VonAnika Zuschkeschließen
Die Sanktionen aus dem Westen zeigen Wirkung in Russland: Weil das technische Equipment fehlt, müssen russische Airlines Flugzeuge für Ersatzteile demontieren.
Moskau – Vor rund einem halben Jahr verhängte der Westen Russland aufgrund des Ukraine-Kriegs mit einer Reihe von Sanktionen. Seitdem dürfen beispielsweise Güter und Technologien für die Luft- und Raumfahrtindustrie nicht mehr aus der EU nach Russland ausgeführt werden – und das spürt das Land zunehmend. Vier Brancheninsider sollen der Nachrichtenagentur Reuters nämlich berichtet haben, dass russische Airlines neue Flugzeuge auseinandernehmen, um an Ersatzteile zu kommen.
Sanktionen zeigen Wirkung: Russische Airlines nehmen neue Flugzeuge für Ersatzteile auseinander
Bereits im Juni hatte die russische Regierung demnach empfohlen, Flugzeuge für Ersatzteile auszuschlachten. Auf diese Weise sollen im Ausland gebaute Jets – besonders von Boeing und Airbus – noch bis zum Jahr 2025 in Betrieb bleiben können. Neben einem Langstreckenjet A350 stehe von der staatlichen Airline Aeroflot noch eine Sukhoi Superjet-100 aus russischer Produktion am Boden, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person laut Reuters. Auch in dem Flieger stecke viel Technik aus dem Westen.
Der Nachteil von neueren Flugzeuggenerationen wie der A320neo oder der A350 von Airbus sowie der 737 MAX und der 787 von Boeing ist, dass diese ständig auf den neuesten technischen Stand gebracht werden müssen. Deswegen wird es Einschätzungen von westlichen Experten zufolge sogar für ausgebuffte russische Ingenieure eine Herausforderung, die Jets flugfähig zu halten. Aufgrund von Sanktionen musste Putin auch schon kaputte Panzer mithilfe von Ersatzteilen aus Küchengeräten zusammenflicken.
Keine Technik für Putin: 15 Prozent der russischen Airline Aeroflot hebt nicht mehr ab
Denn obwohl vornehmlich Länder aus dem Westen Russland mit Sanktionen belegt haben, sind auch Umwege über Länder aus Asien und dem Nahen Osten abgeschnitten. Das liegt daran, dass diese ebenfalls Sekundärsanktionen aus dem Westen zu befürchten hätten, wenn sie Teile von Airbus oder Boeing nach Russland liefern würden.
Infolge der Sanktionen zeigte eine Studie bereits, dass Präsident Wladimir Putin Russland damit in den Abgrund treibt. Doch auch Deutschland selbst ist von den Sanktionen betroffen. Deswegen fordern Unternehmen inzwischen eine Änderung der Russland-Sanktionen.
Jüngeren Daten des Portals Flightradar24 zufolge hoben wohl 50 Flugzeuge oder 15 Prozent der Aeroflot-Flotte in letzter Zeit nicht mehr ab – einige Maschinen sind auch im Ausland gestrandet, wie das Handelsblatt berichtet. So erging es auch einem russischen Flugzeug, das am Münchner Flughafen festsitzt und dort Mitte Mai bereits 24.000 Euro Parkgebühren eingeheimst hatte.
