- VonChristian Mihatschschließen
COP 28: Erneuerbare Energien sollen ausgebaut und der Globale Süden besser unterstützt werden.
Viel Hoffnung ruht auf dem UN-Klimagipfel in Dubai. Hier wird erwartet, dass sich die Staaten auf ein „Energiepaket“ einigen, das eine Verdreifachung der Kapazität der Erneuerbaren und eine Verdoppelung der Verbesserungsrate bei der Energieeffizienz bis 2030 umfasst. Außerdem sollen die Öl- und Gaskonzerne der Welt ihre Methanemissionen bis 2030 um drei Viertel senken.
Mit diesen drei Vorkehrungen ließen sich 80 Prozent der zusätzlichen Emissionsminderungen erzielen, die für einen 1,5-Grad-Pfad erforderlich sind, wie die Internationale Energieagentur IEA ausgerechnet hat. Dass diese Ziele in Dubai auch verabschiedet werden, ist tatsächlich wahrscheinlicher geworden, da China und die USA sich ausdrücklich zu diesen Zielen bekannt haben. Zudem wollen viele Staaten den Verbrauch aller fossilen Energieträger (Kohle, Öl und Gas) beenden.
Doch die aktuelle geopolitische Lage könnte diesen Plan vereiteln, denn für einige Länder ist kurzfristig der Zugang zu Energie auch aus fossilen Quellen absolute Priorität. Dies gilt umso mehr, da Al Jaber nicht nur der COP vorsitzen wird, sondern gleichzeitig Chef von Adnoc ist, dem staatlichen Öl- und Gaskonzern der Vereinigten Arabischen Emirate. Wegen dieser Konstellation fürchten viele Umweltorganisationen, dass Al Jaber den Interessen der Fossilkonzerne zu viel Raum einräumt.
Es wird sehr viel Geld benötigt
Beim schwierigsten Thema könnte es paradoxerweise hilfreich sein, dass Al Jaber einen Staat vertritt, der durch Erdöl sehr wohlhabend geworden ist, und zwar beim Thema Geld. In Dubai müssen gleich drei große Finanzfragen geklärt werden, wenn die Konferenz ein Erfolg werden soll. Es braucht Geld für den neuen Fonds zum Ausgleich von Verlusten und Schäden durch die Erderwärmung, der etwa kleinen Inselstaaten hilft, wenn sie von einem Orkan getroffen werden. Es braucht aber auch Geld, um die Kapazität der erneuerbaren Energien weltweit bis 2030 zu verdreifachen.
Die Brandmauer
Die Unterscheidung zwischen Industrie- und Entwicklungsländern im Rahmen der Klimapolitik beruht auf zwei Anhängen der UN-Klimakonvention. Die Konvention wurde 1992 auf dem Erdgipfel in Rio de Janeiro verabschiedet und trat zwei Jahre später in Kraft.
Sie legt fest, dass die in einem Anhang gelisteten damaligen Industriestaaten die Entwicklungsländer bei der Vermeidung von Treibhausgas-Emissionen und der Anpassung an die Klimaerwärmung finanziell unterstützen müssen.
„Es war damals nicht die Absicht, die Liste der Industriestaaten abschließend festzulegen. Der Anhang sollte dynamisch sein und ergänzt werden. Dazu gab es immer wieder Vorschläge, aber die sind stets gescheitert,“ sagt der frühere Leiter der Schweizer Delegation beim UN-Klimagipfel, Franz Perrez.
Mittlerweile gibt es „Entwicklungsländer“, die sowohl höhere Pro-Kopf-Emissionen als auch ein höheres Pro-Kopf-Einkommen haben als mindestens drei Industriestaaten. Dies trifft auf Brunei, Israel, Katar, Kuweit, Singapur, Südkorea und die Vereinigten Arabischen Emirate zu.
„Angesichts ihrer Zahlungsfähigkeit und ihrer historischen Verantwortung für den Klimawandel gibt es gute Gründe dafür, dass diese sieben Länder jetzt einen Beitrag zur Klimafinanzierung leisten“, analysiert der britische Thinktank ODI. Doch genau das wollen diese Länder mit Unterstützung Chinas verhindern. mic
Die Industriestaaten und China sind auf einem guten Weg, aber in den meisten Ländern des Globalen Südens sind die Kapitalkosten zu hoch, um die Erneuerbaren im nötigen Tempo auszubauen. Und schließlich müssen sich die Staaten darauf einigen, was mit dem 100-Milliarden-Dollar-Ziel ab 2025 passieren soll. Im Jahr 2009 hatten die Industrieländer versprochen, die Staaten des Globalen Südens von 2020 bis 2024 mit jährlich 100 Milliarden US-Dollar zu unterstützen, haben diese Summe jedoch erst jetzt erreicht, wie Zahlen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zeigen.
Papst sagt Besuch ab
Bei allen drei Themen steht eine Frage im Mittelpunkt: Wer soll diese Gelder bereitstellen? Aus deutscher und europäischer Sicht ist die Antwort klar. Deutschlands Außenministerin Annalena Baerbock verlangt, dass „die Staaten, die mit fossilen Energien viel Geld verdient haben, wie die Golfstaaten oder Staaten wie China, die in den letzten Jahren große Wachstumsraten erzielen konnten und die ebenfalls auch historisch betrachtet zu den größten Verursachern von Treibhausgasen gehören, ebenso in diesen Fonds einzahlen“. Und hier könnte sich der Reichtum der Emirate als nützlich erweisen.
Neben dem Klima sorgt derzeit ein weiteres Thema in Dubai für Aufsehen: der Gesundheitszustand von Papst Franziskus. Er hat seine Reise wegen einer Erkrankung abgesagt. Er wäre der erste Pontifex gewesen, der an einer UN-Klimakonferenz teilgenommen hätte. Ein schlechtes Omen? mit afp