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Der CDU-Politiker Mario Voigt will Ministerpräsident Thüringens werden. Doch in Umfragen führt die AfD. Eine Koalition mit dem BSW schließt er wohl auch deshalb nicht aus.
Erfurt - Mario Voigt, Spitzenkandidat der CDU im Thüringer Wahlkampf, hält eine Koalition mit dem Bündnis Sahra Wagenknecht, kurz BSW, grundsätzlich für möglich. Das sagte er dem Tagesspiegel. Es gebe durchaus inhaltliche Überschneidungen mit dem BSW. Bisher gebe es aber kaum Kandidaten der Partei. Das BSW halte er auch deshalb „vor allem für eine große Blackbox“.
Weiter führte Voigt aus: „Aber was ich zu den Themen Migration und Bildung hier in Thüringen vom BSW höre, das ist realitätsnäher als das, was ich von Grünen, Linken oder SPD höre.“ Eine Koalition mit den Linken lehnt Voigt ebenso grundsätzlich ab wie mit der AfD.
Landtagswahl in Thüringen: CDU-Spitzenkandidat Voigt hält sich Koalition mit BSW offen
Ein Bündnis mit dem BSW in Thüringen hält sich der CDU-Kandidat hingegen explizit offen. „Ich halte wenig von Ausschließeritis“, erklärte das Präsidiumsmitglied der CDU. „Ich will stabile Verhältnisse im Freistaat, sage aber klar, dass die CDU ihre Grundüberzeugungen nicht über Bord werfen wird.“
Zum derzeit auf politischer Ebene hitzig diskutierten Thema Bürgergeld sagte Voigt dem Tagesspiegel, er halte nichts davon, dass Ukrainer es erhielten: „Ich halte das für einen vollkommen falschen Anreiz“, sagte Voigt. Menschen müssten in Arbeit gebracht werden, statt sie bedingungslos zu alimentieren, führte er aus. Zwar unterstütze er die Ukraine zum Beispiel in Hilfs-Initiativen. „Aber wenn ich höre, dass bei uns im Landkreis Eichsfeld 15 von 500 arbeitsfähigen Ukrainern arbeiten, dann geht das so nicht weiter.“
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Dass Ukrainer überhaupt Bürgergeld erhalten, bezeichnete er als „schwerer Fehler der Politik.“ Die Bevölkerung würde das als Ungerechtigkeit empfingen, „dass Ukrainer dieselben Ansprüche wie Deutsche haben, ohne jemals etwas im Land beigetragen zu haben“. Das deutsche Lebensmodell heiße nicht staatliche Vollversorgung, sondern Arbeit. „Das müssen wir deutlicher machen, nicht nur gegenüber den Ukrainern, sondern gegenüber allen, die hier leben wollen“, forderte der 47-Jährige.
In Umfragen liegt die CDU zweieinhalb Monate vor der Landtagswahl derzeit auf Platz zwei hinter der AfD, auf Rang drei folgt das BSW. Die vom Landesverfassungsschutz als erwiesen rechtsextremistisch eingestufte AfD von Spitzenkandidat Björn Höcke kommt der am Dienstag veröffentlichten Erhebung des Instituts Infratest dimap zufolge auf 28 Prozent, die CDU von Spitzenkandidat Voigt folgt mit 23 Prozent. Das BSW würde aus dem Stand 21 Prozent erreichen. (fmü/dpa)
