VonMarcus Giebelschließen
Die Linke nutzte die Sorgen in der Gesellschaft jüngst für verbale Angriffe auf die Ampel-Regierung. Doch mittlerweile droht ein Bruch in der Partei selbst - wegen Sahra Wagenknecht.
München - Bei den Linken geht offenbar tatsächlich die Angst vor einer Abspaltung zahlreicher Mitglieder um. Zumindest lassen Aussagen von Parteichef Martin Schirdewan diesen Schluss zu. Der 47-Jährige appellierte an alle Mitglieder der im Abwärtstrend befindlichen Partei, an einem Strang zu ziehen. Zudem hätten sie alle die Pflicht, die Partei gemeinsam zu stärken.
„Ich denke generell, dass das öffentliche Kokettieren mit der Gründung neuer Parteien der Linken nicht guttut“, sagte Schirdewan. Gegenüber IPPEN.MEDIA sprach Wagenknecht im Juli von einem „Aufruf zu einer populären Linken“. Schirdewan spielte nun auch auf die Reaktionen auf jüngste Äußerungen von Sahra Wagenknecht an, die Deutschland angesichts der Sanktionen infolge des Ukraine-Kriegs in einem Wirtschaftskrieg mit Russland wähnt und die Grünen als „gefährlichste Partei im Bundestag“ bezeichnete. Für beide Standpunkte musste die ehemalige Linke-Fraktionsvorsitzende viel Kritik aus verschiedenen Parteien einstecken. Auch Parteiaustritte waren die Folge.
Wagenknecht brüskiert Spitze der Linken: Plant sie die Gründung einer eigenen Partei?
Beobachter spekulieren bereits seit einigen Tagen, ob die klare Kante der Frau von Ex-Linke-Chef Oskar Lafontaine womöglich die Gründung einer eigenen Partei vorbereiten soll. Immerhin brüskiert Wagenknecht mit ihren Auftritten die Spitze um Schirdewan, die ohnehin schwer zu schlucken hat an den jüngsten Wahlergebnissen.
Bei keiner der vier Landtagswahlen in diesem Jahr erreichte die Linke auch nur drei Prozent der abgegebenen Stimmen. Lediglich in neun Länderparlamenten ist sie noch vertreten. Da ist es nur zu verständlich, dass ein Zerfall um wohl jeden Preis abgewendet werden soll.
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Wagenknecht mit Angriff auf Grüne: Schirdewan sieht AfD als gefährlichste Partei im Bundestag
Daher plädierte Schirdewan, der erst seit Juni die Geschicke gemeinsam mit Janine Wissler leitet, für Dialog und Verständigung innerhalb der Partei: „Und alle sind eingeladen, diesen Weg mit uns, mit der Parteispitze, mit der Fraktionsspitze, zu gehen. Punkt.“
Kritik an der Regierung sei quasi erwünscht - immerhin ist die Linke ja Oppositionspartei. Wichtig sei jedoch dabei immer die Form. Denn es dürfe kein Klima entstehen, „wo die Politiker der Verächtlichmachung preisgegeben werden. Das darf nicht passieren.“ Zugleich verdeutlichte Schirdewan auch, welches für ihn die gefährlichste Partei im Bundestag darstellt: die AfD. Die ist aus Linke-Sicht bekanntlich auch am anderen Ende des politischen Spektrums angesiedelt. (mg)

