Vor Stichwahl in Polen: Demos in Warschau – Konkurrenten treffen sich zum Bier
VonSimon Schröder
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Alle Umfragen prognostizieren ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Bei der Stichwahl in Polen tritt Trzaskowski gegen Nawrocki an. Für die EU wird die Polen-Wahl ebenso wichtig.
Update, 15.40 Uhr: Kurz bevor die Stichwahl zur Polen-Wahl am 1. Juni beginnt, haben sich der liberale Kandidat Rafał Trzaskowski, Außenminister Radosław Sikorski und der rechtsextreme Politiker Sławomir Mentzen auf ein gemeinsames Bier getroffen. Das unerwartete Treffen der drei fand am Samstag, einen Tag vor den Großdemonstrationen in Warschau, in Mentzens Kneipe in Toruń statt. Außenminister Sikorski schrieb auf der Social-Media-Plattform X: „Für ein Polen, das vereint, nicht spaltet.“ Bei der Stichwahl steht auch für Europa viel auf dem Spiel. Sollte der rechtskonservative Karol Nawrocki gewinnen, könnte sich Polen weiter von der Europäischen Union abkapseln.
Die aktuellen Umfragen zur Stichwahl lassen ein spannendes Rennen zwischen Trzaskowski und Nawrocki vermuten. Heute haben beide jeweils zu einem großen Marsch aufgerufen. In Polen sind tausende Menschen auf den Straßen, um ihre Unterstützung für ihren jeweiligen Favoriten bei der Wahl zu bekunden.
Eine Woche bevor die Stichwahl in Polen stattfindet, sind tausende Menschen auf den Straßen, um ihre Unterstützung für einen der zwei Kandidaten zu bekunden. Hier der „Marsch der Patrioten“, die den liberalen und pro-europäischen Rafał Trzaskowski unterstützen.
Rumäniens designierter Präsident Dan auf Polen-Besuch: Unterstützung für den liberalen Trzaskowski
Update, 13.12 Uhr: Nicușor Dan, der designierte Präsident Rumäniens, stattet Polen einen Besuch ab. Vergangene Woche am Sonntag hatte der pro-europäische und liberale Dan die Stichwahl in Rumänien gewonnen. Jetzt unterstützte er den liberalen Kandidaten Rafał Trzaskowski bei der Polen-Stichwahl am 1. Juni.
Beim „Marsch der Patrioten“ erklärte Dan in Unterstützung für Trzaskowski: „Ich bin nach Warschau gekommen, weil wir dieselben Werte und Prioritäten haben. Polen hat Rumänien auf unserem Weg nach Europa stets unterstützt. Wahlen definieren eine Gemeinschaft und die Werte, die diese Gemeinschaft teilt. Wir glauben an Demokratie, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Meinungsfreiheit“, wie die polnische Zeitung Gazeta Wyoborcza den Rumänen zitiert. Weiter erklärte er: „Bei der Wahl geht es auch um Pragmatismus im Leben eines jeden von uns. Im globalen Wettbewerb können wir uns nur in einer vereinten Europäischen Union weiterentwickeln.“
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Vor Stichwahl in Polen: „Marsch der Patrioten“ gegen „Marsch für Polen“ heute
Erstmeldung: Warschau – Zwei Demonstrationen, zwei Kandidaten. Beide wollen die Präsidentschaftswahl in Polen gewinnen. Eine Woche vor der Stichwahl (1. Juni) setzen die Kandidaten auf ein öffentliches Kräftemessen. Wer bringt heute in Warschau die meisten Menschen auf die Straße? Der liberale Bewerber Rafał Trzaskowski hat zum „Marsch der Patrioten“ aufgerufen. Zeitgleich bittet sein Rivale Karol Nawrocki von der nationalkonservativen PiS zum „Marsch für Polen“.
Die Kundgebungen sollen die eigenen Anhänger motivieren – und die Unentschiedenen beeindrucken. Das zumindest ist die Hoffnung der beiden Lager, denn laut Umfragen steht es Spitz auf Knopf: Sowohl Trzaskowski als auch Nawrocki können bei der Abstimmung am kommenden Sonntag mit 47 Prozent der Stimmen rechnen.
