Aktuell „100 Sekunden vor zwölf“

Weltuntergangsuhr: Anpassung wegen Ukraine-Krieg und Atomwaffen-Drohung?

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Die Weltuntergangsuhr soll zeigen, wie weit die Menschheit vor dem Super-Gau steht.
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Tick, Tick, Tick. Die Weltuntergangsuhr könnte in wenigen Tagen aktualisiert werden. Wie weit steht die Menschheit vor der Katastrophe?

Washington – „Es ist fünf Minuten vor zwölf“. Diese Metapher kennen wohl alle. Daran orientiert, riefen Wissenschaftler 1947 die Weltuntergangsuhr ins Leben (englisch: Doomsday Clock). Eine symbolische Uhr, die – den gerade erst geendeten Zweiten Weltkrieg im Blick – zeigen sollte, wie weit die Menschheit vor dem Ende steht. Die Organisation Bulletin of the Atomic Scientists („Berichtsblatt der Atomwissenschaftler“) betreut die Anpassung. Sie beschreibt die Uhr als eine „Metapher dafür, wie nah die Menschheit an der Selbstvernichtung ist“.

Weltuntergangsuhr: Von 17 vor zwölf zu 100 Sekunden vor zwölf

Vor 75 Jahren zeigten die Zeiger sieben Minuten vor zwölf an. Im Laufe des Kalten Kriegs gab es immer wieder Anpassungen. Mal wurde die Uhr vor, mal zurückgestellt. Am entspanntesten war die Lage 1991, als Russland und die Sowjetunion gemeinsame Verträge zur nuklearen Abrüstung unterzeichneten. Damals war es 17 vor zwölf.

Von diesen Zeiten sind die Einschätzungen der Wissenschaftler mittlerweile weit entfernt. 2020 erreichte die Weltuntergangsuhr mit 100 Sekunden vor zwölf einen neuen Tiefpunkt: „Die Menschheit sieht sich nach wie vor mit zwei existenziellen Gefahren konfrontiert“, schrieben die Wissenschaftler: „einem Atomkrieg und dem Klimawandel.“ Diese Gefahren würden „durch einen Bedrohungsmultiplikator, die cybergestützte Informationskriegsführung, noch verstärkt werden.“ Diese Einschätzung basierte auf Entwicklungen vor dem Ukraine-Krieg.

Es ist 100 Sekunden vor Mitternacht, heißt es beim aktuellen Stand der Weltuntergangsuhr von 2020. Jeweils im Januar des Jahres entscheiden die Wissenschaftler des über eine mögliche Anpassung. Die Entscheidungen trifft der -Aufsichtsrat gemeinsam mit einem Sponsorenrat. Mit dabei sind elf Nobelpreisträger. 

Die Anpassungen der Weltuntergansuhr in diesem Jahrtausend

2002sieben vor zwölf
2007fünf vor zwölf
2010sechs vor zwölf
2012fünf vor zwölf
2015drei vor zwölf
2017zweieinhalb vor zwölf
2018zwei vor zwölf
2020100 Sekunden vor zwölf

Weltuntergangsuhr: Ukraine-Krieg könnte für nächste Anpassung sorgen

Nun soll die Uhr erneut angepasst werden. Das Bulletin of the Atomic Scientists kündigte am Dienstag an, dass am 24. Januar bekannt geben wird, ob sich die Zeit der symbolischen Uhr ändern wird. Von einer erneuten Anpassung ist auszugehen, schließlich steht auch 2023 im Zeichen des seit mehr als zehn Monaten andauernden Ukraine-Kriegs. France24 meldete, dass die Spannungen zwischen Russland und der Ukraine in diesem Jahr den Minutenzeiger noch näher an die Zwölf-Uhr-Marke bringen könnten.

Hintergrund sind nicht nur die andauernden Gefechte, sondern vor allem regelmäßige Atomwaffendrohungen. Schon kurz nach Beginn des Ukraine-Kriegs hatte Russland seine Atomwaffen in erhöhte Bereitschaft versetzt. Im Laufe des Ukraine-Krieg drohte Russland es immer wieder mehr oder minder offen mit seinem Atomwaffenarsenal. Im russischen Fernsehen rechneten Talk-Gäste aus, wie lange eine Atomwaffe nach Berlin brauchen würde. Es sollen 106 Sekunden sein. Wie real ist die Atomschlag-Gefahr? Experten ordnen die Lage ein. (as)

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