VonPatrick Mayerschließen
Der ukrainische Politiker Viktor Medwedtschuk verlangt von Europa Druck auf Wolodymyr Selenskyj, damit Kiew russischen Forderungen nachgibt. Ansonsten sei ein atomarer Konflikt nicht ausgeschlossen.
München/Moskau - Soledar im Donbass ist laut Moskau eingenommen. Währenddessen kündigt Russland den Umbau seiner Armee an. Und: Laut Einschätzung des Institute for the Study of War (ISW) lässt Kreml-Machthaber Wladimir Putin eine neue Großoffensive in der Ukraine planen. Nach vielen militärischen Rückschlägen seit der Invasion des westlichen Nachbarn wittern die Angreifer offenbar neue Chancen.
Kremlfreundlicher ukrainischer Oligarch: Viktor Medwedtschuk droht Europa und dem Westen
In dieser Gemengelage hat der kremlfreundliche ukrainische Oligarch Viktor Medwedtschuk neue Drohungen ausgestoßen. Konkret warnte er Europa davor, es würde den Konflikt näher an die eigene Heimat bringen, indem es Kiew unterstütze. Stattdessen forderte er den Westen auf, den Druck auf den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu erhöhen, damit dieser russischen Forderungen nachkomme.
Zur Einordnung: Medwedtschuk stand in der Ukraine der prorussischen Oppositionspartei „For Life“ („Für das Leben“) vor. Der heute 68-Jährige, der damals wegen der Anschuldigung des Hochverrats unter Hausarrest stand, tauchte nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 unter, wurde im April jedoch vom ukrainischen Staatssicherheitsdienst (SBU) festgenommen.
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Im September wurde der ehemalige Großindustrielle, der seit Langem enge Kontakte zu Putin haben soll, im Rahmen eines Gefangenenaustauschs mit Moskau freigelassen. Die Regierung in Kiew entzog ihm seinerzeit die ukrainische Staatsbürgerschaft. Seither lebt er in Russland - und wendet sich mit Vorwürfen gegen seine alte Heimat. Wie nun im Interview mit der regierungsnahen russischen Tageszeitung Iswestija. Das US-amerikanische Nachrichtenmagazin Newsweek zitiert in einem Beitrag vom Montag (16. Januar) daraus.
Viktor Medwedtschuk: Putin-Freund aus der Ukraine sieht Gefahr eines „Atomkriegs“
„Es ist nicht mehr Europa, das der Ukraine Politik beibringt, sondern die Ukraine lehrt Europa, wie man mithilfe einer Politik des Hasses und der Unnachgiebigkeit wirtschaftlichen Niedergang und Armut erreicht“, meinte Medwedtschuk laut Newsweek in dem Gespräch: „Und wenn Europa diese Politik fortsetzt, wird es in einen Krieg hineingezogen, möglicherweise in einen Atomkrieg.“
Wenn Europa diese Politik fortsetzt, wird es in einen Krieg hineingezogen, möglicherweise in einen Atomkrieg.
Immer wieder bemüht Moskau die mögliche Gefahr einer nuklearen Auseinandersetzung mit dem Westen. Der bekannte russische Propagandist Wladimir Solowjow forderte kürzlich etwa nicht nur Tests russischer Atomwaffen als Machtdemonstration, sondern nukleare Präventivschläge. Es sei nicht die Zeit, der Welt Angst einzujagen, sondern „ihr ins Gesicht zu schlagen“. Putin selbst hatte Ende September zu den Atomwaffen Russlands erklärt: „Wenn die territoriale Integrität unseres Landes bedroht ist, werden wir natürlich alle uns zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen, um Russland und unser Volk zu verteidigen. Dies ist kein Bluff“
Vertrauter von Wladimir Putin: Ukrainischer Oligarch wirbt für Russlands „Interessen“
Auch Medwedtschuk, der zudem Vorschläge über ein Ende des Ukraine-Kriegs unterbreitete, setzte bei seiner Argumentation bei der atomaren Bedrohung an. „Und jetzt gibt es nur noch zwei Auswege: In einen Weltkrieg und einen Atomkonflikt zu schlittern. Oder den Entspannungsprozess neu zu starten, wofür es notwendig ist, die Interessen aller Parteien zu berücksichtigen“, erklärte er laut Newsweek im Interview mit Iswestija: „Aber dafür ist es notwendig, politisch anzuerkennen, dass Russland Interessen hat. Und dass diese beim Aufbau einer neuen Entspannung berücksichtigt werden müssen.“ Womit in Anlehnung an den Kalten Krieg mutmaßlich Entspannungspolitik gemeint sein dürfte.
Ukraine-Krieg: Putin-Freund Medwedtschuk erhebt Vorwürfe gegen den Westen
Medwedtschuk forderte weiter: „Spielen Sie ehrlich, täuschen Sie niemanden, lassen Sie keinen Dunst herein und versuchen Sie nicht, mit dem Blut eines anderen Geld zu verdienen.“ Wenn das weltpolitische System jedoch nicht zu „elementarem Anstand fähig ist, geblendet von Stolz und eigenen wirtschaftlichen Interessen“, meinte der Putin-Freund, „dann erwarten uns noch schwierigere Zeiten“. (pm)

