„Unmenschliche Handlungen“: Nordkorea schickt Ballons mit Müll und Kot nach Südkorea – Seoul warnt Bevölkerung
VonNatascha Berger
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Das von Kim Jong-un regierte Nordkorea hat eine Drohung wahr gemacht und Hunderte Ballons mit Müll nach Südkorea geschickt hat. Es ist nicht die erste Aktion dieser Art.
Seoul – Nordkorea soll mindestens 260 Ballons mit Müll in das Nachbarland Südkorea gesendet haben. Wie das südkoreanische Militär mitteilt, seien in den Mülltüten verschiedene Abfallprodukte, von Toilettenpapier über Batterien bis hin zu Kot, gewesen. Die Bevölkerung wird derzeit davor gewarnt, die weißen Ballons sowie die daran befestigten Plastiktüten zu berühren und gebeten, zu Hause zu bleiben. Die Aktion folgt auf eine Warnung aus Nordkorea.
Südkorea warnt Bevölkerung vor „Outdoor-Aktivitäten“ – Kot-Ballons aus Nordkorea fast im ganzen Land
In acht von neun Provinzen Südkoreas soll der Abfall bereits gelandet sein. Die Bewohner:innen nördlich der südkoreanischen Hauptstadt Seoul hatten bereits am Dienstagnachmittag die Warnung erhalten, „auf Outdoor-Aktivitäten zu verzichten“. Bei einer Sichtung eines „unbekannten Projekts“ sollte außerdem der nächstgelegene Militärstützpunkt oder die Polizei benachrichtigt werden. Darüber berichtet unter anderem das US-Medium BBC.
Das südkoreanische Militär bezeichnete die Aktion Nordkoreas indes als „klaren Verstoß gegen internationales Recht“ und forderte das von Diktator Kim Jong-un regierte Land auf, die „unmenschlichen und vulgären Handlungen sofort zu stoppen“.
No, I’m not shitting you.
North Korea sent bunch of balloons filled with “feces and other waste materials” to the South.
— Korea Defense Blog (@Korea_Defense) May 29, 2024
Als vulgär dürfte die Aktion bezeichnet werden, weil einige der Mülltüten auch Fäkalien enthalten haben soll. Dies sei „an ihrer dunklen Farbe und dem Geruch“ erkennbar gewesen, teilt die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap mit. Die Ballons würden die Sicherheit der Zivilbevölkerung gefährden, heißt es weiter. Erst im Januar drohte Kim Jong-un Südkorea mit der Vernichtung des Landes.
Nordkorea drohte Südkorea wegen Flugblatt-Aktionen bereits mit „Bergen von Altpapier und Dreck“
Die Ballons, an denen die Mülltüten befestigt waren, folgen auf eine Drohung aus Nordkorea. Der Vizeverteidigungsminister des autoritär regierten Landes hatte, wie BBC berichtet, am vergangenen Sonntag bereits Vergeltungsmaßnahmen „gegen das häufige Verstreuen von Flugblättern und anderem Müll“ angekündigt. „Berge von Altpapier und Dreck werden bald über die Grenzgebiete“ verstreut werden, so die Botschaft aus Nordkorea, das Russland im Ukraine-Krieg unterstützt. So werde Südkorea selbst erleben, „wie viel Aufwand es bedeutet, alles zu beseitigen“.
Süd- und Nordkorea im Konflikt: Immer wieder fliegen Ballons über die Grenze
Südkoreanische Aktivist:innen und Flüchtlinge aus Nordkorea hatten in der Vergangenheit immer wieder ähnliche Aktionen gestartet, in dem sie Ballons mit Flugblättern über die Grenze schickten, die unter anderem zum Sturz des Regimes aufriefen. Neben den Flugblättern seien auch Geld, südkoreanische Snacks oder USB-Sticks mit in Nordkorea verbotenen K-Pop-Musikvideos in den Ballons gewesen. Wie The Guardian berichtet, seien während der Corona-Pandemie auch Masken und Schmerztabletten nach Nordkorea geflogen. Kim Jong-un bezeichnete die Ballons damals als „schmutzigen Abfall“ und behauptete, sie seien für die Verbreitung von Covid-19 im abgeschotteten Land verantwortlich.
Nordkorea reagierte auf die Aktionen wiederholt verärgert, schickte auch 2016 bereits Müll in das Nachbarland. In Südkorea selbst sind die Flugblattaktionen umstritten. Unter der südkoreanischen Regierung unter Führung des liberalen Präsidenten Moon Jae-in wurde 2021 ein Gesetz verabschiedet, was die Übersendung der Flugblätter und anderer Objekte verbot. Die Aktionen würden Nordkorea unnötig provozieren und Bemühungen zur Verbesserung der grenzüberschreitenden Beziehung behindern. Es folgten wütende Reaktionen von Menschenrechtsaktivisten im Land. Im vergangenen Jahr wurde das Verbot mit dem Argument, es schränke unverhältnismäßig die Meinungsfreiheit ein, schließlich wieder aufgehoben. (nbe/dpa)