VonKlaus Ehringfeldschließen
Die venezolanische Regierung bereitet das Land auf eine US-Invasion vor. Hinter den Kulissen soll Machthaber Maduro zu Zugeständnissen bereit sein.
Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro lässt die Bevölkerung des südamerikanischen Landes bewaffnen und begründet dies mit einem möglicherweise bevorstehenden US-Angriff. Im ganzen Land werden derzeit nicht nur die paramilitärischen bolivarischen Milizen trainiert, sondern auch Zivilpersonen. Rentnerinnen und Rentner werden an Gewehren ausgebildet.
US-Staatschef Donald Trump hatte zuvor den Druck auf die chavistische, linksnationalistische Regierung immer weiter erhöht, der die US-Regierung vorwirft, sie sei in den Drogenhandel involviert. Nun verstärkt Maduro Befürchtungen, die USA planten einen Angriff oder würden versuchen, gewaltsam einen Regimewechsel herbeizuführen. Ende der Woche wurden in den USA Berichte veröffentlicht, wonach Trump offenbar Optionen für mögliche Angriffe auf Drogenhändler in dem Land selbst vorbereitet. Das berichtet der Fernsehsender NBC News unter Berufung auf vier „mit der Angelegenheit vertraute Personen.“
Zuletzt sorgte das Versenken von drei Schnellbooten durch die US-Marine in der Karibik für Aufsehen, die laut US-Angaben Rauschgift aus Venezuela in die Vereinigten Saaten transportieren wollten. Dabei starben 17 Menschen. Die USA haben nahe venezolanischer Gewässer mehrere Kriegsschiffe, F-35-Kampfjets, Überwachungsflugzeuge und Drohnen positioniert.
Armee verteilt Gewehre
Verteidigungsminister Vladimir Padrino bezeichnete die Angriffe und den Einsatz der US-Marine als „nicht erklärten Krieg” der USA gegen Venezuela, der Präsident berief umgehend die Milizen ein. Seither geben Militärs in der Hauptstadt Caracas und anderen Orten unter dem Motto „Die Kasernen kommen zum Volk“ Kurse. Zivilistinnen und Zivilisten lernen den Umgang mit Waffen, um auf „den Feind“ reagieren zu können. Soldat:innen führen Panzer vor und verteilen russische Gewehre. Die meisten Freiwilligen, die an der Übung teilnehmen, haben keine Erfahrung im bewaffneten Kampf, aber was ihnen in der Hinsicht fehlt, machen sie mit Enthusiasmus wett. „Wenn ich im Kampf mein Leben lassen muss, werde ich es tun“, sagte ein Teilnehmer im Stadtviertel Petare, der sich als Anhänger der Regierung ausgab. Der autoritär regierende Maduro ist in Venezuela inzwischen seit zwölf Jahren an der Macht. Die Wirtschaftsleistung ist trotz der reichen Erdölvorkommen unter seiner Herrschaft stark zurückgegangen, Millionen Menschen sind angesichts der teils extremen Armut aus dem Land geflüchtet.
Seit Trumps Rückkehr ins Amt haben sich die Beziehungen zwischen Caracas und Washington dramatisch verschlechtert. Das venezolanische Kartell „Tren de Aragua“ deklarierte er zur terroristischen Vereinigung und rechtfertigt damit neben den Militäraktionen in der Karibik auch die Abschiebung venezolanischer Migrant:innen aus den USA. Zudem bezeichnete das Weiße Haus Maduro wiederholt als illegitimen Präsidenten und Chef eines venezolanischen „Narco-Terrorkartells“, gegen das nur „maximaler Druck“ und nicht Verhandlungen helfen könnten.
Die USA gehören zu einer Reihe von Nationen, welche die Wiederwahl Maduros im Juli 2024 nicht anerkannt haben; sie verweisen auf Beweise, die von der Opposition mit Hilfe unabhängiger Beobachter:innen gesammelt wurden. Die sollen belegen, dass Maduros Herausforderer Edmundo González die Wahl mit überwältigender Mehrheit gewonnen hat. González lebt im Exil, den Einsatz von US-Kriegsschiffen bezeichnet er in einem Video als „notwendige Maßnahme“, um kriminelle Strukturen zu zerschlagen.
Weitere Militäraktionen der USA in Venezuela könnten laut NBC in wenigen Wochen beginnen. Trump habe jedoch noch nichts genehmigt. Die USA und Venezuela verhandelten über Vermittler aus dem Nahen Osten miteinander, heißt es in dem Bericht. Maduro bot der Trump-Regierung gemäß der Nachrichtenagentur Bloomberg an, bei der Jagd nach Ganganführern zu helfen. „Ich bitte Sie höflich, Herr Präsident, sich durch konstruktiven Dialog und gegenseitiges Verständnis in der gesamten Hemisphäre für den Frieden einzusetzen“, zitiert Bloomberg wörtlich aus einem Schreiben Maduros an Trump.
Erfolg der US-Politik?
Die USA hätten mit ihrer Politik der Härte „etwas Undenkbares“ geschafft, sagt der Analyst Arturo McFields Yescas. „Sie haben Chaos und Verwirrung in den Reihen des Chavismus gesät.“ Yescas, ehemals Nicaraguas Botschafter bei der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), hält aber eine größere Invasion der USA in Venezuela nicht für wahrscheinlich. „Große Feldzüge“ gehörten der Vergangenheit an, militärische Drohnen hätten im Blick auf die Kriegsführung alles verändert. Maduro riskiere nicht das Schicksal von Panamas Machthaber Manuel Noriega zu erleiden, den eine US-Invasionsarmee 1989 aus seinem Land entführte, um ihm in den USA wegen des Vorwurfs des Rauschgifthandels vor Gericht zu stellen.
Er könne allerdings enden wie der iranische General Kassem Soleimani. Der Kommandeur der Al-Kuds-Brigaden, einer Sondereinheit der Iranischen Revolutionsgarden, war 2020 im Irak von den USA mit einer gezielten Drohnenattacke getötet worden.
