Nach Annexions-Drohungen

Trump auf Konfrontationskurs – Kanadas Premier kontert: „Werden niemals zum Verkauf stehen“

+
US-Präsident Donald Trump und Kanadas Premierminister Mark Carney im Oval Office.
  • schließen

Das Verhältnis zwischen den USA und Kanada ist – gelinde gesagt – angespannt. Bei einem Treffen stößt Donald Trump dem frisch gebackenen Premier vor den Kopf.

Update, 22.40 Uhr: Beim Treffen mit Kanadas Premier Mark Carney konnte Trump die Provokation nicht lassen. Der US-Präsident selbst spielte dabei auf den Eklat im Weißen Haus mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj an. Es werde nicht so sein, dass es wieder einen kleinen Krach mit jemandem gebe, sagte Trump lachend. Das werde ein ganz anderes, freundliches Gespräch werden. Wenig später wiederholte er mehrfach, dass er weiterhin Interesse an Kanada als 51. US-Staat habe.

„Ich glaube einfach, dass es viel besser für Kanada ist“, sagte Trump. Für die kanadischen Bürger hätte es enorme Vorteile, viel niedrigere Steuern und keine Kosten für den militärischen Schutz, sagte der US-Präsident. Er betonte, deshalb glaube er, dass Kanada zu den USA gehören sollte, aber er fügte einschränkend hinzu: „Zum Tango tanzen gehören immer zwei.“

Kanadas Premier zu Besuch bei Trump: „Tanzpartner“ Carney winkt ab – und muss mit Zöllen rechnen

Der vermeintliche Tanzpartner Carney winkte aber rasch ab: „Wie Sie aus der Immobilienbranche wissen, gibt es einige Orte, die niemals zum Verkauf stehen“, sagte er humorvoll. „An einem solchen sitzen wir gerade. Sie kennen ja auch den Buckingham-Palast, den Sie besucht haben.“ Trump warf ein: „Das stimmt.“

Trotz der zwischendurch lockeren Atmosphäre kann Kanada nach Trumps Angaben aber nicht mit einer Aufhebung von Zöllen als Ergebnis des Treffens rechnen. Auf die Frage einer Journalistin, ob Carney während des Besuchs in der US-Hauptstadt Washington irgendetwas sagen könne, das Trump dazu bewegen könnte, die Zölle gegen Kanada aufzuheben, antwortete der US-Präsident: „Nein“. 

Update, 18.55 Uhr: Inmitten der Spannungen zwischen ihren beiden Ländern hat US-Präsident Donald Trump den neuen kanadischen Premierminister Mark Carney empfangen. Trump begrüßte den Liberalen-Politiker Carney am Dienstag im Weißen Haus in Washington. Dabei wiederholte der Präsident vor Journalistinnen und Journalisten seine Forderung, Kanada solle der 51. Bundesstaat der USA werden. Carney entgegnete: „Wir werden niemals zum Verkauf stehen.“

Trump sagte weiter, er strebe ein neues Handelsabkommen mit Kanada an. Im Onlinedienst Truth Social hatte der US-Präsident Kanada kurz vor dem Treffen vorgeworfen, sich von den USA „mit 200 Milliarden US-Dollar pro Jahr subventionieren“ zu lassen. Damit spielte Trump auf das Handelsbilanzdefizit der USA mit Kanada an. Allerdings lag es im vergangenen Jahr nicht bei 200 Milliarden Dollar, sondern nur bei gut 63 Milliarden Dollar.

Trump auf Konfrontationskurs: Kanada brauche „alles“ von den USA

Trump betonte, die Vereinigten Staaten bräuchten weder Autos noch Energie noch Holz aus Kanda. „Wir brauchen nichts von ihnen außer Freundschaft“, schrieb Trump. Kanada brauche dagegen „alles“ von den Vereinigten Staaten.

Carneys Liberale Partei hatte vergangene Woche die Parlamentswahl in Kanada mit deutlichem Vorsprung gewonnen. Er warf den USA „Verrat“ vor und rief sein Land zur Geschlossenheit gegenüber dem Nachbarn auf.

Donald Trump empfängt Kanadas Premier Mark Carney

Update, 6. Mai, 5.22 Uhr: Die traditionell freundschaftlichen Beziehungen zwischen Kanada und den USA haben sich mit Trumps Amtsantritt drastisch verschlechtert. Trump forderte mehrfach, Kanada solle der 51. Bundesstaat der USA werden; er verfolgt zudem eine aggressive Zollpolitik gegenüber dem Nachbarland. Vor diesem Hintergrund empfängt der US-Präsident heute ab 17.00 Uhr – unserer Zeit – den kanadischen Premierminister Mark Carney. Der hatte das Verhältnis im Vorfeld als seine „erste Priorität“ bezeichnet.

Trump provoziert vor Treffen mit Kanada-Premier: „Weiß nicht, was er will“

Erstmeldung: Washington, D.C. – Droht der nächste internationale Eklat im Weißen Haus? Donald Trump hat sich vor dem Besuch des neuen kanadischen Premierministers Mark Carney abschätzig über das anstehende Treffen geäußert. „Ich weiß nicht, warum er mich sehen will“, sagte der US-Präsident auf die Frage eines Journalisten, was er sich von dem Gespräch am Dienstag erwarte.

„Aber ich schätze, er will einen Deal machen. Das wollen alle“, so der Republikaner weiter. Trump dürfte auf die Verhandlungen im Zollstreit anspielen – er hatte zuletzt hohe Zölle auf Waren aus dem nördlichen Nachbarland verhängt. 

Carney will sich nach Kanada-Wahl „sofort engagieren“ – auch mit Donald Trump

Trump versuchte außerdem den Eindruck zu erwecken, als wisse er nicht so recht über den anstehenden Termin Bescheid. Carney hatte das Treffen in Washington vergangene Woche nach dem Sieg seiner liberalen Partei bei der Kanada-Wahl angekündigt. „Es ist wichtig, sich sofort zu engagieren, das war immer meine Absicht“, sagte Carney.

Carney erwarte „schwierige, aber konstruktive Diskussionen“. Weiter sagte der neue Premier Kanadas: „Ich werde für den besten Deal für Kanada kämpfen und werde nur den besten Deal akzeptieren.“

Trump drohte Kanada mehrfach mit einer Annexion – und verschaffte den Liberalen den Wahlsieg

Trump hat in der Vergangenheit wiederholt gefordert, dass Kanada Teil der USA werden solle, und das Land als 51. Bundesstaat bezeichnet. Carney gewann die Kanada-Wahl durch seinen scharfen Anti-Trump-Kurs. Mit seinen Einverleibungsäußerungen hatte Trump große Empörung – und auch Spott – ausgelöst.

In einem TV-Interview am vergangenen Wochenende behauptete Donald Trump dann überraschend, dass militärische Gewalt für ihn keine Option sei. „Ich glaube nicht, dass wir jemals an diesen Punkt kommen werden“, so der 78-Jährige mit Blick auf den nördlichen Nachbarn. (nak mit dpa)

Kommentare