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Der Einfluss der Wagner-Gruppe im Ukraine-Krieg wächst. Bislang ist wenig bekannt über die Söldner – einige konnten nach ihrem Tod identifiziert werden.
Moskau – Im Ukraine-Krieg wächst der Einfluss der Wagner-Söldner unter Führung von „Putins Koch“ Jewgeni Prigoschin. Der Wagner-Chef hat immer wieder die militärischen Erfolge der Gruppe betont. Die paramilitärische Organisation verbreitet jedoch nicht nur in Russland Angst. Was ist bekannt über die Söldner, die für die berüchtigte Wagner-Truppe kämpfen?
Söldner, die für die Wagner-Gruppe kämpfen, offenbar wegen Mord und Totschlag verurteilte Häftlinge
Die Nachrichtenagentur Reuters konnte 39 von 200 russischen gefallenen Soldaten, die in der russischen Region Bakinskaya begraben wurden, identifizieren. Bei vielen der Begrabenen würde es sich um Wagner-Söldner handeln, was sich laut auch im Gespräch mit den Angehörigen bestätigen ließ. 10 der Gefallenen seien wegen Mordes oder Totschlags inhaftiert gewesen, 24 Personen wegen schwerer Körperverletzung und Raub. Unter ihnen sind laut Angaben von Reuters auch Alkoholiker und Langzeit-Insassen gewesen. Reuters identifizierte unter Berufung von Gerichtsakten den als Auftragskiller überführten Anatoly Bodenkov und wegen Mordes inhaftierten Viktor Deshko unter den gefallenen Söldnern.
Im Ukraine-Krieg sind laut Angaben des US-Geheimdiensts bislang 50.000 Söldner im Einsatz. Davon seien 40.000 aus Gefängnissen rekrutiert worden, denen nach einem sechsmonatigen Dienst die Freiheit versprochen wurde. Derzeit seien von den 50.000 nur noch 10.000 Söldner übrig, die an der Front kämpfen, wie die russische Aktivistin Olga Romanowa jüngst in einem Interview mit My Russian Rights mitteilte. Bestätigen ließ sich diese Angabe noch nicht.
Söldner der Wagner-Gruppe als „Kanonenfutter“ an die Kriegsfront geschickt
Über die Hintergründe von Wagner-Soldaten gibt es genauso wenig Auskunft wie über die Zustände der Söldner in den Truppen. Seit geraumer Zeit häufen sich aber Berichte, wie die Söldner und russische Soldaten als „Kanonenfutter“ an die Kriegsfront geschickt werden. Das bestätigte wohl auch ein ehemaliger Wagner-Söldner im Gespräch mit dem britischen Guardian. „Die Häftlinge werden als Kanonenfutter genutzt, als Fleisch“, sagte offenbar Andrej Medwedew, ein Ex-Kommandeur der Wagner-Söldnertruppe. Nach schweren Gefechten seien nur wenige Söldner am Leben geblieben.
Um die Personallücken im Zuge dieser Verluste zu beheben, rekrutiert die Wagner-Gruppe wohl auch in Serbien oder Gefängnissen der Zentralafrikanischen Republik. Die Wagner-Gruppe lockt auch ukrainische Häftlinge und auch Deutsche kämpfen wohl für Putins Wagner-Gruppe und erhalten im Gegenzug 70.000 Dollar Monatslohn.
Wagner-Gruppe wird im Ukraine-Krieg immer bedeutsamer – wird Prigoschin für Putin zum Problem?
Mit zunehmender Bedeutung der Söldner-Truppe für den Kreml wächst auch die Konkurrenz zwischen staatlichen Stellen und dem Chef der Wagner-Gruppe. Prioschin baut seine Macht in Russland weiter aus und bedient sich dabei offenbar vermehrt einer PR-Kampagne in eigener Sache. Einst bekannt als Putins „Schattenarmee“ tritt die Gruppe tritt zunehmend aus dem Schatten – davon zeugen auch öffentliche Kampagnen. Der Vertraute des Regierungschefs Wladimir Putins könnte für den Präsidenten zum Problem werden.
„Wir sehen wachsende Spannungen zwischen Wagner und dem russischen Verteidigungsministerium“, sagte John Kirby, Sprecher für nationale Sicherheit im Weißen Haus. Tatsächlich kritisierte Prigoschin die russische Administration zuletzt immer wieder deutlich und öffentlich. Unter anderem hatte der Söldner-Chef Mitarbeitern des Kremls Verrat vorgeworfen und hatte gemeinsam mit Tschetscheniens Präsidenten Ramsan Kadyrow Kritik am Bartverbot ausgeübt. Auch die Militärführung kritisierte er scharf. Dass Putin sich von Prigoschin neulich distanziert hat, könnte ein weiteres Indiz für eine Spannung beider Machthaber sein. (bohy)
