VonChristiane Kühlschließen
Hunde gelten als beste Freunde des Menschen – und viele haben Jagdinstinkt. Im Manöver setzt China einen Robo-Kampfhund ein. Mit Schnellfeuergewehr auf dem Rücken.
Ein bisschen staksig ist er unterwegs, und der Kopf fehlt auch. Doch der vierbeinige Roboter geht mit seinen kräftigen „Oberschenkeln“ klar als Hund durch. Auf seinem Rücken montiert ist ein Schnellfeuergewehr – es wackelt ein wenig, während sich der Roboterhund durch eine karge Ebene bewegt. Dann beginnt er zu schießen. Später führt der IT-Hund eine Infanterie-Einheit in eine aus Planen bestehende Anlage, die einen Straßenkampf simulieren soll. Die Soldaten wagen sich aus der Deckung, und folgen mit einem Kommandoruf dem „Hund“.
Was wie ein dystopischer Science-Fiction-Film anmutet, sind Szenen aus einem Video der chinesischen Volksbefreiungsarmee, die den 15 Kilogramm schweren IT-Kampfhund am Mittwoch (29. Mai) auf diesem Wege präsentierte. Die Aufnahmen stammen von einem gemeinsamen Manöver mit Kambodscha namens „Golden Dragon 2024“. Der bewaffnete Maschinen-Köter soll nun den Soldaten beistehen. Er kann seinen Weg angeblich selbst finden und Hindernissen automatisch ausweichen.
„Er kann als neues Mitglied für Kampfeinsätze in Städten dienen“, sagt ein Soldat namens Chen Wei in einem Video des Staatssenders CCTV. „Und er kann unsere (menschlichen) Mitglieder dabei ersetzen, Aufklärung zu betreiben, den Feind zu identifizieren und das Ziel anzugreifen.“ Mittels Batterien im Unterleib kann der IT-Hund zwei bis vier Stunden operieren. Vielleicht fehlt dem Hund auch deshalb der Kopf: Einen Elektrohund, der sie mit treuherzigem Dackelblick anschaut, würden die Soldaten womöglich nicht in den Kampf schicken. Der berühmte Geruchssinn von Hunden dürfte ihm ebenfalls fehlen.
Intelligent equipment such as robot dog and drones are in spotlight at the ongoing China-Cambodia "Golden Dragon 2024" joint military exercise. https://t.co/4tHqiQuVfF pic.twitter.com/z30ICF8dzK
— CCTV+ (@CCTV_Plus) May 25, 2024
Chinas Militär übt seit mindestens einem Jahr mit Roboterhunden
Es ist das bislang ausführlichste Video über die ferngesteuerten Kampfhunde. Doch schon im November 2023 hatte die Volksbefreiungsarmee nach einem Bericht des US-Senders CNN mit Gewehren bewaffnete Roboterhunde bei einer gemeinsamen Übung mit kambodschanischen, laotischen, malaysischen, thailändischen und vietnamesischen Streitkräften in China gezeigt. Auch in Chinas sozialen Medien tauchen die „Hunde“ demnach seit mindestens einem Jahr immer wieder auf.
Der in Kambodscha eingesetzte Roboterhund könne Aufklärungsdaten in Echtzeit an die Kommandozentrale senden, zitierte die staatliche Zeitung Global Times den Soldaten Yang Zhisheng, ein PLA-Soldat, der während des Manövers für die Bedienung des IT-Vierbeiners zuständig war. Nach Angaben der US-Nachrichtenplattform ist er ein Modell der chinesischen Robotikfirma Unitree, die diesen und andere „Hunde“ in ziviler Ausstattung online verkauft. Ein weiteres, größeres Modell mit mehr als 50 Kilogramm Gewicht kann dem CCTV-Bericht zufolge sogar bewaffnete Angriffsmissionen durchführen.
Kampffähige IT-Hunde seit 2020 bekannt
Der militärische Einsatz von Roboterhunden ist allerdings gar nicht so neu. Im Jahr 2020 demonstrierte die US-Luftwaffe laut CNN, wie sie Roboterhunde als ein Glied ihres „Advanced Battle Management Systems“ (ABMS) einsetzt, das mithilfe künstlicher Intelligenz und schneller Datenanalyse Bedrohungen für das US-Militär rechtzeitig erkennen und abwehren soll. China und die USA liefern sich einen harten Wettbewerb um die Marktfüherschaft in der Robotik. Verteidigungsbeamte beider Staaten glauben, dass unbemannte Technologien wie Drohnen in künftigen Kriegen entscheidend sein werden. Chinas Staatschef Xi Jinping hat daher das Ziel ausgegeben, die Streitkräfte schrittweise mit modernster Technologie auszurüsten.
Auch für andere Zwecke werden Roboterhunde bereits eingesetzt - auch bei uns. Im März etwa präsentierte die Bahn in München den hundeähnlichen Laufroboter „Spot“. Der rot-weiße Roboter soll demnächst auf Abstellgleisen der Münchner S-Bahnen patrouillieren, um die Züge vor Graffitisprayern zu schützen.
Roboterhunde mit KI-Sprachmodell und Kulleraugen
Die Chinesen gelten generell als sehr technologieaffin; Roboterhunde sind dort bislang allerdings eher friedliche Kreaturen gewesen. Im April präsentierte etwa der Hersteller BabyAlpha in einer Shoppingmall in Nanjing völlig zweckfreie knuffige Roboterwelpen mit treuherzigem Blick. Sie sind mit KI-Sprachprogrammen ausgestattet und hoben in einem Werbevideo wie echte Hunde das Beinchen an Sofas und Autoreifen. Auf der Markenmesse Brand China Expo in Shanghai im Mai präsentierte der Smartphone- und Elektroautohersteller Xiaomi eine hochwertige Version namens Cyber Dog 2, einen schlanken Hund ganz in Schwarz, der in Deutschland online für gut 3000 Euro käuflich zu erwerben ist.
In der zentralchinesischen Provinz Hubei aber zeigte sich ein Roboterhund während der Maiferien in ernsthafter Mission, und zwar als Polizeihund, wie das militärische Modell ohne Kopf. „Gemeinsam mit echten Polizeihunden wurde der Roboterhund zu Patrouillen, zur Identifizierung von Verdächtigen und zur Durchführung von Betrugsbekämpfungskampagnen im malerischen Gebiet des Drei-Schluchten-Staudamms eingesetzt“, berichtete die Global Times unter Berufung auf Lokalzeitungen. Das zugehörige Foto zeigt Polizisten mit angeleinten echten Hunden und dem kopflosen Roboter, auf den eine Art Kamera montiert ist – es sollen die Augen sein, mit denen der Roboter Verdächtige sofort erkennen können soll. Ein bisschen dystopisch ist das dann schon.
Rubriklistenbild: © TANG CHHIN SOTHY / AFP

