VonFlorian Naumannschließen
Die Landtagswahl in Schleswig-Holstein verspricht bestenfalls Spannung bei der Koalitionsbildung. Doch kurz vor dem Wahltag muss der Favorit in Corona-Isolation.
Kiel - Just zwei Wochen vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein muss Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) in Corona-Isolation: Ein routinemäßiger Selbsttest am Sonntagnachmittag (24. April) fiel positiv aus, wie die Staatskanzlei in Kiel am Montag mitteilte. Bestätigung habe ein PCR-Test am Montagmorgen erbracht.
Gesundheitlich geht es dem 48 Jahre alten Landesvater offenbar gut: Der 48-Jährige sei in häuslicher Isolation, symptomfrei und führe die Amtsgeschäfte vorläufig von zu Hause in Eckernförde weiter, hieß es. Allerdings kommt der erzwungene Rückzug aus der Öffentlichkeit politisch zur Unzeit: Der Landtagswahlkampf geht in die heiße Phase. Und auch ein geplantes TV-Triell wird betroffen sein. In Schleswig-Holstein wird schon am 8. Mai gewählt.
Wahl in Schleswig-Holstein: Günther hat Corona – Sonderlösung für TV-Triell nötig
Denn für diesen Dienstagabend ist im NDR-Fernsehen ein Triell mit Günther und den Herausforderern Thomas Losse-Müller (SPD) und Monika Heinold (Grüne) vorgesehen. Günther kann nun nicht live dabei sein. „Wir schalten ihn dazu“, sagte ein NDR-Sprecher der dpa. Die anderen Parteien seien damit einverstanden.
Dass die Corona-Probleme entscheidenden Einfluss auf das Wahlergebnis haben werden, ist vergleichsweise unwahrscheinlich: Nach einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage von Infratest dimap zur Schleswig-Holstein-Wahl liegt die CDU mit 38 Prozent klar vorn. Es folgen die SPD mit 20, die Grünen mit 16 und die FDP mit 9 Prozent. Das bedeutet einen massiven Vorsprung der Union – und zugleich, dass eine Ampel-Koalition nach Berliner Vorbild keine Mehrheit hätte. Eine Option hingegen ist Schwarz-Grün. Womöglich auch deshalb liegen Grüne und FDP in Schleswig-Holstein im Clinch.
- CDU: 38 Prozent
- SPD: 20 Prozent
- Grüne: 16 Prozent
- FDP: 9 Prozent
- AfD: 6 Prozent
- SSW: 4 Prozent (ohne Fünfprozenthürde)
- Sonstige: 7 Prozent
- Quelle: infratest dimap/NDR [1172 Befragte von 13. bis 19. April]
Zudem liegt Günther als Person in der Wählergunst massiv vorn. Laut der Umfrage im Auftrag des NDR würden sich bei einer hypothetischen Direktwahl 62 Prozent der Befragten für den CDU-Politiker entscheiden. Auf den Plätzen folgen Heinold mit 10 und Losse-Müller mit 8 Prozent. Sogar unter SPD-Wählern ist Günther der Erhebung zufolge beliebter als der Sozialdemokrat Losse-Müller.
Landtagswahl Schleswig-Holstein: Covid-Infektion nach Wahlkampf-Marathon für Günther
Unangenehm ist der Wahlkampf-Stopp dennoch. Günther hatte in jüngster Zeit zahlreiche Wahlkampftermine mit vielen Begegnungen absolviert. Am Sonntag war er auch in Hamburg in der mit 13.200 Zuschauern ausverkauften Barclays-Arena beim Sieg des THW Kiel im Finale um den DHB-Pokal gegen den SC Magdeburg dabei. Am Freitag lieferte er sich in Rendsburg im Boxring beim „Politboxen“ vor hunderten Zuschauern einen harten verbalen Schlagabtausch mit den anderen Spitzenkandidaten Losse-Müller, Heinold und Bernd Buchholz (FDP). Tags zuvor war Günther in Kiel Gastgeber einer Ministerpräsidentenkonferenz der norddeutschen Länder. Stundenlang berieten die Regierungschefs miteinander, aßen zusammen Mittag und besuchten eine Werft.
Aufgrund zahlreicher Kontakte habe sich Günther in den vergangenen Wochen täglich teilweise mehrfach getestet, um die größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten, hieß es am Montag weiter. Ein Selbsttest am Sonntagmorgen sei noch negativ ausgefallen.
Derweil befindet sich die Günther-CDU kurz vor der Schleswig-Holstein-Wahl im Höhenflug: Eine Umfrage deutet auf massiven Sieg hin - während zwei Parteien leiden. (dpa/fn)
