Ukraine-Krieg

Moskau in Aufregung: Top-General enthüllt russische Truppenverluste

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Kaum etwas hält Russland so geheim wie seine Verlustzahlen im Ukraine-Krieg. Ein Elite-Kommandeur äußert sich dazu. Das Video wird sofort gelöscht.

Moskau – Offenbar sind im Ukraine-Krieg bisher mindestens 8.500 russische Fallschirmjäger verwundet worden. Diesen seltenen Einblick in die Kriegsbilanz Russlands hat der Kommandeur der russischen Luftlandetruppen (WDW), Michail Teplinski, gegeben, wie unabhängige russische und ukrainische Medien berichteten.

Top-General gibt seltenen Einblick in russische Verlustzahlen - Kreml interveniert

In einer Videobotschaft Anfang August machte Teplinski demnach Angaben, aus denen sich diese Zahl ableiten lässt. Er sprach von „5000 verwundeten Fallschirmjägern“, die in den vergangenen 17 Monaten nach ihrer Behandlung an die Front zurückgekehrt seien, und von „3500 unserer Verwundeten“, die sich geweigert hätten, „die Front überhaupt zu verlassen“.

Ukraine-Krieg reicht jetzt bis nach Moskau: Fotos zeigen den Schaden durch Drohnen-Angriffe

Mehrere Wohngebäude werden geringfügig beschädigt, zwei Menschen leicht verletzt.
Am frühen Dienstagmorgen meldete die russische Hauptstadt verschiedene Drohnenangriffe. © IMAGO/Vitaly Smolnikov/Tass
Russlands Verteidigungsministerium machte die Ukraine dafür verantwortlich und spricht von „Terror“. Die Führung in Kiew weist die Beschuldigungen zurück.
Russlands Verteidigungsministerium machte die Ukraine dafür verantwortlich und spricht von „Terror“. Die Führung in Kiew weist die Beschuldigungen zurück. © IMAGO/Vitaly Smolnikov/Tass
Mitarbeiter des Rettungsdienstes nach einem gemeldeten Drohnenangriff in Moskau, Russland, vor einem Wohnblock.
Mitarbeiter des Rettungsdienstes nach einem gemeldeten Drohnenangriff in Moskau, Russland, vor einem Wohnblock. © IMAGO/Aleksey Nikolskyi/SNA
„Heute Morgen hat das Kiewer Regime einen Terrorakt mit unbemannten Flugkörpern auf Objekte der Stadt Moskau verübt“, hieß es vom russischen Militär.
„Heute Morgen hat das Kiewer Regime einen Terrorakt mit unbemannten Flugkörpern auf Objekte der Stadt Moskau verübt“, hieß es vom russischen Militär.  © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Verteidigungsminister Sergej Schoigu lobte die eigene Flugabwehr. Insgesamt seien acht Drohnen zerstört worden.
Verteidigungsminister Sergej Schoigu lobte die eigene Flugabwehr. Insgesamt seien acht Drohnen zerstört worden. © Tass/IMAGO/Vitaly Smolnikov
Nach den Drohnen-Angriffen sperrten Sicherheitskräfte die Gegend ab.
Nach den Drohnen-Angriffen sperrten Sicherheitskräfte die Gegend ab. © IMAGO/Denis Bocharov
In sozialen Netzwerken hingegen vermuten viele, dass in Wirklichkeit viel mehr der kleinen Apparate - die optisch etwas wie Mini-Flugzeuge aussehen - auf Moskau zuflogen.
In sozialen Netzwerken hingegen vermuten viele, dass in Wirklichkeit viel mehr der kleinen Apparate - die optisch etwas wie Mini-Flugzeuge aussehen - auf Moskau zuflogen. © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Seit Wochen schon häufen sich Attacken auch in Russland - meist jedoch in der unmittelbaren Grenzregion zur Ukraine und nicht auf zivile Objekte.
Seit Wochen schon häufen sich Attacken auch in Russland - meist jedoch in der unmittelbaren Grenzregion zur Ukraine und nicht auf zivile Objekte.  © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Es war aber nicht das erste Mal seit Beginn des Kriegs vor mehr als 15 Monaten, dass Drohnen bis in die Hauptstadt flogen.
Es war aber nicht das erste Mal seit Beginn des Kriegs vor mehr als 15 Monaten, dass Drohnen bis in die Hauptstadt flogen. © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Erst Anfang Mai wurden zwei Flugkörper unmittelbar über dem Kreml abgefangen. Das brachte spektakuläre Bilder.
Erst Anfang Mai wurden zwei Flugkörper unmittelbar über dem Kreml abgefangen. Das brachte spektakuläre Bilder. © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Damals wurde aus Sicht der Moskauer aber nicht das Dach des eigenen Gebäudes getroffen, sondern der Amtssitz von Präsident Wladimir Putin - und der war zum besagten Zeitpunkt nicht zuhause.
Damals wurde aus Sicht der Moskauer aber nicht das Dach des eigenen Gebäudes getroffen, sondern der Amtssitz von Präsident Wladimir Putin - und der war zum besagten Zeitpunkt nicht zuhause. © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Nun aber ist die Verunsicherung in der Riesenmetropole mit mehr als 13 Millionen Einwohnern groß. Die sozialen Netzwerke quellen über.
Nun aber ist die Verunsicherung in der Riesenmetropole mit mehr als 13 Millionen Einwohnern groß. Die sozialen Netzwerke quellen über. © IMAGO/Vitaly Smolnikov/Tass

