Bittere Pille für Trump: Republikaner sind skeptisch – Biden in Umfrage vorn
VonTadhg Nagel
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Die US-Wahl bleibt ein knappes Rennen. Zum ersten Mal liegt Joe Biden in der Befragung eines republikanischen Instituts vorn. Mehr als bloßer Zufall?
Washington, D.C. – Alles deutet in den USA auf ein erneutes Duell zwischen Joe Biden und Donald Trump bei der US-Wahl im November hin. In den Umfragen lag lange Zeit der Republikaner vorne. Doch in den aktuellsten Befragungen ist ein anderer Trend zu verzeichnen. Hier hat Biden teilweise schon die Führung übernommen.
Nur ergab eine Umfrage von Echelon Insights unter 1020 Personen, die wahrscheinlich wählen gehen werden, dass 49 Prozent der Befragten entweder sicher, wahrscheinlich oder eher für Biden stimmen würden. 46 Prozent würden sich hingegen für Trump entscheiden. Von den Befragten bezeichneten sich 38 Prozent als Demokraten, 37 Prozent als Republikaner und 23 Prozent als unabhängig; die Fehlermarge lag bei +/- 3,9 Prozentpunkten.
Kandidat
Ergebnis in %
Joe Biden
49
Donald Trump
46
Ein ähnliches Ergebnis ergab sich bei der Frage, die ein größeres Feld umfasste. Hier konnten die Befragten auch für Robert Kennedy Jr., Cornel West und Jill Stein stimmen.
Biden gegen Trump – „ein enges Rennen zwischen zwei unpopulären Kandidaten“
Auch wenn andere Umfragen ein ähnliches Ergebnis liefern oder nach wie vor einen knappen Vorsprung Trumps prognostizieren, weist die Befragung von Echelon Insights eine entscheidende Besonderheit auf. Sie ist die erste Erhebung, die von einem republikanischen Meinungsforschungsinstitut durchgeführt wurde, aber dennoch zeigt, dass Biden in Führung liegt. Das Unternehmen Echelon Insights wurde von dem ehemaligen republikanischen Digitalstrategen Patrick Ruffini und der Meinungsforscherin Kristen Soltis Anderson mitbegründet.
Mark Shanahan, außerordentlicher Professor für Politik an der Universität von Surrey in Großbritannien, sagte gegenüber dem US-Nachrichtenportal Newsweek, das Rennen sei „knapp“ und eine Umfrage reiche nicht aus, um das Ergebnis zu bestimmen. „Wir sollten nie zu viel Wert auf die Ergebnisse einer einzigen Umfrage legen, und alles, was wir im Moment wirklich sagen können, ist, dass dies ein enges Rennen zwischen zwei unpopulären Kandidaten ist“, so Shanahan.
Suggerieren, „dass Biden immer noch im Rennen ist“ – Republikaner von der Angst gepackt
Trotzdem, so vermutet Shanahan, könnte hinter dem Ergebnis von Echelon Insights mehr stecken. „Diese Umfrage wurde durchgeführt, kurz bevor Trumps Prozess gegen Stormy Daniels in New York begann, ein Prozess, der Trumps Ansehen außerhalb seiner Basis schaden könnte, vor allem bei den gemäßigten rechtsgerichteten Leuten, die er braucht, wenn er gewinnen will“, so der Professor für Politik gegenüber dem Portal. Die aktuelle Umfrage ziele also möglicherweise darauf ab, „ihre Unterstützung zu stärken, indem sie suggeriert, dass Biden immer noch im Rennen ist“.
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Überhaupt spiele „der Faktor Angst“ bei dem Kopf-an-Kopf-Rennen eine große Rolle, „wenn es darum geht, die Menschen zu überzeugen“. Laut Shanahan treibt die Panik vor einer zweiten Amtszeit Trumps Demokraten und Unabhängige zur Wahl. Die Republikaner hätten erkannt, dass der gegenwärtige „Präsident im November durch ihre Selbstzufriedenheit“ erneut ins Weiße Haus einziehen könnte. Man versuche also „diese Angst bei den GOP-Wählern zu schüren“, um sie zu einer Wahl Trumps zu bewegen.
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Um sich vom jeweils anderen abzugrenzen, setzen beide Kandidaten zudem verstärkt auf wirtschaftspolitische Versprechen, wie die US-Nachrichtenwebsite CNN schreibt. Bei einer Spendengala in Florida, erklärte Trump demnach, dass eines seiner Kernthemen für eine zweite Amtszeit die Verlängerung der umfassenden Steuersenkungen sein würde, die die Republikaner im Kongress 2017 beschlossen haben.
Biden versuche sich entgegen dieses Vorhabens zu positionieren, indem er sich auf seine Pläne konzentriere, die Steuern für die reichsten Personen und Unternehmen zu erhöhen. Zudem habe sein Team zuletzt immer wieder die positiven Aspekte der Wirtschaft hervorgehoben. Darunter fallen die niedrige Arbeitslosigkeit, die Lohnzuwächse und der allgemeine Abwärtstrend der Inflation, die zu Beginn der Amtszeit ihren höchsten Stand erreicht hatte. (tpn)