Vor dem orthodoxen Weihnachtsfest hat Russlands Machthaber Putin eine Feuerpause angeordnet. Sie ist kurz, soll aber ein ruhiges Fest ermöglichen.
Update vom 6. Januar, 14.45 Uhr: Während der von Russland einseitig erklärten Waffenruhe zum orthodoxen Weihnachtsfest haben ukrainische Soldaten im Donezker Gebiet das Feuer auf Stellungen des Feindes eröffnet. „Auf diese Weise gratulieren sie den Besatzern zum bevorstehenden Weihnachten!“, teilte das Verteidigungsministerium in sozialen Netzwerken mit. In der Kleinstadt Bachmut seien Stellungen der russischen Truppen mit 120-Millimeter-Mörsergranaten als „Geschenk“ beschossen worden. „Der Widerstand geht weiter, bis der letzte russische Eindringling auf ukrainischem Boden getötet ist!“, hieß es in der Mitteilung.
Während der Feuerpause verhängten die ukrainischen Behörden am Freitag für circa zwei Stunden einen Luftalarm im ganzen Land. Auslöser sollen nach Medienberichten mehrere über dem benachbarten Belarus aufgestiegene Flugzeuge der russischen Luftwaffe gewesen sein.
Putins Waffenruhe hat begonnen – Medwedew wettert über Baerbock und „europäischen Schweinestall“
Update vom 6. Januar, 10.30 Uhr: Die von Kremlchef Wladimir Putin am Donnerstag angekündigte einseitige Waffenruhe in der Ukraine zur orthodoxen Weihnacht ist am Freitagmittag Moskauer Zeit (10.00 Uhr MEZ) offiziell in Kraft getreten. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Feuerpause die angeordneten 36 Stunden hält, gilt als gering. Von Moskau eingesetzte Politiker in den besetzten Gebieten der Ukraine haben bereits deutlich gemacht, dass sie im Zweifel bereit seien, zu schießen. „Das bedeutet nicht, dass wir nicht auf Provokationen des Gegners antworten werden!“, schrieb etwa Russlands Donezk-Statthalter Denis Puschilin auf Telegram. West-Experten sehen indes vor allem zwei taktische Erwägungen als Gründe für die Feuerpause.
Nach Kiews Ablehnung der Feuerpause hat Russlands Ex-Präsident Dmitri Medwedew unterdessen die ukrainischen Politiker beschimpft. „Schweine haben keinen Glauben oder ein angeborenes Dankbarkeitsgefühl. Sie verstehen nur rohe Gewalt und fordern von ihren Herren quiekend Fressen“, schrieb der Vizechef des russischen Sicherheitsrats am Freitag in seinem Telegram-Kanal. Auch über Deutschlands Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) zog der 57-Jährige in dem Zusammenhang her.
Laut Medwedew hat die russische Führung den Ukrainern die „Hand christlicher Nächstenliebe“ ausgestreckt. Diese sei ausgeschlagen worden, auch weil der Westen den Weihnachtsfrieden nicht zugelassen habe. „Selbst das ungebildete Weib Baerbock und eine Reihe weiterer Aufseher im europäischen Schweinestall haben es geschafft, über die Unzulässigkeit einer Waffenruhe zu meckern“, schrieb Medwedew. Der Kreml hatte die Feuerpause damit begründet, Gläubigen die Möglichkeit geben zu wollen, an den Gottesdiensten teilzunehmen.
Putins „sogenannte Feuerpause“: Annalena Baerbock kritisiert die Waffenruhe
Update vom 5. Januar, 19.23 Uhr: US-Präsident Joe Biden hat die vom russischen Präsidenten Wladimir Putin anlässlich des orthodoxen Weihnachtsfests angeordnete Feuerpause in der Ukraine als Versuch Moskaus kritisiert, sich eine Atempause zu verschaffen. Putin sei am 25. Dezember und Neujahr dazu bereit gewesen, „Krankenhäuser und Kindergärten und Kirchen zu bombardieren“, sagte Biden am Donnerstag in Washington. „Ich denke, er versucht gerade, sich etwas Luft zu verschaffen“, sagte Biden.
Zuvor hatte bereits die Regierung in Kiew die am Donnerstag vom Kreml verkündete Waffenruhe als „reine Propaganda-Geste“ bezeichnet. Russland müsse „die besetzten Gebiete verlassen - nur dann wird es eine ‚vorübergehende Waffenruhe‘ geben. Behalten Sie die Heuchelei für sich“, schrieb der ukrainische Präsidentenberater Mychailo Podoljak auf Twitter.
Bundesaußenministerin Annalena Baerbock kritisierte die Waffenruhe auf Twitter als „sogenannte Feuerpause“, die den Menschen unter russischer Besatzung „weder Freiheit noch Sicherheit“ bringe. Putin wolle offenbar „den Krieg fortsetzen, nach kurzer Unterbrechung“.
Erstmeldung: München/Moskau – Unerwartete Entwicklung im Ukraine-Krieg: Kreml-Chef Wladimir Putin hat kurz vor dem orthodoxen Weihnachtsfest eine 36-stündige Waffenruhe in der Ukraine angekündigt. Gemäß dem Appell des russisch-orthodoxen Patriarchen Kirill habe Putin eine Feuerpause von Freitag ab 10.00 Uhr bis zum Samstag um 22.00 Uhr (mitteleuropäischer Zeit) angeordnet, teilte der Kreml am Donnerstag (5. Januar) mit. Die russische Armee soll demnach an der gesamten Front die Kämpfe einstellen.
In dem Gebiet der Gefechte würden sehr viele Orthodoxen leben, hieß es außerdem in der Mitteilung, aus der die russische Staatsagentur Tass zitierte. Daher rufe man die ukrainische Seite dazu auf, ebenfalls eine Feuerpause anzuordnen und somit der Bevölkerung zu erlauben, Gottesdienste zu besuchen. Die ukrainische Regierung dürfte dem Aufruf des Kreml allerdings nicht folgen. Kiew hatte eine solche Waffenruhe bereits nach dem Aufruf von Kirill als „zynische Falle“ abgelehnt
Direkt nach der Ankündigung aus dem Kreml äußerte sich der ukrainische Präsidentenberater Michailo Podoljak auf Twitter. „Erstens, die Ukraine greift keine fremden Territorien an und tötet keine Zivilisten, wie es Russland tut“, schrieb er. Die Ukraine zerstöre lediglich die „Besatzungsarmee“. Weiter hieß es: „Zweitens, Russland muss die besetzten Gebiete verlassen.“ Nur danach könne es eine „temporäre Waffenruhe“ geben: „Behaltet eure Heuchelei für euch selbst.“
Der Ukraine-Krieg in Bildern – Zerstörung, Widerstand und Hoffnung
Ukraine-Krieg: Putin ordnet Waffenruhe an – Ukraine lehnt „zynische Falle“
Das einflussreiche Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Kirill, hatte zuvor zu einer Waffenruhe in der Ukraine während der orthodoxen Weihnachtsfeier aufgerufen, damit Gläubige die Messen besuchen könnten. Die Ostkirchen feiern Weihnachten nach dem julianischen Kalender am 7. Januar.
Auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan forderte in einem Telefonat mit Putin am Donnerstag eine „einseitige Waffenruhe“, wenngleich aus der Mitteilung des türkischen Präsidialamtes nicht eindeutig hervorging, dass er sich dabei an die russische Seite richtete. (bb/dpa)