In einem Magazinbeitrag wirft eine australische Journalistin der Taliban vor, sie verfolgt, misshandelt und bedroht zu haben, um ihre Berichterstattung aus dem Land einzuschränken.
Kabul - Eine australische Journalistin wirft den militant-islamistischen Taliban vor, sie in Afghanistan bedroht und verfolgt zu haben. Wie Lynne O‘Donnell in einem am Mittwoch erschienenen Artikel in dem amerikanischen Magazin «Foreign Policy» schrieb, hätten die Taliban sie dazu gezwungen, sich auf sozialen Medien für Taliban-kritische Artikel zu entschuldigen. Der Fall sorgte besonders für Aufsehen, da die Taliban seit ihrer Machtübernahme im August 2021 stets betonten, die Pressefreiheit wahren zu wollen. «Ich habe Afghanistan nach einem dreitätigen Katz-und-Maus-Spiel mit den Taliban verlassen, die mich festgehalten, misshandelt und bedroht haben», schrieb O‘Donnell.
Lynne O‘Donnell hatte in einem Artikel darüber berichtet, dass Frauen und Mädchen ethnischer Minderheiten sowie Frauen ehemaliger Regierungsmitglieder und Soldaten Verschleppungen durch die Taliban fürchteten. In einem anderem hatte sie die Verfolgung von LGBTQ-Menschen durch die Taliban beschrieben. Unter Androhung von Gefängnisstrafe hätte sich O‘Donnell nach eigener Aussage für die Texte entschuldigen und schreiben müssen, sie ohne verlässliche Quellen verfasst zu haben. Auch andere westliche Journalisten seien in den vergangenen Tagen bedroht und aus Afghanistan verjagt worden, so die Australierin weiter.
Der Taliban-Sprecher Abdul Qahar Balkhi sagte am Donnerstag zu dem Vorfall, Lynne O‘Donnell sei lediglich dazu aufgefordert worden, Beweise für ihre Texte zu liefern. O‘Donnell hätte eingeräumt, diese nicht zu haben und daraufhin selber angeboten, sich auf sozialen Medien zu entschuldigen. Die Journalistin sei nach Angaben des Taliban-Sprechers zwar befragt worden, das jedoch, weil sie falsche Angaben zu ihrem Aufenthalt in Afghanistan getätigt habe.
Auch ein am Mittwoch erschienener UN-Bericht beschreibt Verfolgungen, Folter und Tötungen durch die Taliban, unter anderem von Journalisten, Protestlern, Menschenrechtsaktivisten und mutmaßlichen Widerstandskämpfern. Der Taliban-Sprecher Zabihullah Mujahid nannte den Bericht «Propaganda» und unwahr. «Überall wo ich in Kabul war, haben mir die Menschen von ihrer Angst, ihrem Verlust, ihrer Abscheu und ihrer Hoffnungslosigkeit berichtet», schrieb O‘Donnell. (dpa)