- VonBettina Menzelschließen
Während seines Besuchs in Schottland äußert sich Donald Trump zur Causa Epstein – und spricht von einer angeblichen Manipulation der Akten.
Turnberry – Der US-Präsident kann die Diskussion um den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein bislang nicht abschütteln. Unlängst enthüllte das Wall Street Journal, dass Donald Trumps Name mehrfach in den Epstein-Akten steht – und Justizministerin Pam Bondi ihm das im Mai mitgeteilt hatte. Bei einem Staatsbesuch in Schottland versuchte es der Republikaner nun mit einer neuen Taktik – und warf der Regierung unter Joe Biden vor, die Akten verfälscht zu haben. Epstein habe er schon vor über 20 Jahren zur „unerwünschten Person“ erklärt.
Trump deutet Möglichkeit der Begnadigung von Ghislaine Maxwell an
Im Wahlkampf hatte Trump versprochen, die Epstein-Akten zu veröffentlichen, dies aber bislang nicht getan. Nun beschuldigte der Republikaner seine politischen Gegner aus dem demokratischen Lager, ihn gezielt mit der Affäre in Verbindung bringen zu wollen. Die Epstein-Unterlagen seien „vom Feind“ und „vom schlimmsten Abschaum der Welt“ geführt worden, sagte Trump über die Regierung unter Joe Biden. Im Nachhinein sei es leicht, „etwas Falsches in die Akten zu tun“, behauptete der US-Präsident bei einem Auftritt vor der Presse am Montag (28. Juli) in der schottischen Stadt Turnberry. Beweise legte er nicht vor.
Zudem sprach Trump über eine mögliche Begnadigung der Komplizin von Epstein, Ghislaine Maxwell, die im Sommer 2022 zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde und im Gefängnis sitzt. Er als Präsident habe die rechtliche Möglichkeit, die Epstein-Vertraute zu begnadigen, betonte er am Montag. Bislang habe ihn jedoch niemand konkret darum gebeten. In den Medien werde über das Thema berichtet, „aber im Moment wäre es unangemessen, darüber zu sprechen“, sagte Trump weiter. In seiner zweiten Amtszeit hatte der Republikaner bereits Begnadigungen ausgesprochen. Etwa für Unterstützer, die wegen der Kapitol-Attacke vom 6. Januar verurteilt worden waren.
Beobachter gehen davon aus, dass eine Strafreduktion für Maxwell auch im eigenen Lager Trumps nicht gut ankäme. Zuletzt gab es von MAGA-Anhängern Kritik zum Umgang der Regierung mit den Epstein-Akten, etwa von der Rechtsaußen-Influencerin Laura Loomer oder dem rechtsextremen Radiomoderator Alex Jones. Selbst Jacob Angeli Chansley, bekannt als der „QAnon-Schamane“, hatte den US-Präsidenten scharf kritisiert. Chansley war einer der Angreifer auf das Kapitol, deren Strafe Trump erlassen hatte.
Weshalb die Freundschaft zu Epstein laut Trump zerbrach
Trump äußerte sich am Montag auch zu seiner Freundschaft mit dem früher gut in der High Society vernetzten Investmentbanker Epstein. „Ich habe jahrelang nicht mit Jeffrey Epstein gesprochen“, sagte der US-Präsident, wie ABC News berichtete. „Ich habe nicht mit ihm gesprochen, weil er etwas Unangebrachtes getan hat.“ Epstein habe Mitarbeiter „gestohlen“, Trump habe ihm gesagt: „Mach das nie wieder. [...]“ Und dann habe er es erneut getan. „Also habe ich ihn rausgeworfen, zur unerwünschten Person erklärt“, behauptete der Präsident über Epsteins Zugang zu seinem Luxusclub in Mar-a-Lago. Im Original sprach er von einer „persona non grata“.
Der Republikaner ist allerdings für seinen lockeren Umgang mit der Wahrheit bekannt: Während seiner ersten Amtszeit verbreitete Trump über 30.000 Lügen, wie die Washington Post einmal nachzählte. Virginia Giuffre – eine Frau, die Epstein des sexuellen Missbrauchs beschuldigte und im April Suizid beging – hatte laut ABC News angegeben, von Ghislaine Maxwell im Jahr 2000 in Donald Trumps Anwesen Mar-a-Lago angesprochen und zu Epstein gebracht worden zu sein.
Bei seinem Auftritt in Schottland teilte der US-Präsident der Presse außerdem mit, nie auf Epsteins Anwesen gewesen zu sein. „Ich hatte nie das Privileg, auf seiner Insel zu sein“, so der Republikaner wörtlich. Viele Leute in Palm Beach seien aber eingeladen worden. „In einem meiner sehr guten Momente habe ich es abgelehnt. Ich wollte nicht auf seine Insel.“
Versprechen gebrochen: Trump hält Veröffentlichung der Epstein-Akten weiter zurück
Trump hatte zuletzt vergeblich versucht, die öffentliche Debatte von Epstein auf andere Themen zu lenken. So brachte er etwa die Umbenennung des Football-Teams „Redskins“ ins Gespräch oder warf dem früheren Präsidenten Barack Obama eine Verschwörung vor. In einer seltenen öffentlichen Äußerung ließ Obama von seinem Sprecher mitteilen, Trumps „bizarre Anschuldigungen“ seien nur ein schwaches Ablenkungsmanöver.
Zuletzt hatte das Wall Street Journal auch aufgedeckt, dass Trump auch einen anzüglichen Brief an Epstein schrieb. Indes beantragte Ghislaine Maxwell am Montag am Obersten Gerichtshof der USA, ihre Verurteilung aufzuheben. Laut ihren Anwälten sei sie durch einen früheren Deal zwischen Epstein und den Behörden vor Strafverfolgung geschützt gewesen, hieß es in dem Dokument.
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