Vom Sammeln von Maiskolben zu homophoben Äußerungen und autoritärem Regierungsstil: Viktor Orbán ist eine der kontroversesten Figuren in der EU-Politik.
Wien – Viktor Mihály Orbán, geboren am 31. Mai 1963 in Székesfehérvár, verbrachte seine Kindheit zunächst im Haus seiner Großeltern und später in den Dörfern Alcsútdoboz und Felcsút nahe Budapest. Er wuchs mit zwei jüngeren Brüdern auf und sammelte in seiner Kindheit abgebrochene Maiskolben der armen Bauern, wie in seiner offiziellen Biografie zu lesen ist.
| Name | Viktor Mihály Orbán |
|---|---|
| Geboren | 31. Mai 1963 |
| Geburtsort | Székesfehérvár |
| Partei | Fidesz |
| Amt | Ministerpräsident von Ungarn seit 2010 |
| Ehepartnerin | Anikó Lévai (verh. 1986) |
Seine Eltern, ursprünglich Arbeiter, bildeten sich weiter und wurden Agraringenieur und Lehrerin sowie Logopädin. Nach einigen Jahren wurde Viktor Orbán Jurist und gründete den Bund Junger Demokraten Fidesz. Nach dem Fall des Kommunismus wurde er Vorsitzender der Partei „Fidesz – Ungarischer Bürgerbund“ und diente von 1998 bis 2002 und seit 2010 als Ministerpräsident Ungarns. Heute ist er aufgrund seiner rechtskonservativen, oft homophoben Äußerungen und seines autoritären Regierungsstils einer der umstrittensten Politiker der Europäischen Union.
Viktor Orbán und seine Ausbildung
Nach seinem Abitur am Teleki-Blanka-Gymnasium in Székesfehérvár im Jahr 1981 leistete Orbán seinen Wehrdienst und begann anschließend ein Jurastudium an der Loránd-Eötvös-Universität in Budapest, das er 1987 abschloss. Während seines Studiums war er Mitbegründer eines nach dem Politologen István Bibó benannten Studienzentrums, das sich zu einem Hort der neuen, bürgerlich-liberalen Opposition gegen das kommunistische Regime entwickelte. Weitere wichtige Abschnitte in seinem Leben:
- Ab 1984 war er Gründungsredakteur der sozialwissenschaftlichen Zeitschrift Századvég und arbeitete kurzzeitig für das Institut für Führungskader des Landwirtschaftsministeriums und ab 1988 für die Soros Foundation of Central Europe Research Group, eine von George Soros gegründete pro-demokratische Organisation.
- Im März 1988 nahm er an einer Zusammenkunft des Geisteswissenschaftlichen Kollegs teil, bei der die Gründung von Fidesz beschlossen wurde. Orbán wurde ein wichtiges Mitglied und sprach sich für den Rechtsstaat aus. Er lehnte die Verwendung des Wortes „Sozialismus“ im Statut des Bundes ab und war gegen die Anerkennung der führenden Rolle der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei.
- Im April 1988 erhielt er eine polizeiliche Verwarnung und wurde mehrfach von der Staatsanwaltschaft vorgeladen. Er gründete eine Ortsgruppe von Fidesz in Szolnok, wurde Parteisprecher und im Oktober 1988 Mitglied des Landespräsidiums.
- 1989 erhielt er ein Stipendium der Soros-Stiftung für das Pembroke College in Oxford, wo er die Geschichte des englischen Liberalismus studierte.
- Im Juni desselben Jahres hielt er eine radikale Rede, in der er freie Wahlen und den Abzug der sowjetischen Truppen aus Ungarn forderte. Diese Rede machte ihn landesweit bekannt.
Orbáns Karriere in der Bundespolitik
Im Sommer 1989 nahm er als Vertreter von Fidesz an den Verhandlungen am „Dreieckigen Tisch“ teil, der den Übergang zur Demokratie aushandelte. Im September ging er nach England, um am Pembroke College zu studieren, kehrte jedoch im Januar 1990 nach Ungarn zurück, um an den ersten freien Parlamentswahlen teilzunehmen. Orbán wurde ins Parlament gewählt und war dort drei Jahre lang Fraktionsvorsitzender.
