner Korridor weiter östlich über die Kleinstadt Nowoolexijiwka und die Regionalstraße E105.

Bereitet sich Russland wegen dieser Gefahr bereits auf eine Schlacht um die Krim vor? Das ukrainische Einsatzkommando Süd hatte bereits Anfang Juni gemeldet, dass angeblich chemische Stoffe auf das Gelände des „Crimea Titan“-Werks bei der Stadt Armiansk im Norden der Krim gebracht wurden, um dort eine große Explosion auslösen zu können. Die Kämpfe dürften sich vorerst aber auf das Dnipro-Delta konzentrieren. (pm)

Rubriklistenbild: © Screenshot Twitter@nexta_tv

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