Das Video seiner Rede entstand anlässlich des „Tages der Luftlandetruppen“ und wurde vom Fernsehsender Swesda veröffentlicht. Der Sender wird vom russischen Verteidigungsministerium betrieben. Kurz darauf wurde das Video jedoch ohne Angabe von Gründen sowohl von der Internetseite als auch vom Telegram-Kanal des Senders gelöscht.

Die unabhängige investigative Nachrichtenagentur Agentstvo spekulierte laut der Moscow Times, dass das Material entfernt wurde, weil es „Informationen enthielt, die das Verteidigungsministerium nicht veröffentlicht haben wollte“.

Briten über russische Verluste: „Mindestens 230.000 bis 250.000 tote oder verletzte Russen“

Sowohl Kiew als auch Moskau halten sich über die Verlustzahlen der eigenen Truppen äußerst bedeckt – Moskaus offizielle Gesamtzahl von 5937 wurde seit September 2022 nicht mehr aktualisiert und war schon damals mit ziemlicher Sicherheit deutlich zu niedrig angesetzt. Aktuell ist die Ukraine mit ihrer Offensive gegen Russland zunehmend erfolgreich.

Soldaten der regulären russischen Streitkräfte im Einsatz in der Ukraine. Eine Viertelmillion von ihnen soll ausgeschaltet worden sein.

Im Juli behauptete der britische Verteidigungsminister Ben Wallace, seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine sei eine Viertelmillion russischer Soldaten getötet oder verletzt worden. Bei einer Veranstaltung in London sprach er laut der Kyiv Post über den schlechten Zustand, in dem sich der Kreml und die russischen Streitkräfte derzeit befinden würden. Das würde sich etwa an der gescheiterten Wagner-Meuterei und den zahlreichen Entlassungen, Tötungen und dem Verschwinden russischer Generäle in den letzten Wochen zeigen.

Die Uneinigkeit in der russischen Militärführung sei „sehr real“ und die Verlustraten „erschreckend“, sagte Wallace. „Es wäre nicht falsch, von mindestens 230.000 bis 250.000 toten oder verletzten Russen zu sprechen.“ Diese Zahl passt gut zu den Angaben des Generalstabs der Ukraine vom 5. August, nach denen mehr als 249.000 russische Kämpfer getötet oder verwundet worden sind. (Robert Wagner)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Alexey Maishev

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