VonAndreas Schwarzkopfschließen
BSW-Chefin Sahra Wagenknecht muss eine parteiinterne Niederlage in Thüringen hinnehmen. Das ist ein gutes Zeichen für ihre Partei. Der Kommentar.
Frankfurt am Main – Die krachende Niederlage für BSW-Chefin Sahra Wagenknecht ist ein Sieg für die Demokratie. Denn der BSW-Landesverband Thüringen hat sich beim Parteitag nicht nur für seine Chefin Katja Wolf und damit die Brombeer-Koalition als wohl letzte Bastion gegen eine AfD-Vorherrschaft im Freistaat ausgesprochen. Er hat damit auch mehr innerparteiliche Mitbestimmung ermöglicht und den Alleinherrschaftsanspruch der Parteigründerin in die Schranken gewiesen.
Damit ist zwar die Krise in Thüringen beendet, aber noch nicht die der Bundespartei. Denn im Freistaat haben jene Kräfte gewonnen, die mit der jungen Partei Politik mitgestalten und nicht nur in der Daueropposition andere kritisieren wollen. Letzteres steht allerdings dem Geschäftsmodell Wagenknechts entgegen, die bisher in der Rolle der Besserwisserin erfolgreich war.
Sahra Wagenknecht erleidet Niederlage – Unmut im BSW
Außerdem zeigt sich, dass es nicht hilfreich ist, für eine Niederlage wie die des BSW bei der Bundestagswahl und dem damit verpassten Einzug ins Parlament mit Wolf nur eine Person verantwortlich zu machen. Besser wäre gewesen, die Gründe zu analysieren, um dann Strategie oder Inhalte, falls nötig anzupassen. So zog bei der Gründung des BSW vor gut einem Jahr noch die Forderung nach einer schärferen Migrationspolitik. Inzwischen ist sie im Mainstream angekommen.
Ähnliches gilt für die Forderung nach einem Frieden im Ukraine-Krieg. Der gewachsene innerparteiliche Unmut über die zentralistisch organisierte Partei kommt hinzu, wie der Zwist in Hamburg gezeigt hat.
Das Bündnis Sahra Wagenknecht wird Antworten auf diese Herausforderungen geben müssen. Dann könnte Wagenknechts Niederlage ein Neubeginn für die Partei sein und nicht der Anfang vom Ende. Ob so eine Wende bei Wählerinnen und Wählern allerdings ankommt, steht auf einem anderen Blatt. Das Wahlvolk ist fragmentiert und das Angebot von Parteien mit nationalistischen Tönen wie dem BSW reicht von AfD über CDU/CSU bis hin zur FDP.