1993 wurde Orbán Parteichef von Fidesz und im Januar 1994 verkündete er das Parteiprogramm, das sowohl zum Ungarischen Demokratischen Forum als auch zur Ungarischen Sozialistischen Partei auf Distanz ging. Bei den Wahlen von 1998 gewannen Fidesz und seine Verbündeten die meisten Parlamentssitze. Während des Wahlkampfes ging er eine Koalition mit dem Bund Freier Demokraten und zwei kleineren liberalen Parteien ein und errang erneut ein Parlamentsmandat.
Viktor Orbán als Ministerpräsident
1995 änderte der Bund Junger Demokraten seinen Namen in „Fidesz – Ungarische Bürgerpartei“. Die Partei gab sich ein national-liberales Profil und gewann 1998 die Parlamentswahlen. Viktor Orbán wurde Ministerpräsident Ungarns. Als Fidesz 2000 beschloss, die Ämter des Partei- und des Regierungschefs zu trennen, verzichtete Orbán auf den Parteivorsitz und war fortan nur noch einfaches Vorstandsmitglied. Bis 2002 blieb er Ministerpräsident, als seine Partei die Parlamentswahlen gegen die oppositionellen Sozialisten verlor. Neuer Regierungschef wurde bis 2004 Péter Medgyessy.
2003 änderte die Partei ihren Namen erneut in „Fidesz – Ungarischer Bürgerbund“. Orbán wurde erneut Parteivorsitzender und seit Oktober 2005 ist er auch Vizepräsident der Europäischen Volkspartei. Bei den Parlamentswahlen 2010 errang Fidesz einen klaren Sieg und Orbán wurde zum zweiten Mal ungarischer Ministerpräsident. Am 10. Mai 2014 wurde er wiedergewählt.
Seine Auftritte, seine Ansichten
Seine zweite Amtszeit brachte ihm wegen seiner rechtskonservativen Äußerungen, seines autoritären Regierungsstils und der Einschränkung von Menschen- und Bürgerrechten in Ungarn international massive Kritik ein. In den Jahren 2010 und 2011 nutzte Orbán die Übermacht seiner Partei im Parlament, um eine Reihe gesetzgeberischer Maßnahmen durchzusetzen, die am 1. Januar 2012 zur Verabschiedung einer neuen Verfassung mit konservativen moralischen und religiösen Themen führten. Die neue Verfassung löste im In- und Ausland Proteste aus.
Als Reaktion auf ausländische Kritik zog die Regierung von Orbán ein vorgeschlagenes Mediengesetz zurück, das Fidesz eine bedeutende direkte Kontrolle über die Presse verschafft hätte. Die Regierung ging auch gegen die Zivilgesellschaft vor, indem sie Überraschungsinspektionen bei Nichtregierungsorganisationen durchführte. Orbán erklärte, er betrachte NROs, die aus dem Ausland finanziert wurden, als Agenten ausländischer Mächte, deren Aktivitäten genau überwacht werden müssen.
- 2015 errichtete die Regierung von Orbán einen Stacheldrahtzaun entlang der ungarischen Grenze zu Serbien, um die Welle von Migranten und Flüchtlingen zu stoppen, die in das Land einreisen wollten.
- 2019 verkündete Orbán, den Arbeitskräftemangel im Land zu bekämpfen, indem ungarischen Paaren 30.000 Euro geschenkt würden, wenn sie drei Kinder zeugen.
- 2021 wurde mit einer Verordnung der Verkauf von Kinderbüchern eingeschränkt, die von der heterosexuellen Norm abweichende Inhalte darstellen oder thematisieren.
Viktor Orbán und seine Familie
1986 heiratete Viktor Orbán die Juristin Anikó Lévai, mit der er heute fünf Kinder hat. Seine Gattin verbessert immer wieder sein Image, indem sie Kochbücher schreibt und sich mit Flüchtlingskindern fotografieren lässt. Die älteste Tochter Ráhel sorgt immer wieder für Schlagzeilen, weil ihr Unternehmer-Ehemann von Orbán Aufträge erhält. Öffentliche Ausschreibungen werden dabei oft umgangen oder ignoriert. Der einzige Sohn Gáspár ist ein ehemaliger, bekannter Fußballer in Ungarn.
Die Redaktion hat diesen Artikel verfasst und anschließend zur Optimierung nach eigenem Ermessen ein KI-Sprachmodell eingesetzt. Alle Informationen wurden sorgfältig überprüft. Hier erfahren Sie mehr über unsere KI-Prinzipien.