Wahl in Moldau: Volksentscheid für die EU – Putins Einfluss hält an
VonFranziska Schwarz
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Die westlich orientierte moldauische Staatschefin Sandu äußert nach der Wahl und dem EU-Referendum massive Vorwürfe des Stimmenkaufs. Was passiert nun?
Chisinau – Knapper Sieg für die Pro-Europäer in Moldau: Bei dem Referendum hat sich eine hauchdünne Mehrheit für eine Verankerung des EU-Beitritts in der Verfassung ausgesprochen. Laut dem offiziellen Endergebnis vom Montag (21. Oktober) gewann das „Ja“-Lager mit 50,46 Prozent der Stimmen – und Präsidentin Maia Sandu machte einen „beispiellosen Angriff“ auf die Demokratie für den knappen Ausgang verantwortlich.
Zuvor hatte es bereits nach einem Sieg des „Nein“-Lagers ausgesehen. An der Abstimmung teilgenommen hatten fast 50 Prozent der Wahlberechtigten, womit das Quorum für die Gültigkeit deutlich überschritten wurde.
Weiter rief Sandu die Menschen im Land auf, bei der zweiten Runde der Präsidentschaftswahl am 3. November ihre Stimme abzugeben. Sie kam zwar auf mehr als 42 Prozent der Stimmen, muss jetzt aber in eine Stichwahl. Der Kandidat der russlandfreundlichen Sozialisten, Alexandr Stoianoglo, war mit 26 Prozent erfolgreicher als erwartet.
Manipulation durch Russland bei Moldau-Wahlen? Beobachter warnen
Nach Angaben des Europarats verlief der Wahltag in Moldau für beide Abstimmungen „ruhig und gut organisiert“. Viele internationale Akteure und zivilgesellschaftliche Organisationen hätten jedoch erklärt, dass Moldau das Ziel eines „vom Ausland gesteuerten Hybridkrieges“ sei.
So sagte etwa EU-Kommissionssprecher Peter Stano zur Tagesschau: „Wir stellen fest, dass die Abstimmung mit einer beispiellosen Einmischung und Einschüchterung durch Russland und einherging.“ Es gebe „glaubwürdige“ Berichte über versuchten Stimmenkauf, und überdies Propaganda, die Russland und seine Stellvertreter in Moldau verbreiteten.
Russland fordert Beweise für Wahlmanipulation in Moldau
Auch Sandu bezog sich mit ihrem Vorwurf auf mutmaßliche russische Wahleinmischungen. Sie hatte Moskau wiederholt beschuldigt, sich politisch in der ehemaligen Sowjetrepublik einzumischen.
Anfang des Monats hatte die moldauische Polizei einen groß angelegten Wahlbetrug aufgedeckt, bei dem mehr als 100.000 Menschen bestochen worden sein sollen, um im Sinne Moskaus abzustimmen. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sprach am Montag von „ziemlich ernsten Anschuldigungen“. Er forderte Sandu auf, dafür Beweise vorzulegen.
Auf dem Weg nach Europa: Die Aufnahmekandidaten der EU
Baerbock nach Referendum in Moldau erleichtert – Angst vor Putin
Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) indes bezeichnete das Votum zugunsten eines EU-Beitritts als „eine große Erleichterung für uns alle“. Der russische Präsident Wladimir Putin habe am 24. Februar 2022 nicht nur die Ukraine, sondern auch Moldau angegriffen, „in dem Fall nicht mit der Armee, sondern auch hier mit einer hybriden Kriegsführung“, betonte Baerbock. Moskaus Ziel sei es dabei gewesen, Moldau einzunehmen, „ohne dass man mit Truppen einmarschiert“.
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs befürchten viele Moldauer, dass Moskau ihr Land als Nächstes angreifen könnte. Sorge bereitet vielen auch die Lage in der russischsprachigen Region Transnistrien, die sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion von Moldau abgespalten hatte. (frs mit AFP und dpa)