Schicksalsentscheidung für Europa? Stichwahl in Polen mit Konsequenzen für die EU
Das Ergebnis der Wahl wird Polens weiteren Kurs maßgeblich bestimmen – mit Auswirkungen für Deutschland und Europa. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat das EU- und Nato-Land Polen an politischem Gewicht gewonnen. Dies zeigte kürzlich auch die Reise nach Kiew von Regierungschef Donald Tusk gemeinsam mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und dem britischen Premier Keir Starmer.
Tusk braucht den Sieg seines Kandidaten Trzaskowski, um seine Reformpolitik umzusetzen und den von der PiS beschädigten Rechtsstaat wieder herzustellen. Der bisherige Präsident Andrzej Duda, der aus den Reihen der PiS stammt, hat die meisten Gesetzentwürfe von Tusks Regierung mit seinem Vetorecht blockiert. Wird Nawrocki neues Staatsoberhaupt, dürfte er diese Blockadepolitik fortsetzen. Tusks Mitte-Links-Bündnis hat im Parlament nicht die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit, um das Veto des Präsidenten aufzuheben.
Wiederholt sich in Polen die Rumänien-Wahl? Ein liberaler pro-europäischer Kandidat gegen Rechts
Zumindest die Rumänien-Wahl könnte für Europa und die liberalen Stimmen in Polen Anlass zur Hoffnung sein. Hier waren die Seiten ähnlich ausgelotet. Der ultranationale George Simion verlor die Wahl gegen den pro-europäischen und liberalen Kandidaten Nicușor Dan. Ähnlich wie in Polen prognostizierten die Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Letztlich gewann der liberale Dan die Wahl souverän.
Polen, Bydgoszcz: Karol Nawrocki, Kandidat für die Präsidentschaftswahlen 2025, gestikuliert während des Wahlkampfes. Karol Nawrocki, der von der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) unterstützt wird, tritt in der zweiten Runde der polnischen Präsidentschaftswahlen am 1. Juni gegen den Präsidentschaftskandidaten Trzaskowski von der Bürgerlichen Koalition (KO) an, nachdem keiner der beiden Kandidaten in der ersten Runde am 18. Mai mehr als 50 Prozent der Stimmen erhalten hatte.
Wie Simion blickt Nawrocki scharf nach rechts. Denn dort gibt es für den 42-jährigen Kandidaten der PiS die meisten Wähler zu holen. Die erste Wahlrunde offenbarte einen für viele schockierend hohen Zulauf für zwei rechtsextreme Kandidaten. Der 38-jährige Unternehmer Sławomir Mentzen bekam fast 15 Prozent der Stimmen. Der Antisemit Grzegorz Braun landete bei mehr als sechs Prozent.
Beide schieden zwar aus dem Rennen aus, doch Mentzen möchte nun das Zünglein an der Waage spielen. Er hat Nawrocki und Trzaskowski einzeln in seine Youtube-Show eingeladen und ihnen seinen Acht-Punkte-Plan zur Unterschrift vorgelegt. Davon macht er seine Wahlempfehlung abhängig. Es wird nächsten Sonntag also spannend. Wie die Rumänien-Wahl, wird die Stichwahl in Polen auch für Europa wichtig sein.
Małgorzata Molęda-Zdziech, Soziologin und Politikwissenschaftlerin, warnt vor einem Sieg Nawrockis im Gespräch mit Euronews: „Wenn Karol Nawrocki Präsident werden würde, gäbe es meiner Meinung nach eine große Revolution im Bereich der internationalen Beziehungen.“ Ihre Befürchtung: „Die Wahlkampfaussagen von Karol Nawrocki sind voller falscher Darstellungen über die Europäische Union.“ Ein Treffen mit US-Präsident Donald Trump Anfang Mai zeige, wo der Schwerpunkt des polnischen Präsidentschaftskandidaten liege. (sischr/dpa)