Ecuador

Wer bringt die Gewalt in Ecuador unter Kontrolle?

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Präsident mit Vorliebe für Pappaufsteller? Drei Frauen posieren mit vier Abbildern von Daniel Noboa.
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Der Januar war der tödlichste Monat in der Geschichte des Landes. Am Sonntag wird in Ecuador gewählt.

Es war zuletzt still geworden um Ecuador, das Land das vor knapp zwei Jahren wegen des Mordes an einem Präsidentschaftskandidaten, der ausufernden Macht der Drogenkartelle und als Ausgangspunkt der Kokainlieferungen nach Europa in den Fokus gerückt war. Im Spätsommer 2023 tauschte der südamerikanische Staat quasi über Nacht seinen Ruf als ruhiges Land und Ferienparadies mit dem eines zwielichtigen Narco-Staates.

Das Attentat wühlte das Land auf und wirbelte den Präsidentschaftswahlkampf durcheinander. Am Ende siegte überraschend Daniel Noboa, ein junger Rechter, ein telegener Outsider und Spross eines Bananenimperiums. Mit dem Law-and-Order-Versprechen, Ecuador wieder sicher zu machen, trat er im November 2023 eine verkürzte Präsidentschaft an. Er führte das Mandat des zuvor zurückgetretenen Amtsinhabers Guillermo Lasso zu Ende.

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Und nun will er am Sonntag für eine reguläre Amtszeit von vier Jahren wiedergewählt werden. Und seine Chancen stehen sehr gut, auch wenn es seinem Land nach wie vor relativ schlecht geht. Gewalt, Organisierte Kriminalität, ausbleibendes Wirtschaftswachstum, Dürre und in der Folge regelmäßige mehrstündige Stromausfälle sind die Realität des kleinen Landes zwischen Anden und Pazifik. Nach wie vor lebt die Hälfte der Menschen in Armut. Wer kann, der geht. Vergangenes Jahr wurden an der US-Grenze 122 000 Ecuadorianerinnen und Ecuadorianer bei dem Versuch aufgegriffen, ohne Papiere ins Land zu gelangen.

Bis heute gilt Ecuador wegen seiner attraktiven Lage nahe Kolumbien, mit dem großen Pazifikhafen Guayaquil, der dollarisierten Wirtschaft und einer ausgreifenden Korruptionsanfälligkeit als bevorzugte Operationsbasis von kriminellen Gruppen aller Herren Länder. Mexikanische Drogenkartelle, kolumbianische paramilitärische Banden und auch die albanische Mafia haben sich mit den lokalen Gruppierungen verbündet.

Banden terrorisieren die Bevölkerung in Ecuador

So organisieren sie den Kokainschmuggel nach Antwerpen, Rotterdam und Hamburg, nehmen den Goldbergbau zunehmend unter Kontrolle und terrorisieren die Bevölkerung. Hinzu kommen jetzt unter Staatschef Noboa zunehmend Exzesse der Sicherheitskräfte gegen die Zivilbevölkerung, nachdem das Militär mit weitreichenden Kompetenzen ausgestattet wurde. Und so ist Ecuador noch immer das Land mit der höchsten Mordrate in Lateinamerika. Der Januar war der tödlichste Monat in der Geschichte des Landes.

Dennoch bewerben sich 16 Männer und Frauen um das höchste Staatsamt. Aber neben dem 37 Jahre alten Noboa hat nur die Linksliberale Luisa González, eine 47-jährige Juristin von der Partei „Revolución Ciudadana“ des ehemaligen Präsidenten Rafael Correa, Chancen. Wenn keiner von beiden am Sonntag die absolute Mehrheit erhält, kommt es Mitte April zur Stichwahl, in der sich Noboa und González schon 2023 gegenüberstanden.

In seiner kurzen Amtszeit von bisher rund 15 Monaten hat Noboa mehr Herausforderungen zu bewältigen als andere Präsidenten während eines regulären Mandats. Wochen nach seinem Amtsantritt überzog das Organisierte Verbrechen das Land mit systematischer Gewalt. Gefängnisinsassen meuterten und töteten Wärter, ein bewaffnetes Kommando nahm bei einem Fernsehsender in Guayaquil vor laufender Kamera die Moderatoren als Geisel. Noboa rief den „internen bewaffneten Konflikt“ aus, schickte die Streitkräfte auf Straßen und in die Gefängnisse. Tausende von Menschen wurden verhaftet. Kurzfristig sank die Mordrate, doch Mitte 2024 begann sie wieder anzusteigen.

Dennoch werde Noboa wiedergewählt, ist der Analyst Sebastián Hurtado sicher. Mit nur 37 Jahren sei er einer der beliebtesten Politiker Ecuadors und genieße eine Zustimmungsrate von 40 bis 50 Prozent, sagt der Chef der politischen Beratungsagentur „PRóFITAS“ „Seine Anziehungskraft beruht auf seinem Image als jugendlicher Außenseiter und seinem Ruf als entschlossener Kämpfer gegen das organisierte Verbrechen.“

Gemeinsam mit seiner 26-jährigen Frau Lavinia Valbonesi, einer Fitness- und Ernährungsinfluencerin, ist er ständig in den sozialen Netzwerken unterwegs, wo ihnen Millionen von Menschen folgen. Noboa zeigt sich da gerne als der Sheriff von Ecuador mit dunkler Sonnenbrille und kugelsicherer Weste über den ärmellosen Shirts. Das Paar sei ebenso viel Politik wie Glamour, betont Hurtado.

Und letztlich behauptet Noboa erfolgreich, weit von der „alten politischen Klasse“ entfernt zu sein. All das ist ein Narrativ, mit dem man in Lateinamerika zunehmend Wahlen gewinnt. El Salvador und Argentinien mit ihren rechtsautoritären Staatschefs Nayib Bukele und Javier Milei sind da das Vorbild.

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